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Kulturförderung und Freiwilligkeit

Kulturelle Bildung darf kein Randthema sein

Donnerstag, 30. August 2018, 14:00 Uhr
Kulturelle Bildung dürfe kein Randthema sein, ihre Förderung sollte keine "freiwillige" Leistung sein, sondern gehöre zum festen Bestandteil kommunaler Politik, meint man an der Jugendkunstschule. Ein kontroverses Thema, über das man gestern mit Besuch aus Erfurt diskutieren konnte...

Staatssekretärin zu Besuch an der Jugendkunstschule (Foto: Angelo Glashagel) Staatssekretärin zu Besuch an der Jugendkunstschule (Foto: Angelo Glashagel)

Mit gerade einmal zehn Jahren hat Sebastian Finck seinen ersten Kunstpreis in der Tasche. Für seine Skulptur "Tanz des Kranichs" erhielt er bei der Thüringer Jugendkunstbiennale den ersten Preis. Gebaut hat er die grazile Figur aus Ton, Metall und Holz an der Jugendkunstschule Nordhausen. Der junge Künstler ist nur einer von vielen Besuchern und Kursteilnehmern, die hier ihre künstlerische Ader ausleben können.

Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. Jahr um Jahr bangt der kleine Verein um die Unterstützung der kommunalen Politik. In den vergangenen zwei Jahren musste man bis in den Dezember in Vorleistung gehen, bevor fest stand das man wieder Förderung erhalten würde.

"Kulturelle Bildung sollte kein Randthema sein", sagt Schulleiterin Martina Degenhardt, die Förderung von Kunst und Kultur gehört ihrer Ansicht nach nicht zu den "freiwilligen Aufgaben" einer Kommune, sondern müsse ein fester Bestandteil kommunaler Politik sein.

Mit der Thüringer Staatssekretärin für Kultur und Europa, Babette Winter, war gestern die richtige Frau zu Besuch um über solche Fragen zu diskutieren. Auch aus Sicht der Staatskanzlei ist das Thema "Freiwilligkeit" nicht ohne weiteres klar zu definieren. "Ich rede da immer von "sogenannten freiwilligen Leistungen". Frewillig heißt nicht "das kann weg", die Kulturförderung genießt in Thüringen Verfassungsrang", erklärt Winter. Nach der Reform des kommunalen Finanzausgleichs 2008 liege es aber in der Hand der Kommunen, wie sie ihre Kulturförderung gestalteten.

An der Jugendkunstschule sehe man es gerne, wenn es wieder eine gesetztliche Regelung geben würden, welche die Förderung deutlicher definiert und Vereinen wie der Nordhäuser Schule eine institutionelle Förderung ähnlich der Kreismusikschulen ermöglichen würde. Dann wäre man in der Lage auch umfangreichere Projekte durchzuführen, längerfristig zu planen und über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus aktiv zu werden.

Staatsekretärin Babette Winter (links) und Schulleiterin Martina Degenhardt (Foto: Angelo Glashagel) Staatsekretärin Babette Winter (links) und Schulleiterin Martina Degenhardt (Foto: Angelo Glashagel)

Doch so einfach ist das nicht. In der "Kultur" herrscht alles andere als Einigkeit. Mit einer neuen Gesetzesinitiative hatte die Rot-Rot-Grüne Koalition vorgehabt die Kulturförderung auf neue Füße zu stellen, erläutert Winter, man habe lange diskutiert, auch mit den entsprechenden Interessenvertretern und Verbänden. Letztlich habe man aber einsehen müssen das man zu keiner tragfähigen Einigung kommen würde. So seien etwa die Thüringer Orchester, die in den kulturellen Gefilden des Freistaates die höchste Förderung genießen, nicht bereit gewesen vom eigenen Kuchen etwas abzugeben um die "kleinen" zu unterstützen, erläuterte die Staatsekretärin.

In der Kulturförderung bleibt also alles wie bisher und das sei nicht per se schlecht, meint Winter, man werde weiter nach dem System arbeiten das schon unter Christoph Matschie eingeführt wurde und sich bewährt habe. Immerhin gehöre Thüringen zu den Bundesländern mit der Anteilig größten Kulturförderung. Alternativen wie ein System nach Kulturräumen mit festen Förderzusagen, wie man es etwa in Sachsen praktiziert, sei in Thüringen hingegen nicht praktikabel.

Bleibt die Frage der Freiwilligkeit. Gerade in Nordhausen wurde darüber im Zuge der Theatersanierung immer wieder diskutiert. Der Boden auf dem man sich bewegt ist schwammig, auf der einen Seite steht der Wille das Theater zu erhalten, auf der anderen Seite sollte das in der finanziell angespannten Situation der Stadt nicht möglich sein, wenn man den strikten Vorgaben des Landesverwaltungsamtes folgt. "Städte wie Nordhausen, Gera oder Eisenach sind eigentlich zu klein für Institutionen dieser Größe. Das Theater ist aber auch eine Anker-Institution in Nordthüringen die für eine Grundkapazität an kulturellen Angeboten sorgt. Solche wichtigen kulturellen Anker wollen wir uns in Thüringen gerne leisten.", sagte Staatssekretärin Winter. Auch deswegen habe man vor zwei Jahren die Theaterverträge auf den Weg gebracht.

Die Jugendkunstschule übernehme eine ganz ähnlche Funktion nur in anderen Bereichen, argumentierte Martina Degenhardt. Gerne würde man mehr tun und sich stärker in der Region engagieren. Mit dem Projekt "Hoch(kultur)stett", bei dem die Kunstschule mit dem Dorf kooperiert, hat man erste Schritte in diese Richtung bereits getan. Die Unsicherheit ob man das auch in Zukunft wird tun können bleibt derweil. Änderung ist nicht in Sicht. Immerhin darf man hoffen in diesem Jahr nicht erst bis Dezember auf Tatsachen warten zu müssen. Schon zur Stadtratssitzung in der nächsten Woche sollte klar sein, wie die Förderung der Jugendkunstschule ausfallen wird.
Angelo Glashagel
Autor: red

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