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Die Härtesten hielten Petrus stand

Montag, 10. September 2001, 15:05 Uhr
Neustadt (nnz) Der Himmel weinte fast ununterbrochen, doch die meisten ließen sich trotzdem nicht abschrecken. Die Biker hielten bei ihrem Treffen in Neustadt durch und erlebten ein abwechslungsreiches Wochenende.


Vielleicht sollte man im nächsten Jahr ein „Neustädter Motorboot-Treffen“ im Veranstaltungskalender des Luftkurortes vermerken. Es fehlte nicht mehr viel, und auf dem Veranstaltungs- und Zeltplatz-Gelände des 2. Neustädter Motorrad-Treffens hätte man den isolierenden Neopren-Anzug statt der schweren Leder-Kombi angezogen. Vom warmen Sonnenschein und dem herrlichen Spätsommer-Wetter des vergangenen Jahres zu diesem Anlass war nichts zu spüren. Sicher war das graue Herbstwetter im Vorfeld bereits der Grund dafür, dass die Beteiligung - sowohl von Seiten der Biker als auch der Besucher am Nachmittag - im Vergleich zum Vorjahr wesentlich geringer ausfiel. Einige reisten leider schon vorzeitig ab.

Trotzdem machten alle Beteiligten das Beste aus der nass-kalten Situation, mit der sich die Biker schon bei ihrer Anreise am Freitag Nachmittag konfrontiert sahen. Schließlich gab es ja noch das große und vor allem trockene Festzelt. Dort spielte sich vor allem das Abend- und Nachtleben ab. Den Anfang machten am Freitag die vier Berliner Rockerinnen von „Stiefmutter“. Sie sorgten für ordentlich Stimmung unter den Bikerfreunden und den Besuchern. Die anschließende Erotikshow vertrieb bei den Anwesenden auch das letzte Fünkchen Müdigkeit, sodass noch bis zum frühen Morgen weiter gefeiert wurde.

Nach dem Frühstück folgte für alle wetterfesten Biker und Triker (Trikes = Motorräder mit hinten zwei und vorn einem Rad) eine geführte Ausfahrt durch den Südharz. Glücklicherweise lockerten die Wolken schon bald etwas auf, sogar die Sonne ließ sich zwischen einzelnen heftigen Schauern blicken. So konnte das Programm mit der Motorrad-Artistikshow des MC „Barbarossa“ doch noch durchgeführt werden. An Aufregung mangelte es dabei nicht. Dafür sorgte das Team, das teilweise aus national und international erfahrenen Spitzenfahrern bestand. Sie zeigten trotz des rutschigen Bodens eine spannende Stunt-Show, bei der sie mit hoher Geschwindigkeit über die abgegrenzte Fläche jagten und sowohl einzeln als auch nebeneinander über kleine und große Rampen sprangen.

Auch die Bikerspiele erfreuten sich eines großen Interesses. Die Teilnehmer maßen sich zuerst beim Bungee-Running. An ein Tau aus Fahrrad-Schläuchen gebunden, mussten sie rund zwanzig Meter bis zu einer Holzpalette rennen. Das dort bereit stehende Bier sorgte dafür, dass es fast alle schafften. Danach folgte der Wettbewerb im Baumstamm-Weitwurf. Zehn Meter war die weiteste Strecke, die der 1,5 m lange Holzklotz zurück legte. Mit dem anschließenden Sturzbier-Trinken hatte erwartungsgemäß kaum jemand Probleme. Hier zeigte sich, dass 0,6 Liter Bier ohne Weiteres in neun Sekunden verschwinden können. Die Entscheidung viel letztendlich beim Torten-Wettessen. Alle zwölf Teilnehmer bekamen ein Stück leckere Brockenbäcker-Torte aus Tanne serviert. Nun galt es, in einer Minute so viel wie möglich von diesem zehn Zentimeter hohen Sahneerlebnis zu verspeisen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte jeder seinen Tages-Kalorienbedarf gedeckt.

Die Gewinner wurden am Abend im Festzelt bekannt gegeben. Als Preise erhielten sie Pokale und die CD „Bikeralarm 2001“, die extra für dieses Event heraus gegeben wurde. Der Gesamtsieg ging an Lothar Schmidt. Auch weiterer Wettbewerb wurde entschieden. Gesucht wurde der Biker, der am weitesten angereist war. Hier hatte ein Saarländer die Nase vorn: Er brauchte bis Neustadt 518 Kilometer. Der Rest des Abends wurde wieder im Festzelt bei zünftiger Musik verbracht. Mit ihren Hits der 60-er und 70-er Jahre riefen „Revolver“ die Erinnerung an vergangene Zeiten zurück. Später hielt die Erotikshow die Anwesenden wieder bei Laune. Bei vollständig ausgelastetem Zelt ging die Party weiter bis früh in den Morgen.

Neben einem guten Frühstück wartete am Sonntag ein Gottesdienst auf die Bike-Freunde. Pfarrer Bernd Lenz aus Neustadt präsentierte ein speziell auf diesen Anlass zugeschnittenes Programm. Mit seinen kurzen Ansprachen und Liedern wie „Knockin' on heaven's door“ und „Runaway train“, bei denen er von seinen zwei Helfern musikalisch unterstützt wurde, wünschte er den Bikern eine gute Heimfahrt. Die erfolgte auf Grund der dicken Dauerregenwolken auch recht schnell. Die geplante Ausfahrt musste leider ausfallen, und auch zum Familien-Nachmittag mit Blasmusik fiel die Besucherzahl eher gering aus.

Das Festzelt war während dieser drei Tage jedoch nicht der einzigste Anziehungspunkt. Neben einigen Ständen, bei denen es Zubehör rund ums Motorrad zu kaufen gab, bestand auch die Möglichkeit, sich tätowieren und piercen zu lassen. Ein besonderer Leckerbissen war die Rasenstrecke, auf der man mit geliehenen Cross-Maschinen selbst einmal dieses Fahrgefühl genießen durfte. Natürlich waren auch die Motorräder selbst ein Blickfang. Von Kawasaki über Honda bis zur Harley waren die verschiedensten Typen und Modelle zu sehen. Dass diese auch ordentlich Krach und Gestank machen können, bekam man des öfteren zu spüren, wenn die Fahrer ihre Maschinen im Stand mit Vollgas laufen ließen. Durch tiefe Eindrücke im aufgeweichten Boden hinterließen sie ihre Spuren. So mancher Reifen ging kaputt, sobald dafür Holzpaletten genutzt wurden.

Alles in allem kann man von einem gelungenen Wochenende sprechen, auch wenn Petrus die Stimmung etwas drückte. Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle an das Landratsamt Nordhausen, die Verwaltungsgemeinschaft „Hohnstein/Südharz“ sowie die Gemeinde Neustadt. Sie haben im Vorfeld sehr gut mit den Neustädter Motorrad-Freunden zusammen gearbeitet und sie bei der Vorbereitung und Organisation unterstützt. Weiterhin seien die freiwilligen Helfer der DLRG-Ortsgruppe „Hohnstein“ e.V. genannt, die besonders während der Abende und Nächte für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung gesorgt haben. Nicht zu vergessen sind auch die Anwohner von Neustadt und Osterode, die die teilweise recht laute Geräuschkulisse so bereitwillig akzeptiert haben.
Manuela Jauer
Autor: nnz

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