Gipsabbau am Alten Stolberg
Geduldig ungeldudig bleiben
Montag, 17. September 2018, 14:30 Uhr
Der Streit um den Gipskarst geht weiter. Nach dem Kuhberg und dem Winkelberg wird aktuell auch wieder um das Abbaugebiet am Alten Stolberg gestritten. Es sei nie zu spät der Argumentation der Abbauunternehmen zu widersprechen, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Thüringer Landtag, Dirk Adams, und fordert die aktuellen Arbeiten am Berg stärker zu überwachen...
Gipsabbau am Alten Stolberg. Foto: Google Maps, 2018 Google, Kartendaten, 2018 Geobasis-DE/BKG
Gips abbauen oder Natur erhalten? - an dieser Frage scheiden sich im Südharz seit nahezu dreißig Jahren die Geister. Nachdem die Gegner des Abbaus am Kuhberg jüngst eine deutliche Niederlage hinnehmen mussten, wird aktuell auch wieder um den Alten Stolberg gestritten. Hier will die Firma Knauf ihr Abbaugebiet um 14 Hektar erweitern und im Gegenzug Flächen aus dem eigentlichen Abbaugebiet zum Tausch anbieten.
Der Argumentation der Firma mag der Landtagsabgeordnete Dirk Adams von Bündnis '90/Die Grünen nicht folgen. Der Vorsitzende der grünen Fraktion im Landtag war heute im Rathaus zu Gast um mit Oberbürgermeister Kai Buchmann über die Situation am Berg bei Stempeda zu sprechen.
Der wirtschaftlich geführten Argumentation der Firma Knauf müsse man nicht folgen, meint der Abgeordnete, unternehmerisches Risiko müsse es auch für den Gipsabbau geben und es sei nie zu spät die eigenen Standpunkte in die Diskussion einzubringen, auch jetzt nicht, eben dafür seien Planungsverfahren da. Es dürfe am Alten Stolberg keine Ausweitung der Abbaufläche über die bestehenden Grenzen hinaus geben, fordert Adams, zudem müsse im vorhandenen Abbau ein unabhängiges "Monitoring" durchgeführt werden um Rückschlüsse auf die Auswirkungen von Erschütterungen durch Sprengungen ziehen zu können und die Lage unter diesem Aspekt neu begutachtet werden.
Der Abgeordnete Dirk Adams und Büroleiterin Bettina Ehrhardt waren heute zum Gespräch im Rathaus (Foto: Angelo Glashagel)
Der Abgeordnete Dirk Adams und Büroleiterin Bettina Ehrhardt waren heute zum Gespräch im Rathaus
Glasklare Antworten gibt es in dem Streit um den Gipskarst auch am Alten Stolberg nicht. So weist der bisherige Regionalplan des Gebietes noch "weiße Flecken" auf, Flecken die man gerne "grün" machen, also unter Naturschutz stellen oder als Naherholungs- und Forstgebiet nutzen möchte. Nur sind die Flecken so "weiß" vielleicht nicht mehr. Denn der Regionalplan, an dem sich letztlich auch der kommunale Nutzungsplan orientieren muss, folgt dem Landesentwicklungsplan und der sieht in seiner jüngsten Iteration auch "Gebiete der langfristigen Rohstoffsicherung" vor.
Das es hier aktuell zwei unterschiedliche Verfahren gebe sei nicht tragbar, meinte Adams, der Staat könne sich nicht "die Fesseln anlegen lassen" und damit auf das Recht Entscheidungen zu ändern verzichten. "Richtungsentscheidungen und Perspektivwechsel müssen möglich sein. Es braucht eine neue gesellschaftliche und damit auch eine neue rechtliche Bewertung des Abbaus", fordert Adams, "das ist der lange Weg aber man muss anfangen ihn zu gehen".
Das dass nicht leicht ist, weiß man auch bei den Grünen. Schließlich kämpft man seit knapp drei Jahrzehnten um einen solchen Wechsel. Der Gipsabbau am Südharz sei dabei ein sehr spezielles Thema das schon in Erfurt manchem schwer zu erklären sei, so Adams weiter, in Berlin, wo die Aufgabengebiete noch einmal weiter gefasst sind, sei dies noch schwerer.
Letztlich müsste aber hier eine grundsätzliche "Richtungsänderung" herbei geführt werden, denn Bergrecht ist Bundesrecht, die Regierung des Freistaates und die Stadt Nordhausen haben nur begrenzte Möglichkeiten ihre Standpunkte durchzusetzen.
