nnz-Betrachtung: Nichts kommt von selbst!
Donnerstag, 03. Februar 2005, 12:04 Uhr
Nordhausen (nnz). Gestern hatte die Nordhäuser Agentur für Arbeit die Zahlen für den Januar veröffentlicht. Beim genauen Hinsehen kann dem Betrachter Angst und Bange werden. Dazu eine Betrachtung …
Besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, daß jede Zeit eigene Antworten will und man auf Ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll. Diese Worte stammen vom sozialdemokratischen Urgestein Willy Brandt und sind auf der Einladung der SPD-Kreisvorsitzenden Dagmar Becker anläßlich des heutigen Neujahrsempfangs zu lesen.
Beim Studium der Arbeitsmarktdaten wird den Genossen im Landkreis Nordhausen nicht allzu viel einfallen, vermutet die nnz mal. Sie und ihre Regierungsoberen haben keine Antworten, sind wohl auch kaum auf der Höhe der Zeit. Ausgenommen vielleicht Super-Minister Clement, der das alles für normal und richtig hält, und der vor allem keine Alternative zur jetzigen Politik sieht.
Vielleicht hält es Wolfgang Clement auch für völlig normal, daß im Landkreis Nordhausen jede vierte abhängige zivile Erwerbsperson keinem Job nachgeht, vor allem nicht nachgehen kann. Die Mehrheit der 11.334 arbeitslosen Frauen und Männer würde gern arbeiten, davon ist auszugehen. Sie aber werden ausgegrenzt, viele von ihnen sind in Hartz IV gefallen. Mit ihnen – und das ist das eigentlich dramatische – fallen auch Familien ins Bodenlose. Da sind Kinder, die nicht mal mehr ein warmes Mittagessen in der Schule bekommen, weil ihre Erziehungsberechtigten kein Geld dafür haben. Da sind Kinder, die mit ihrer Bekleidung in den Schulen nicht mehr mithalten können. Wenn sich ihre Mitschüler die neusten MP3-Songs aus dem Netz in ihren Player runterladen, dann kramen die einen uralten Walkman hervor – Zuhause versteht sich.
Sicher: Ob Walkman oder MP3-Player – das macht nicht das Leben aus, doch dieser Vergleich ließe sich auch auf andere Bilder ausweiten. Man muß nur genau hinsehen.
Dabei entdeckt der Neugierige auch, daß sich die Gesellschaft intensiv zu teilen beginnt. Da war das annähernd Homogene, das auch die Stärke dieses deutschen Landes einst ausmachte. Eine Gesellschaft, an deren Stärke der überwiegende Teil ihrer selbst teilhaben durfte. Dieses Homogene löst sich auf. Das Geld wird es richten. Oder sollte man eher sagen – es sind die Kräfte des Marktes, dieser heiligen Kuh?
Da sind die auf der einen Seite, die keine Arbeit haben, unter ihnen im Landkreis Nordhausen auch 1.575 Jugendliche unter 25 Jahren, auf der anderen die, die noch arbeiten dürfen. Doch selbst für die Privilegierten gibt es viele Unterschiede, denn das Lohn- und Gehaltsgefüge ist außer Rand und Band. So gibt es vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen Jobs, die mit weniger als fünf Euro pro Stunde entlohnt werden, auch andere Bereiche sind davon betroffen. Rein rechnerisch bleiben einem Fünf-Euro-Jobber bei voller Wochenarbeitszeit dann 800 Euro pro Monat. Rechnet man das aufs Netto runter und zieht Miete, Nebenkosten und notwendige Versicherungen ab, dann kommt man gefährlich nahe an die Einnahmeseite von Hartz-IV-Betroffenen heran.
Fakt ist also, daß es diese Gesellschaft nicht mehr möglich machen kann, sich mit einem Full-Time-Job auf den Beinen zu halten. Freilich muß man auch die Wirtschaft verstehen, wenn deren Vertreter immer wieder auf die Lohnkosten in Tschechien, Polen oder Rumänien verweisen. Dann darf aber auch nicht vergessen werden, daß ein Arbeiter, der in Rumänien vielleicht 300 oder 400 Euro am Monatsende in seiner Tasche haben würde, damit drei Familien ernähren kann. Leider – oder Gott sei Dank – sind die Lebenshaltungskosten in der Deutschen Bundesrepublik etwas anders gelagert. Aber vielleicht wird in einigen Jahren der Markt auch das richten.
