Eiskaltes Auge
Mittwoch, 02. Februar 2005, 11:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Bei minus 196 Grad Celsius sieht sie am besten, die Kamera des Instituts für Maschinen, Antriebe und elektronische Gerätetechnik. Die nnz stellt Ihnen die Einsatzmöglichkeiten des tiefgekühlten Auges vor, die auch für Sie interessant sein könnten.
Eiskaltes Auge (Foto: nnz)
Zwei Männer lauern am Straßenrand, eine Geschwindigkeitskontrolle im verkehrsberuhigten Bereich in Nordhausen Ost? Fast sieht es danach aus, aber die Technik von Olaf Hesse und Volker Wiegand wirft ihren Blick auf die Gebäude. Gemeinsam mit der Energieversorgung Nordhausen und der delta GmbH aus Leipzig untersucht das Institut für Maschinen, Antriebe und elektronische Gerätetechnik (IMG) Gebäude auf Wärmeverlust und bauliche Mängel.
Infrarot-Thermografie ist den meisten sicher aus einem anderen Zusammenhang bekannt, der Jagt nach Verbrechern und dem Aufspüren vermißter Personen zum Beispiel. Die Messungen der IMG sind zwar im Prinzip ähnlich, aber aufwendiger und genauer.
Die Thermographie gilt als berührungsloses Verfahren zur Temperaturbestimmung. Die Infrarotabstrahlung der warmen Körper wird dabei gemessen, wobei sich Unterschiede von 0,1 bis 0,3 Kelvin bereits darstellen lassen. Im Bereich von –30 bis 250 °C arbeitet die Kamera, der Temperaturbereich läßt sich jedoch für andere Anwendungen verstellen, von 100 –1200 °C beispielsweise.
Neben der Untersuchung von Wärmeverlusten an Gebäuden läßt sich die Kamera einsetzen um Schweißprozesse oder Industrieöfen zu überwachen. Elektroanlagen und Schaltschränke lassen sich auf defekte Kontakte überprüfen. Eine kuriose Geschichte weiß Volker Wiegand zu berichten. Im Zoo wurde eine vergleichbare Kamera verwendet, um einen Entzündungsherd im Fuß eines Elefanten zu finden. Für die Verwendung beim Menschen ist das Verfahren in Deutschland jedoch noch nicht vorgesehen.
Von Versicherungen werden die Bilder der Thermographie als Beweismittel anerkannt. Konstruktions- und Dämmungsfehler können damit leicht nachgewiesen werden, auch Leckagen im Rohrsystem oder der Fußbodenheizung findet die Technik.
Volker Wiegand holt seine Thermokanne heraus. Kleine Kaffeepause? Nein, Tankfüllung für die Wärmebildkamera. Flüssiger Stickstoff muß zur Kühlung des Bildsensors eingefüllt werden. Auch wenn es draußen unter 0°C ist, für den empfindlichen Sensor ist es immer noch zu warm. Wer sich an die ersten Digitalkameras erinnert, weiß sicher noch, wie das Bildrauschen mit steigender Temperatur stärker wurde. Für Nicht-Fotografen: Bildrauschen nennt man eine Vergrieselung des Bildes, die auch mit Farbverschiebungen oder einzelnen bunten Pixeln in schwarzen Bildteilen einhergeht.
Trotz gewisser Ähnlichkeit, mit einer Fotokamera darf die Wärmebildkamera nicht verglichen werden. Der Sensor nimmt nur 344 x 207 Pixel auf. 16 Aufnahmen werden mit einer Geschwindigkeit von 1,2 Bildern pro Sekunde gemacht, daraus errechnen die Spezialisten am Ende ein Foto. Drei dieser Bilder bekommt jeder Kunde, der sein Haus untersuchen ließ. Er erhält somit einen guten Überblick über Schwachstellen und bekommt Erläuterungen zur Beseitigung.
Neue Häuser sind meist gut isoliert, weiß IMG Marketingchef Dirk Jagemann. Probleme können hier zum Beispiel bei Fenstern oder an den Rolläden entstehen. Anders bei den alten Kästen die sind meist wenig oder gar nicht isoliert. Die Heizung steht förmlich auf der Straße, wie dieses Wärmebild zeigt. Da hat der Hausbesitzer viel zu tun, dieser Verschwendung Einhalt zu gebieten. Bei den heutigen Preisen von Öl und Gas sicher eine lohnende Investition, genau wie die 79,- Euro für die Messung.
Eigentlich lohne es sich finanziell nicht für IMG, meint Dirk Jagemann, aber eine gute Referenz sei es auf jeden Fall, zumal man auch eine eigene Kamera habe. Die steht auch nach der Gemeinschaftsaktion mit dem Energieversorger weiter zur Verfügung. Eine größere Serie mit fünf und mehr Kunden lohne sich. Vielleicht schließen sich ja Nachbarn zusammen und buchen die Untersuchung gemeinsam, das spart Kosten.
Nicht nur diese Dienstleistung für Haushalte führt IMG durch. Das Institut bekommt auch im Bereich Werkstofftechnik/Werkstoffprüfung interessante Aufträge von Firmen. So untersuchte Olaf Hesse die Storck Schokoladenfabrik in Ohrdruf vom Helikopter aus auf Dämmungsfehler. Neben der Forschung und der Herstellung von Prototypen ist IMG mit dem mobilen Labor unterwegs, erstellt Gutachten und berät zu Materialien und schweißtechnischen Verfahren.