Dennoch sei es nie zu spät, diesen Kampf weiter zu führen, meint Adams, die Menschen in Stempeda müssten nun "geduldig ungeduldig" bleiben und ihre Argumente immer wieder in die Diskussion einbringen. Das letzte Kapitel im Streit um den Gips im Südharz dürfte also noch lange nicht geschrieben sein.
Angelo Glashagel
Autor: redGipsabbau am Alten Stolberg. Foto: Google Maps, 2018 Google, Kartendaten, 2018 Geobasis-DE/BKG
Gips abbauen oder Natur erhalten? - an dieser Frage scheiden sich im Südharz seit nahezu dreißig Jahren die Geister. Nachdem die Gegner des Abbaus am Kuhberg jüngst eine deutliche Niederlage hinnehmen mussten, wird aktuell auch wieder um den Alten Stolberg gestritten. Hier will die Firma Knauf ihr Abbaugebiet um 14 Hektar erweitern und im Gegenzug Flächen aus dem eigentlichen Abbaugebiet zum Tausch anbieten.
Der Argumentation der Firma mag der Landtagsabgeordnete Dirk Adams von Bündnis '90/Die Grünen nicht folgen. Der Vorsitzende der grünen Fraktion im Landtag war heute im Rathaus zu Gast um mit Oberbürgermeister Kai Buchmann über die Situation am Berg bei Stempeda zu sprechen.
Der wirtschaftlich geführten Argumentation der Firma Knauf müsse man nicht folgen, meint der Abgeordnete, unternehmerisches Risiko müsse es auch für den Gipsabbau geben und es sei nie zu spät die eigenen Standpunkte in die Diskussion einzubringen, auch jetzt nicht, eben dafür seien Planungsverfahren da. Es dürfe am Alten Stolberg keine Ausweitung der Abbaufläche über die bestehenden Grenzen hinaus geben, fordert Adams, zudem müsse im vorhandenen Abbau ein unabhängiges "Monitoring" durchgeführt werden um Rückschlüsse auf die Auswirkungen von Erschütterungen durch Sprengungen ziehen zu können und die Lage unter diesem Aspekt neu begutachtet werden.
Der Abgeordnete Dirk Adams und Büroleiterin Bettina Ehrhardt waren heute zum Gespräch im Rathaus (Foto: Angelo Glashagel)
Der Abgeordnete Dirk Adams und Büroleiterin Bettina Ehrhardt waren heute zum Gespräch im Rathaus
Glasklare Antworten gibt es in dem Streit um den Gipskarst auch am Alten Stolberg nicht. So weist der bisherige Regionalplan des Gebietes noch "weiße Flecken" auf, Flecken die man gerne "grün" machen, also unter Naturschutz stellen oder als Naherholungs- und Forstgebiet nutzen möchte. Nur sind die Flecken so "weiß" vielleicht nicht mehr. Denn der Regionalplan, an dem sich letztlich auch der kommunale Nutzungsplan orientieren muss, folgt dem Landesentwicklungsplan und der sieht in seiner jüngsten Iteration auch "Gebiete der langfristigen Rohstoffsicherung" vor.
Das es hier aktuell zwei unterschiedliche Verfahren gebe sei nicht tragbar, meinte Adams, der Staat könne sich nicht "die Fesseln anlegen lassen" und damit auf das Recht Entscheidungen zu ändern verzichten. "Richtungsentscheidungen und Perspektivwechsel müssen möglich sein. Es braucht eine neue gesellschaftliche und damit auch eine neue rechtliche Bewertung des Abbaus", fordert Adams, "das ist der lange Weg aber man muss anfangen ihn zu gehen".
Das dass nicht leicht ist, weiß man auch bei den Grünen. Schließlich kämpft man seit knapp drei Jahrzehnten um einen solchen Wechsel. Der Gipsabbau am Südharz sei dabei ein sehr spezielles Thema das schon in Erfurt manchem schwer zu erklären sei, so Adams weiter, in Berlin, wo die Aufgabengebiete noch einmal weiter gefasst sind, sei dies noch schwerer.
Letztlich müsste aber hier eine grundsätzliche "Richtungsänderung" herbei geführt werden, denn Bergrecht ist Bundesrecht, die Regierung des Freistaates und die Stadt Nordhausen haben nur begrenzte Möglichkeiten ihre Standpunkte durchzusetzen.
Dennoch sei es nie zu spät, diesen Kampf weiter zu führen, meint Adams, die Menschen in Stempeda müssten nun "geduldig ungeduldig" bleiben und ihre Argumente immer wieder in die Diskussion einbringen. Das letzte Kapitel im Streit um den Gips im Südharz dürfte also noch lange nicht geschrieben sein.
Angelo Glashagel

