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Umbruch im Thüringer Handel

Neue Geschäftsmodelle im Test

Montag, 29. Oktober 2018, 11:10 Uhr
Der massive Strukturwandel im Handel, getrieben durch die Digitalisierung und rückläufige Besucherfrequenzen, setzt insbesondere kleine Einzelhändler unter Druck. Selbst die Thüringer Landeshauptstadt kann sich diesem Trend nicht entziehen. Neue Geschäftsmodelle machen den Händlern aber Hoffnung...


„Auch in der sehr beliebten Einkaufsstadt Erfurt beobachten wir einen Anstieg der Leerstände, selbst in besten Innenstadtlagen“, stellt Professor Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt, fest. Das Ladengeschäft vor Ort verliere vielerorts an Bedeutung.

Diese Entwicklung wäre nicht neu, habe aber auch zunehmend Einfluss auf die Mietpreise für Gewerbeflächen. Auf Grund des starken Wettbewerbs und der rückläufigen Nachfrage dürften die Mieten nach Ansicht der IHK Erfurt weiter sinken. „Die Verkaufsflächen werden verkleinert oder effizienter genutzt, obere Ladengeschosse beispielsweise in Büros umgewandelt“, so Grusser. Gute Adressen würden zwar wieder vermittelt, aber zu neuen Konditionen, also niedrigeren Mieten und kürzeren Laufzeiten.

Die angestrebte Fusion zwischen Karstadt und Kaufhof, der beiden letzten verbliebenen Warenhauskonzerne in Deutschland, sei ein Beleg dafür, dass selbst große Ketten Probleme haben. Insbesondere zahlungskräftige Mieter, vor allem die Modehändler, würden unter der Onlinekonkurrenz leiden. „Doch auch der kleine stationäre Händler kann sein Geschäftsmodell mithilfe neuer Trends beflügeln. Denn die Präsenz auf Internetplattformen und Marktplätzen macht den eigenen, kostenaufwändigen Onlineshop zunehmend entbehrlich“, beobachtet der IHK-Chef.

So verfüge nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) jeder vierte stationäre Händler über einen eigenen Onlineshop und bereits 15 Prozent der Unternehmer verkauften ihre Waren über digitale Marktplätze. 62 Prozent dieser so genannten „Multichannel-Händler“ prognostizierten weiter steigende Onlineumsätze.

„Zukünftig wird es noch wichtiger sein, dass eine Vielfalt von Angeboten – Einkaufen, Gastronomie, Freizeit und Kultur – für ein nachhaltiges Erlebnis der Innenstadt bei Einwohnern und Gästen sorgt“, sagt Grusser. Ferner müssten diese lokalen Angebote auch dort präsent sein, wo der Bewohner oder Tourist sie sucht, also auch per Smartphone im Netz. Hierfür bräuchten Händler, aber auch Städte selbst, eine digitale Strategie.

Eine digitale Verkehrsplanung mit Informationen per App über den Verkehrsfluss oder Hinweise auf freie Parkplätze, ein offenes städtisches W-LAN sowie Internet-Plattformen mit den örtlichen Angeboten und Services seien hierfür smarte Beispiele. Auch bildeten nach Ansicht von Branchenexperten so genannte Showrooms mit größtenteils virtuellen Sortimenten in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme.
Autor: red

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