Er wird das einzige Instrument sein, dem man vertrauen kann. Der Politik haben bereits viele Menschen dieses Vertrauen abgesprochen. Ob nun Rot-Grün oder Schwarz-Gelb – jede Farbkombination würde der globalen Entwicklung hinterher rennen. Genauso verrennen sich die derzeit Agierenden immer wieder in die Hoffnung auf Besserung. Sie sollten dann vielleicht doch noch einmal bei Willy Brandt nachlesen: Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzBesinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, daß jede Zeit eigene Antworten will und man auf Ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll. Diese Worte stammen vom sozialdemokratischen Urgestein Willy Brandt und sind auf der Einladung der SPD-Kreisvorsitzenden Dagmar Becker anläßlich des heutigen Neujahrsempfangs zu lesen.
Beim Studium der Arbeitsmarktdaten wird den Genossen im Landkreis Nordhausen nicht allzu viel einfallen, vermutet die nnz mal. Sie und ihre Regierungsoberen haben keine Antworten, sind wohl auch kaum auf der Höhe der Zeit. Ausgenommen vielleicht Super-Minister Clement, der das alles für normal und richtig hält, und der vor allem keine Alternative zur jetzigen Politik sieht.
Vielleicht hält es Wolfgang Clement auch für völlig normal, daß im Landkreis Nordhausen jede vierte abhängige zivile Erwerbsperson keinem Job nachgeht, vor allem nicht nachgehen kann. Die Mehrheit der 11.334 arbeitslosen Frauen und Männer würde gern arbeiten, davon ist auszugehen. Sie aber werden ausgegrenzt, viele von ihnen sind in Hartz IV gefallen. Mit ihnen – und das ist das eigentlich dramatische – fallen auch Familien ins Bodenlose. Da sind Kinder, die nicht mal mehr ein warmes Mittagessen in der Schule bekommen, weil ihre Erziehungsberechtigten kein Geld dafür haben. Da sind Kinder, die mit ihrer Bekleidung in den Schulen nicht mehr mithalten können. Wenn sich ihre Mitschüler die neusten MP3-Songs aus dem Netz in ihren Player runterladen, dann kramen die einen uralten Walkman hervor – Zuhause versteht sich.
Sicher: Ob Walkman oder MP3-Player – das macht nicht das Leben aus, doch dieser Vergleich ließe sich auch auf andere Bilder ausweiten. Man muß nur genau hinsehen.
Dabei entdeckt der Neugierige auch, daß sich die Gesellschaft intensiv zu teilen beginnt. Da war das annähernd Homogene, das auch die Stärke dieses deutschen Landes einst ausmachte. Eine Gesellschaft, an deren Stärke der überwiegende Teil ihrer selbst teilhaben durfte. Dieses Homogene löst sich auf. Das Geld wird es richten. Oder sollte man eher sagen – es sind die Kräfte des Marktes, dieser heiligen Kuh?
Da sind die auf der einen Seite, die keine Arbeit haben, unter ihnen im Landkreis Nordhausen auch 1.575 Jugendliche unter 25 Jahren, auf der anderen die, die noch arbeiten dürfen. Doch selbst für die Privilegierten gibt es viele Unterschiede, denn das Lohn- und Gehaltsgefüge ist außer Rand und Band. So gibt es vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen Jobs, die mit weniger als fünf Euro pro Stunde entlohnt werden, auch andere Bereiche sind davon betroffen. Rein rechnerisch bleiben einem Fünf-Euro-Jobber bei voller Wochenarbeitszeit dann 800 Euro pro Monat. Rechnet man das aufs Netto runter und zieht Miete, Nebenkosten und notwendige Versicherungen ab, dann kommt man gefährlich nahe an die Einnahmeseite von Hartz-IV-Betroffenen heran.
Fakt ist also, daß es diese Gesellschaft nicht mehr möglich machen kann, sich mit einem Full-Time-Job auf den Beinen zu halten. Freilich muß man auch die Wirtschaft verstehen, wenn deren Vertreter immer wieder auf die Lohnkosten in Tschechien, Polen oder Rumänien verweisen. Dann darf aber auch nicht vergessen werden, daß ein Arbeiter, der in Rumänien vielleicht 300 oder 400 Euro am Monatsende in seiner Tasche haben würde, damit drei Familien ernähren kann. Leider – oder Gott sei Dank – sind die Lebenshaltungskosten in der Deutschen Bundesrepublik etwas anders gelagert. Aber vielleicht wird in einigen Jahren der Markt auch das richten.
Er wird das einzige Instrument sein, dem man vertrauen kann. Der Politik haben bereits viele Menschen dieses Vertrauen abgesprochen. Ob nun Rot-Grün oder Schwarz-Gelb – jede Farbkombination würde der globalen Entwicklung hinterher rennen. Genauso verrennen sich die derzeit Agierenden immer wieder in die Hoffnung auf Besserung. Sie sollten dann vielleicht doch noch einmal bei Willy Brandt nachlesen: Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer.
Peter-Stefan Greiner
