FDP-Politiker Kemmerich zum Gipsabbau
Falsch informiert
Mittwoch, 12. September 2018, 06:57 Uhr
Dass die FDP wegen ihrer Wirtschafts- und zu geringen Volksnähe schon mehrfach vom Wähler abgestraft und unter die 5%-Hürde gejagt wurde, wird Herrn Kemmerich als deren Mitglied gewiss nicht entgangen sein. Jüngst besuchte er jene Gipsfirma, die demnächst am Kuhberg bei Niedersachswerfen Gips abbauen wird. Ein Beitrag von Bodo Schwarzberg...
Kohnstein bei Niedersachswerfen (Foto: B. Schwarzberg)
Hier, am Kohnstein bei Niedersachswerfen, befand sich einst eine Gipskarstlandschaft, die u.a. knapp 50 heute z.T. vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten ausreichende Lebensbedingungen bot. Das Gestein wurde verarbeitet. Und fast alle der einst kartierten, bemerkenswerten Arten sind bis heute verschwunden. Auch eine so genannte "Renaturierung" kann das Zerstörte nicht zurückbringen. Für die Entwicklung einer langfristig tragfähigeren touristischen Infrastruktur ist das Gebiet verloren. Da hilft auch nicht das Schulterzucken der Gipskonzerne, der Kohnstein sei ja überwiegend zu DDR-Zeiten geraubt worden (20.07.2014).
Und offensichtlich ist er kein Fachmann, was die Kompensationsmöglichkeiten der Gipswirtschaft in ihren Steinbrüchen angeht. Allein der Steinbruch Kohnstein vernichtete die Wuchsorte von knapp 50 heute gefährdeten oder gar vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten sowie deren Lebensgemeinschaften. Viele von ihnen haben so spezielle Ansprüche, dass sie mit keiner Rekultivierung je zurückgebracht werden können. Darüber schrieb ich in mehreren Teilen in der regionalen Presse. Und selbst die Firma Knauf musste in einer Publikation im "Artenschutzreport" vor einiger Zeit einräumen, dass es mit der Renaturierung nicht so klappt, wie erhofft. Naturschutzseitig droht im Alten Stolberg mittelfristig ein ähnliches Desaster wie am Kohnstein.
Die Artenvielfalt im Gipskarst ist untrennbar an die originalen Landschaftsstrukturen und die spezielle, natürliche Karstmorphologie gebunden sowie an die extensive landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzung von Jahrhunderten.
Der Begriff "Renaturierung" ist eine wirtschaftskonforme Lüge: Einmal zerstörte Natur kann nicht "re", also "zurück"gebracht werden. Der ursprüngliche Gips, also die Grundlage der ursprünglichen Artenvielfalt, ist ja fort bzw. in die Umwelt weiter belastende Baustoffe oder Chemikalien verwandelt.
Das, was als Ergebnis des Abbauverfahrens herauskommt, ist mit der ursprünglichen Situation in nichts vergleichbar. Das lässt sich in einer ganzen Reihe von ehemals betriebenen Steinbrüchen im Gebiet gut studieren. Kemmerich sollte sich diese mal ansehen und einschlägige Publikationen studieren.
Wenn Renaturierung gepaart mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Eingriffe unter dem Strich tatsächlich funktionieren würde, dann hätten wir durch unsere wirtschaftliche Entwicklung allgemein nicht so katastrophale Rückgänge bei so gut wie allen Artengruppen. Allein das müsste doch als Beweis für die Fehlkonstruktion des Wortes "Renaturierung" schon ausreichen.
Ein kläglicher Ausdruck dafür ist, dass es die Politik bisher zum Beispiel nicht vermochte, ihre selbst gesteckten Ziele in Sachen Artenschutz (Stichwort Biodiversitätsstrategie) auch nur annähernd zu erreichen. Und de FDP regierte bekanntlich viele Jahrzehnte unser Land mit.
Wohin die nicht enden wollenden "Kompromisse" zwischen Wirtschaft und Ökologie letztlich führen, das sehen wir am uns alle bedrohenden Klimawandel. Der Gipsabbau mit angekündigter "Renaturierung" ist Ausdruck desselben Dilemmas, nur eben greifbar vor unserer Haustür und etwas kleiner. Das Schicksal des niedersächsischen Gipskarst sollte eigentlich nicht zuletzt unsere Politiker mahnen, so etwas bei uns von Grund auf zu verhindern: Die Bestsellerautorin Marita Vollbert beschrieb dieses eindringlich: Vom Ende des Niedersächsischen Gipskarsts: nnz vom 18.01.2018, 06.57 Uhr
Wenn die Politiker aber, wie der FDP-Abgeordnete Kemmerich, diesbezüglich unter Ignoranz von Fakten argumentieren, so sind sie nicht mehr zeitgemäß und gehören aus meiner Sicht abgewählt.
