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Warten auf Visionen

Donnerstag, 03. Februar 2005, 22:11 Uhr
Warten auf Visionen (Foto: nnz) Warten auf Visionen (Foto: nnz) Nordhausen (nnz). „Ich habe noch keinen Ministerpräsidenten erlebt, der mal pünktlich war“, vertröstete SPD-Kreischefin Dagmar Becker die Gäste des heutigen Neujahrsempfangs. Sie konnte sich über einen knackevollen Ratskeller und auf Matthias Platzeck freuen...


Ob von Erfurt oder Potsdam: Die Wege nach Nordhausen sind wahrlich beschwerlich – auch für einen Ministerpräsident aus Brandenburg. Matthias Platzeck hatte es den Genossen schon lange eine Stippvisite im Südharz versprochen. Seine Wurzeln liegen zum Teil in der Rolandstadt. Großvater und Urgroßvater waren hier politisch aktiv. Und bevor Platzeck seine Visionen eines neuen Deutschland vorstellen konnte, waren erst einmal die der SPD hier vor Ort gefragt. „Wir müssen wieder Politik für den Menschen machen“, rief Dagmar Becker in die Menge und räumte damit gleichermaßen Defizite der zurückliegenden Jahre ein. Ansichten und eben Visonen gebe es zu transportieren. Im kommenden Jahr wird ja wieder gewählt.

Und dann war der Herr Platzeck dran. Der Vorzeige-Genosse aus Brandenburg hörte sich noch zwei Musikstücke von Schülern der Kreismusikschule an, genehmigte sich ein Bier und spannte dann einen weiten Bogen. Dieser Bogen beginnt in diesen Tagen immer mit den schrecklichen Flut-Ereignissen in Südasien, wird über ein neu erwachtes Solidaritätsgefühl gespannt, hat das NPD-Verbot zum Inhalt und bleibt dann bei den derzeit über fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland hängen. Die im vorigen Jahr begonnenen Reformen müssten jetzt fortgesetzt werden, forderte Matthias Platzeck, aber man dürfe die „Seele der Gesellschaft“ nicht überfordern. deshalb müsse das alles immer wieder erklärt werden, vor allem den Menschen im Osten, die nun langsam ihre Erfahrungen mit einer „fragilen Demokratie“ sammeln würden.

Niedriglöhne wären kein guter Weg, das Hinterherhecheln nach Lohnniveaus in Tschechien, Polen oder Weißrußland würde in wenigen Jahren die Gesellschaft „atomarisieren“. In Deutschland müßten wieder intelligente Produkte hergestellt werden, die dann auf dem Weltmarkt ihren Preis hätten. Deshalb müsse Deutschland endlich ein Bildungsland per exellance werden. In Brandenburg habe man darum die Ausgabe-Prioritäten klar auf Wissenschaft und Bildung gelegt, erklärte Platzeck. Nicht erklärt hat er den Genossen und den anderen Gästen im Ratskeller, warum er sich als SPD-Ministerpräsident für bundesweite Studiengebühren ausgesprochen hatte. Apropos Bogen: Wenn man aus Brandenburg kommt, dann schließt man eine sozialdemokratische Rede auf einem sozialdemkratischen Neujahrsempfang gern mit Zitaten eines sozialpolitischen Urgesteins, der leider zu früh verstorbenen Regine Hildebrand. Die sagte einmal „Der tiefe Sinn des Lebens liegt im Miteinander!“

Nach Matthias Platzeck umriß Oberbürgermeisterin Barbara Rinke noch einmal die jetzige Zeit aus Sicht der Stadt Nordhausen. Das Jahr 2004 sei das erfolgreichste in der jüngeren Geschichte der Stadt gewesen, doch dieses Jahr werde der schwierigste werden. Im Gegensatz zu Brandenburg vermisse sie von der Thüringer Landesregierung klare Prioritäten. Es könne nicht sein, daß man in diesem Freistaat ausgerechnet bei der Bildung spare.
Autor: nnz

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