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Wie ein Therapiebegleithund in Niedersachswerfen Kindern hilft

Hilde, der Lernmotivator auf vier Beinen

Montag, 17. September 2018, 09:00 Uhr
Einmal in der Woche besucht Therapiebegleithund Hilde die freie Pädagogin Katrin Eisfeld in ihrer Lernwerkstatt „Zielsicherlernen“ in Niedersachswerfen. Dort bietet die Grundschullehrerin spezifisches Lerntraining und Lerntherapie an. Seit einigen Wochen ist die 51-jährige Pädagogin auch auf den Hund gekommen.


Hilde liegt ausgestreckt auf dem Holzboden, während Theo und Clara konzentriert am Tisch schreiben. Ab und zu hebt der Hund seine Augenlider und guckt, was über ihm vor sich geht. Als Clara ihre Schreibübungen beendet, steht sie auf und streichelt Hilde.

Hilde ist knapp zwei Jahre alt und ein Basset, manchem auch als Columbo-Hund bekannt. Der Hund mit den kurzen Beinen und traurigen Augen gilt als beharrlich, gut- und sanftmütig. Frauchen Doreen Leonhardt-Jungermann aus Nohra ist immer an Hildes Seite.

Hilde unterstützt Pädagogin Katrin Eisfeld einmal in der Woche.  (Foto: privat/Schumann) Hilde unterstützt Pädagogin Katrin Eisfeld einmal in der Woche. (Foto: privat/Schumann)
Auch an diesem Freitagnachmittag, wenn der Basset den Kindern beim Lernen hilft. „Die Kinder lernen viel unbeschwerter mit Hilde. Gerade Kinder, die viele Misserfolge in der Schule haben, profitieren von ihr. Hilde schafft eine entspannte Atmosphäre“, beschreibt Katrin Eisfeld die Wirkung des Hundes. „Hilde ist ein Brückenbauer. Immer dort, wo Worte fehlen“, ergänzt Leonhardt-Jungermann, die in Nohra in einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb mitarbeitet.

Kinder wie Clara, die sehr zurückhaltend sind und in der Schule kaum sprechen, vergessen bei Hilde plötzlich ihre Angst. Kinder, die sehr laut sind und sich nicht fokussieren können, kommen bei Hilde zur Ruhe. Allein das Berühren des warmen Felles hilft zu entspannen. „Die Kinder wissen, dass sie beispielsweise nicht so laut sein dürfen, weil Hilde viel empfindlichere Ohren hat als wir Menschen. Und wenn sie toben, dann zieht sich Hilde zurück“, erklärt Doreen Leonhardt-Jungermann wie die Kinder mit Hilde Grenzen lernen.

Hilde ist Lernmotivator, Trostspender und Spielkamerad: Hilde soll in einem hölzernen Schiebe-Spiel mit ihrer Schnauze kleine Zettel finden, auf denen Aufgaben für die Kinder stehen. Hilde schnüffelt und öffnet mit ihrer dicken Nase die richtige Klappe. „Schreibe Selbstlaute“, steht auf dem ersten Zettel. Theo steht auf, schreibt diese an die Tafel und Hilde bekommt ein Leckerli als Belohnung.

„Die Kinder lernen viel selbstgesteuerter“, nennt die 51-jährige Pädagogin eine weitere Wirkung des Therapierbegleithundes. Hilde wird für ihre Aufgabe speziell trainiert. Gemeinsam mit ihrem Frauchen geht sie regelmäßig in eine spezielle Hundeschule in Erfurt, wo sie zum Therapiebegleithund ausgebildet wird. Im Herbst haben beide Abschlussprüfung, dann muss Hilde alle zwei Jahre weitere Prüfungen bestehen.

Als Therapiegeleithund eignen sich besonders ruhige Hunde mit ausgeglichenem Temperament, die einen hohen Stresspegel ertragen, ohne Zeichen von Aggression zu zeigen. Das musste Hilde in einem zweitägigen Test beweisen. „Die Rasse spielt keine Rolle, es kommt ausschließlich auf das Wesen des individuellen Tieres an“, berichtet Doreen Leonhardt-Jungermann.

Für Hilde ist die Arbeit mit den Kindern übrigens auch anstrengend. Mehr als zwei bis drei Mal in der Woche ist Hilde deshalb auch nicht im Dienst.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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