Bodo Schwarzberg
Kohnstein bei Niedersachswerfen (Foto: B. Schwarzberg)
Hier, am Kohnstein bei Niedersachswerfen, befand sich einst eine Gipskarstlandschaft, die u.a. knapp 50 heute z.T. vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten ausreichende Lebensbedingungen bot. Das Gestein wurde verarbeitet. Und fast alle der einst kartierten, bemerkenswerten Arten sind bis heute verschwunden. Auch eine so genannte "Renaturierung" kann das Zerstörte nicht zurückbringen. Für die Entwicklung einer langfristig tragfähigeren touristischen Infrastruktur ist das Gebiet verloren. Da hilft auch nicht das Schulterzucken der Gipskonzerne, der Kohnstein sei ja überwiegend zu DDR-Zeiten geraubt worden (20.07.2014). Und offensichtlich ist er kein Fachmann, was die Kompensationsmöglichkeiten der Gipswirtschaft in ihren Steinbrüchen angeht. Allein der Steinbruch Kohnstein vernichtete die Wuchsorte von knapp 50 heute gefährdeten oder gar vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten sowie deren Lebensgemeinschaften. Viele von ihnen haben so spezielle Ansprüche, dass sie mit keiner Rekultivierung je zurückgebracht werden können. Darüber schrieb ich in mehreren Teilen in der regionalen Presse. Und selbst die Firma Knauf musste in einer Publikation im "Artenschutzreport" vor einiger Zeit einräumen, dass es mit der Renaturierung nicht so klappt, wie erhofft. Naturschutzseitig droht im Alten Stolberg mittelfristig ein ähnliches Desaster wie am Kohnstein.
Die Artenvielfalt im Gipskarst ist untrennbar an die originalen Landschaftsstrukturen und die spezielle, natürliche Karstmorphologie gebunden sowie an die extensive landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzung von Jahrhunderten.
Der Begriff "Renaturierung" ist eine wirtschaftskonforme Lüge: Einmal zerstörte Natur kann nicht "re", also "zurück"gebracht werden. Der ursprüngliche Gips, also die Grundlage der ursprünglichen Artenvielfalt, ist ja fort bzw. in die Umwelt weiter belastende Baustoffe oder Chemikalien verwandelt.
Das, was als Ergebnis des Abbauverfahrens herauskommt, ist mit der ursprünglichen Situation in nichts vergleichbar. Das lässt sich in einer ganzen Reihe von ehemals betriebenen Steinbrüchen im Gebiet gut studieren. Kemmerich sollte sich diese mal ansehen und einschlägige Publikationen studieren.
Wenn Renaturierung gepaart mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Eingriffe unter dem Strich tatsächlich funktionieren würde, dann hätten wir durch unsere wirtschaftliche Entwicklung allgemein nicht so katastrophale Rückgänge bei so gut wie allen Artengruppen. Allein das müsste doch als Beweis für die Fehlkonstruktion des Wortes "Renaturierung" schon ausreichen.
Ein kläglicher Ausdruck dafür ist, dass es die Politik bisher zum Beispiel nicht vermochte, ihre selbst gesteckten Ziele in Sachen Artenschutz (Stichwort Biodiversitätsstrategie) auch nur annähernd zu erreichen. Und de FDP regierte bekanntlich viele Jahrzehnte unser Land mit.
Wohin die nicht enden wollenden "Kompromisse" zwischen Wirtschaft und Ökologie letztlich führen, das sehen wir am uns alle bedrohenden Klimawandel. Der Gipsabbau mit angekündigter "Renaturierung" ist Ausdruck desselben Dilemmas, nur eben greifbar vor unserer Haustür und etwas kleiner. Das Schicksal des niedersächsischen Gipskarst sollte eigentlich nicht zuletzt unsere Politiker mahnen, so etwas bei uns von Grund auf zu verhindern: Die Bestsellerautorin Marita Vollbert beschrieb dieses eindringlich: Vom Ende des Niedersächsischen Gipskarsts: nnz vom 18.01.2018, 06.57 Uhr
Wenn die Politiker aber, wie der FDP-Abgeordnete Kemmerich, diesbezüglich unter Ignoranz von Fakten argumentieren, so sind sie nicht mehr zeitgemäß und gehören aus meiner Sicht abgewählt.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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