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Der Männerchor und die Ural-Kosaken

Stimmgewaltig! Beeindruckend!

Samstag, 20. Oktober 2018, 13:16 Uhr
Stimmgewaltig. Beeindruckend. Stürmischer Applaus als Dank nach jeder Darbietung – so lässt sich das Gemeinschaftskonzert des Ural-Kosaken-Chors mit dem Nordhäuser Männerchor gestern Abend in der Blasiikirche zusammenfassend beschreiben...

Nordhausen. Es war der dritte Auftritt der berühmten sangesfreudigen Kosaken in der Rolandstadt. Ein Verdienst der Nordhäuser Sangesfreunde, wobei Heinz Schindler als der Organisator besonders zu nennen wäre.

Auch für die Blasiikirche, hob Pfarrer Wolf-Johannes von Biela hervor, sei es ein tragendes Ereignis. Ein so volles Gotteshaus sieht Blasii selten.

Unter Chorleiter Hans Frieda Liebmann aus Zeitz – er war Kapellmeister am Nordhäuser Theater - gaben zunächst die Nordhäuser Proben ihres Könnens. Zwar nicht mehr die Jüngsten an Jahren, aber stark im Gesang. Grünes Sakko, graue Hose, weiß beschlipstes Hemd – in ihrer „Uniform“ machten sie alle was her. Einer schmucker als der andere. Im Gegensatz dazu die dunkel gekleideten Kosaken in ihren Stiefeln und den Seitenstreifen in der Hose. Salz und Brot zu ihrer Begrüßung überreichte eine als Babuschka daherkommende Russin. Im Deutschen wird das Wort als „Mütterchen“ übersetzt.

In der Blasiikirche begeisterten gestern der Chor der Ural-Kosaken und der Nordhäuser Männerchor (Foto: Kurt Frank) In der Blasiikirche begeisterten gestern der Chor der Ural-Kosaken und der Nordhäuser Männerchor (Foto: Kurt Frank)

In der Blasiikirche begeisterten gestern der Chor der Ural-Kosaken und der Nordhäuser Männerchor. Foto: Kurt Frank

Die achtköpfige Truppe der Ural-Kosaken zog die Besucher in ihren Bann. Bei flotten Liedern, so bei „Kalinka, Kalinka…“ klatschten sie rhythmisch Beifall und sangen begeistert mit. Stürmischer Applaus, ob als Chor oder Solist, nach jedem Auftritt. Weltberühmt das Wolga-Lied „Steht ein Soldat am Wolgastrand…“. Ob „Abendglocken“, „Schneetreiben“, „Die weiße Birke“ - musikalische Genüsse waren sie alle. Mit „Guten Abend, gute Nacht…“, mit dem Nordhäuser Männerchor gemeinsam gesungen, klang das Konzert aus. Als ein Erinnerungsgeschenk durfte eine Flasche Nordhäuser Korn nicht fehlen. Vladimir Kozlovsky, der Kosaken-Chorleiter, nahm sie in Empfang.

Wechselvoll ist die Geschichte des Ural-Kosaken-Chors. Sie wird geschrieben von Emigration, Zerfall, ein sich Widerfinden, Auferstehung und Blütezeit. Gegründet wurde der Chor von emigrierten Kosaken 1924 in Paris von Andrej Iwanowitsch Scholuch. Viele zarentreue Kosaken waren nach der russischen Revolution 1917 emigriert und hatten sich weltweit verteilt. Anliegen Scholuchs war es, Kultur, Lieder und Tänze zu pflegen.

Nach 1940, der 2. Weltkrieg war ausgebrochen, stellte der Chor seine Tätigkeit ein. In alle Winde zerstreuten sich erneut die Mitglieder. Von 1951 bis 1955 leitete Andrej Scholuch den Schwarzmeer-Kosaken-Chor, mit dem er vorwiegend Kirchenkonzerte gab. Dieser ging mit neuen Mitgliedern in den neu aufgestellten Ural-Kosaken-Chor auf. Berühmtestes Mitglied war Ivan Rebroff. Anlässlich seines 10. Todestages war ihm gestern das Gemeinschaftskonzert zum Gedenken gewidmet. Mit bekannten Rebroff-Liedern aus „Anatevka“ und „Dr. Schiwago“ sowie russisch-orthodoxen Gesängen.

Aufgrund von Scholuchs Alter und Überalterung der meisten Mitwirkenden führte der Kosaken-Chor 1972 seine letzte Tournee durch. 1984 belebte sich der Ural-Kosaken-Chor mit jüngsten und neuen Mitgliedern wider, um vier Jahre später wiederum sein Wirken einzustellen. Schließlich war es Wanja Scholuch, der Sohn des Gründers, der das Ensemble wieder erweckte. Heute leitet Vladimir Kozlovskyy den Chor. Mit ihm sprach nnz.

Der Chorleiter kündigte die jeweiligen Darlegungen in gutem Deutsch an. Wo er das gelernt habe? In Deutschland. Er lebe seit zehn Jahren hier und wohne in Essen. Ob Zeit bliebe, sich Nordhausen anzusehen? Ja. Nordhausen habe ihn beeindruckt. Die Stadt werde jedes Mal schöner. Was Anliegen seines Chors sei? Das Anliegen des Gründers Andrej Scholuch. Er habe diesen Satz geprägt: „Kunst, und die Musik besonders, ist die ausdrucksvollste Sprache, die jedes Volk versteht; es ist die dauerhafte Brücke, die die Nationen verbindet.“
Kurt Frank
Autor: red

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