Ein Werk des High-tech Unternehmens begegnet uns übrigens täglich, der Combino Duo. Sein Hybridantrieb wurde Zusammenarbeit mit Siemens entwickelt. Eine Kooperation mit der Fachhochschule besteht außerdem. Nordhausen scheint also doch ein interessanter Standort für zukunftsorientierte Unternehmen zu sein.
Autor: wf
Eiskaltes Auge (Foto: nnz)
Zwei Männer lauern am Straßenrand, eine Geschwindigkeitskontrolle im verkehrsberuhigten Bereich in Nordhausen Ost? Fast sieht es danach aus, aber die Technik von Olaf Hesse und Volker Wiegand wirft ihren Blick auf die Gebäude. Gemeinsam mit der Energieversorgung Nordhausen und der delta GmbH aus Leipzig untersucht das Institut für Maschinen, Antriebe und elektronische Gerätetechnik (IMG) Gebäude auf Wärmeverlust und bauliche Mängel. Infrarot-Thermografie ist den meisten sicher aus einem anderen Zusammenhang bekannt, der Jagt nach Verbrechern und dem Aufspüren vermißter Personen zum Beispiel. Die Messungen der IMG sind zwar im Prinzip ähnlich, aber aufwendiger und genauer.
Die Thermographie gilt als berührungsloses Verfahren zur Temperaturbestimmung. Die Infrarotabstrahlung der warmen Körper wird dabei gemessen, wobei sich Unterschiede von 0,1 bis 0,3 Kelvin bereits darstellen lassen. Im Bereich von –30 bis 250 °C arbeitet die Kamera, der Temperaturbereich läßt sich jedoch für andere Anwendungen verstellen, von 100 –1200 °C beispielsweise.
Neben der Untersuchung von Wärmeverlusten an Gebäuden läßt sich die Kamera einsetzen um Schweißprozesse oder Industrieöfen zu überwachen. Elektroanlagen und Schaltschränke lassen sich auf defekte Kontakte überprüfen. Eine kuriose Geschichte weiß Volker Wiegand zu berichten. Im Zoo wurde eine vergleichbare Kamera verwendet, um einen Entzündungsherd im Fuß eines Elefanten zu finden. Für die Verwendung beim Menschen ist das Verfahren in Deutschland jedoch noch nicht vorgesehen.
Von Versicherungen werden die Bilder der Thermographie als Beweismittel anerkannt. Konstruktions- und Dämmungsfehler können damit leicht nachgewiesen werden, auch Leckagen im Rohrsystem oder der Fußbodenheizung findet die Technik.
Volker Wiegand holt seine Thermokanne heraus. Kleine Kaffeepause? Nein, Tankfüllung für die Wärmebildkamera. Flüssiger Stickstoff muß zur Kühlung des Bildsensors eingefüllt werden. Auch wenn es draußen unter 0°C ist, für den empfindlichen Sensor ist es immer noch zu warm. Wer sich an die ersten Digitalkameras erinnert, weiß sicher noch, wie das Bildrauschen mit steigender Temperatur stärker wurde. Für Nicht-Fotografen: Bildrauschen nennt man eine Vergrieselung des Bildes, die auch mit Farbverschiebungen oder einzelnen bunten Pixeln in schwarzen Bildteilen einhergeht.
Trotz gewisser Ähnlichkeit, mit einer Fotokamera darf die Wärmebildkamera nicht verglichen werden. Der Sensor nimmt nur 344 x 207 Pixel auf. 16 Aufnahmen werden mit einer Geschwindigkeit von 1,2 Bildern pro Sekunde gemacht, daraus errechnen die Spezialisten am Ende ein Foto. Drei dieser Bilder bekommt jeder Kunde, der sein Haus untersuchen ließ. Er erhält somit einen guten Überblick über Schwachstellen und bekommt Erläuterungen zur Beseitigung.
Neue Häuser sind meist gut isoliert, weiß IMG Marketingchef Dirk Jagemann. Probleme können hier zum Beispiel bei Fenstern oder an den Rolläden entstehen. Anders bei den alten Kästen die sind meist wenig oder gar nicht isoliert. Die Heizung steht förmlich auf der Straße, wie dieses Wärmebild zeigt. Da hat der Hausbesitzer viel zu tun, dieser Verschwendung Einhalt zu gebieten. Bei den heutigen Preisen von Öl und Gas sicher eine lohnende Investition, genau wie die 79,- Euro für die Messung.
Eigentlich lohne es sich finanziell nicht für IMG, meint Dirk Jagemann, aber eine gute Referenz sei es auf jeden Fall, zumal man auch eine eigene Kamera habe. Die steht auch nach der Gemeinschaftsaktion mit dem Energieversorger weiter zur Verfügung. Eine größere Serie mit fünf und mehr Kunden lohne sich. Vielleicht schließen sich ja Nachbarn zusammen und buchen die Untersuchung gemeinsam, das spart Kosten.
Nicht nur diese Dienstleistung für Haushalte führt IMG durch. Das Institut bekommt auch im Bereich Werkstofftechnik/Werkstoffprüfung interessante Aufträge von Firmen. So untersuchte Olaf Hesse die Storck Schokoladenfabrik in Ohrdruf vom Helikopter aus auf Dämmungsfehler. Neben der Forschung und der Herstellung von Prototypen ist IMG mit dem mobilen Labor unterwegs, erstellt Gutachten und berät zu Materialien und schweißtechnischen Verfahren.
Ein Werk des High-tech Unternehmens begegnet uns übrigens täglich, der Combino Duo. Sein Hybridantrieb wurde Zusammenarbeit mit Siemens entwickelt. Eine Kooperation mit der Fachhochschule besteht außerdem. Nordhausen scheint also doch ein interessanter Standort für zukunftsorientierte Unternehmen zu sein.
