Angemerkt
Was wäre wenn...?
Sonntag, 09. September 2018, 07:00 Uhr
Chemnitz und kein Ende - es wird diskutiert, gefordert, gebrüllt, gelogen, getalkt und: es geht um ein wenige Sekunden langes Video. Warum hat noch niemand die Frage gestellt: was wäre wenn...
Und so konstruieren wir mal folgenden Vorgang und beginnen mit einer Einleitung aus dem gestrigen heute-journal. Da werden zwei Zeugen aus dem Medienhut gezaubert, die angeblich bei der Verfolgungsszene in Chemnitz dabei gewesen sein sollen. Besonders interessant wird es ab Minute 07:10.
Nach dem Gehörten und Gesehenen wieder zu unserem Konstrukt: Es gibt eine Demo für Demokratie und gegen Rechts. Mittendrin auch die Antifa mit ihrem schwarzen Block. Und nun kommt ein "deutsch" aussehender "weißer" Mann mit kahlgeschorenem Kopf und will mehrere Antifaschisten zur Rede stellen, weil die ihm sein Smartphone vorher kaputtgemacht hatten. Was denken Sie, was dann passiert wäre? Eine sachliche Diskussion, eine Meinungsaustausch der verbalen Art? Ich unterstelle mal einfach, der "weiße, glatzköpfige" Mensch hätte schneller als seine möglichen Verfolger sein müssen.
Und genau diese Verfolgung hätte zehn Sekunden lang ein anderer gefilmt, einer aus der rechten Szene und hätte es über ein rechtes Portal - nennen wir es hypothetisch "Nationalbiss" - veröffentlicht. Soweit das Konstrukt.
Hätte es dieser Zehn-Sekunden-Schnipsel in Tagesschau und heute-journal geschafft? Hätten sich ganze Parteizentralen samt Bundeskanzleramt und die UNO damit beschäftigt? Hätten sie von Hetzjagd gesprochen, hätten sie das Gesehene kritisiert? Immer und immer wieder?
Und was wäre gewesen, wenn sich der oberste Verfassungsschützer mit der BILD-Zeitung verabredet und gesagt hätte, das seinen, ihm vorliegenden Erkenntnissen zufolge das Video ein Fake war und dazu diente, die linken Demonstranten an den medial-politischen Pranger zu stellen?
Herr Maaßen wäre vermutlich der Held einer wehrhaften Demokratie gewesen, vorgeschlagen für das Bundesverdienstkreuz und Ehrenmitglied bei Mobit in Thüringen geworden. Vielleicht nominiert von Katrin Göring-Eckardt.
So aber muss der Mann nun entweder Beweise für seine Behauptungen liefern. Spätestens im Innenausschuss des Bundestages oder vielleicht bereitete er selbst mit dem Interview seinen Abgang vor? Mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Das ist bei Personalien genauso wie bei der derzeit möglichen politischen Bewertung eines Zehn-Sekunden-Videoschnipsels.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redUnd so konstruieren wir mal folgenden Vorgang und beginnen mit einer Einleitung aus dem gestrigen heute-journal. Da werden zwei Zeugen aus dem Medienhut gezaubert, die angeblich bei der Verfolgungsszene in Chemnitz dabei gewesen sein sollen. Besonders interessant wird es ab Minute 07:10.
Nach dem Gehörten und Gesehenen wieder zu unserem Konstrukt: Es gibt eine Demo für Demokratie und gegen Rechts. Mittendrin auch die Antifa mit ihrem schwarzen Block. Und nun kommt ein "deutsch" aussehender "weißer" Mann mit kahlgeschorenem Kopf und will mehrere Antifaschisten zur Rede stellen, weil die ihm sein Smartphone vorher kaputtgemacht hatten. Was denken Sie, was dann passiert wäre? Eine sachliche Diskussion, eine Meinungsaustausch der verbalen Art? Ich unterstelle mal einfach, der "weiße, glatzköpfige" Mensch hätte schneller als seine möglichen Verfolger sein müssen.
Und genau diese Verfolgung hätte zehn Sekunden lang ein anderer gefilmt, einer aus der rechten Szene und hätte es über ein rechtes Portal - nennen wir es hypothetisch "Nationalbiss" - veröffentlicht. Soweit das Konstrukt.
Hätte es dieser Zehn-Sekunden-Schnipsel in Tagesschau und heute-journal geschafft? Hätten sich ganze Parteizentralen samt Bundeskanzleramt und die UNO damit beschäftigt? Hätten sie von Hetzjagd gesprochen, hätten sie das Gesehene kritisiert? Immer und immer wieder?
Und was wäre gewesen, wenn sich der oberste Verfassungsschützer mit der BILD-Zeitung verabredet und gesagt hätte, das seinen, ihm vorliegenden Erkenntnissen zufolge das Video ein Fake war und dazu diente, die linken Demonstranten an den medial-politischen Pranger zu stellen?
Herr Maaßen wäre vermutlich der Held einer wehrhaften Demokratie gewesen, vorgeschlagen für das Bundesverdienstkreuz und Ehrenmitglied bei Mobit in Thüringen geworden. Vielleicht nominiert von Katrin Göring-Eckardt.
So aber muss der Mann nun entweder Beweise für seine Behauptungen liefern. Spätestens im Innenausschuss des Bundestages oder vielleicht bereitete er selbst mit dem Interview seinen Abgang vor? Mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Das ist bei Personalien genauso wie bei der derzeit möglichen politischen Bewertung eines Zehn-Sekunden-Videoschnipsels.
Peter-Stefan Greiner
