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nnz-Forum: Enttäuscht

Montag, 31. Januar 2005, 12:49 Uhr
Nordhausen (nnz). Die nnz hatte in der vergangenen Woche berichtet, daß CDU-Kreisvorsitzender Dr. Klaus Zeh der Nordhäuser Rathausspitze Panikmache vorgeworfen hatte. Dazu die Meinung eines nnz-Lesers im Forum.


Es ist traurig zu merken, daß einige Mitchristen rückwärtsgewandt und unvisionär handeln und denken. Nicht anders kann ich mir erklären, dass Herr Dr. Klaus Zeh den Bürgermeister der Stadt Nordhausen, Herrn Klaus Wahlbuhl, angreift. Die Regierung unseres Bundeslandes fördert Panikmache, in dem sie Kommunen im Tal der Ahnungslosen belässt. Vom Handeln der CDU bin ich nicht mehr überrascht, sie betreibt die einfache Logik eines Einweg-Systems. Das bedeutet Geld auf der einen Stelle wegzunehmen, wo es gebraucht würde, und es dort reinzupumpen wo es nicht gebraucht wird. Jedenfalls soll meine Fraktion im Nordhäuser Stadtrat demnächst mal über einen ausgeglichen Haushalt mitbestimmen.

Wer hier und da mal kürzt zeigt, dass er nicht der Zukunft zu gewandt ist. Persönlich habe ich nichts gegen Herrn Dr. Klaus Zeh. Wenn man sich das Beispiel der Schülerspeisungen ansieht, so weiß doch gerade Herr Dr. Klaus Zeh wie problematisch es jetzt schon ist. Für sozial schwache Familien ist selbst das „Essengeld“ für die Schulspeisung schon zu viel. Man bedenke, dass es in dieser Hartz-Zeit nicht weniger werden. Die Söhne Mannheims singen „Ihr fragt warum wir traurige Lieder singen, weil wir wütend sind...“ Dies drückt genau meine und sicher auch die Empfindungen vieler Mitmenschen aus. Das Beispiel Erfurt zeigt, dass die CDU-Landesregierung unsozial handelt, kann Erfurt nicht mal mehr Jugendclubs und sogar einen touristischen Anziehungspunkt wie den Zoo mit Finanzen ausstatten.

Sowas werde ich hier in Nordhausen nicht mit durchziehen. Ich bitte Herrn Dr. Klaus Zeh einfach mal sich zwei grundsätzliche Fragen zu stellen: Ist es entscheidend was ich wem schulde? Oder: Was ich ausgebe? 170 Millionen werden in den unwirtschaftlichen Erfurter Flughafen für Kapitaldienste gesteckt – bestes Beispiel ist Ryanair, die trotz Subventionen in den Großraum Leipzig nach Altenburg gegangen sind. Die Beteiligung der Kommunen am Landeshaushalt betrug 1993 39 Prozent, zehn Jahre später waren es nur noch 23 Prozent. Man muss sich auch mal die Frage stellen, warum Kommunen der Verpflichtung unterliegen Schulden zu tilgen, das Land aber nicht. Ist das gerecht? Warum wurde in 2004 das Dorferneuerungsprogramm für zwei Jahre ausgesetzt? Müssen Ortsteile der Stadt Nordhausen wie Steinbrücken oder Hesserode vielleicht noch länger als 2 Jahre auf Gelder für umfangreiche Sanierungen warten?

Ich will nicht behaupten, dass ich die Weisheit gefressen habe, aber von einer Regierung aus einer christlichen Partei erwarte ich menschenorientiertes und visionäres Handeln. Stattdessen mischt man im Systembrei mit. Oder nicht? Zum Abschluss einen netten Spruch, den ich dieser Tage vernahm: „Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht“ (Albert Schweitzer)
Sebastian Drechsler, Nordhausen, Stadtrat PDS-Fraktion
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Autor: nnz

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