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Kritik an Inge Klaan

Mittwoch, 25. Juli 2018, 06:44 Uhr
„Man solle die Kirche im Dorf lassen, Von der derzeitigen Hitzeperiode könne nicht auf die Zukunft geschlossen werden“. So etwa stand dies im gestrigen nnz-Beitrag von Kurt Frank zu einer Aussage der SWG-Chefin Klaan zu lesen. Für mich erhebt sich bei solchen Äußerungen die Frage, ob sie als SWG-Chefin wirklich geeignet ist. Die Mieter sollten darüber abstimmen. Glück für Frau Klaan: Viele dürften derzeit im Urlaub sein...

Gutes Beispiel in der Töpferstraße in Nordhausen (Foto: B. Schwarzberg) Gutes Beispiel in der Töpferstraße in Nordhausen (Foto: B. Schwarzberg) Ein Blütenmeer in der Töpferstraße (Juli 2016). So viel Grün ist gut fürs Mikroklima und für die Erhaltung der Insekten. Leider haben wir auch in Nordhausen nicht selten pflegeleichtere Brachen oder artenärmere Einheitsflächen vor den Häusern. Nicht alles war schlecht in der DDR: Die Mieter sollten wieder verstärkt in die Pflege der Wohnbegrünung eingebunden werden. In Berlin zum Beispiel geschieht dies bereits wieder vielfach.

Denn der Schutz ihrer Mieter vor den wissenschaftlich vielfach vorausgesagten extremen Hitzewellen der Gegenwart und Zukunft sollte oberste Priorität haben. Angesichts der rund 70.000 toten Mitteleuropäer als Folge der sogenannten Jahrhundertdürre des Jahres 2003 (und das waren vor allem ältere Mitmenschen) und der immer neuen Temperaturrekorde in Mitteleuropa und in weiten Teilen der Welt befremdet mich eine solche Abwiegelung der SWG-Chefin. Sie ist Ausdruck dafür, das viele der heute Verantwortlichen vor der Realität nach wie vor die Augen verschließen. Mit möglicherweise fatalen Folgen für jene, für die sie Verantwortung tragen.

Der Schutz des Lebens und der Gesundheit der Nordhäuser sollte doch für Inge Klaan von der CDU oberste Priorität haben. Vielleicht mag sie sich einige diesbezügliche Nachhilfen von der Webseite des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) holen, deren langjähriger Chef, Prof. Dr. Schellnhuber, die Bundesregierung in Klimafragen berät und der bei den internationalem Klimaabkommen der letzten Jahre federführend mitgewirkt hat. Oder beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re, der aus purem Geschäftssinn sehr genau die Risiken der künftigen Klimaentwicklung in seine Geschäftsstrategie einfließen lässt.

Letzteres sollte auch Inge Klaan mit ihrer Geschäftsstrategie tun, so sie denn als Sachwalterin ihrer Mieter glaubwürdig bleiben will. Schließlich dürften die besonders gefährdeten älteren Mieter einen Großteil ihrer zahlenden „Kunden“ ausmachen.

Sie könnte sich auch zum Beispiel an der Stadt Frankfurt/Main ein Beispiel nehmen, die sich zu einer Art Experimentierfeld für die Verbesserung der Lebens- und Wohnbedingungen für ihre Bürger in Zeiten der unter Umständen lebensgefährlichen Überhitzung der Städte erklärt hat und langfristig mieterfreundlich planen will.

Mit Klimaanlagen übrigens, wie im nnz-Beitrag über Maßnahmen der WBG beschrieben, kann das Problem Überhitzung nur scheingelöst werden. Ihr Stromverbrauch sorgt für eine zusätzliche Steigerung der Treibhausgasemissionen, die man ja eigentlich verhindern sollte, um eine weitere Klimaerwärmung einzudämmen.

Die großen Vermieter in Nordhausen sollten doch lieber nachhaltige Investitionen wagen: In die Dämmung der Fassaden an vorderster Stelle (das klang im Beitrag an), in eine umfassende Fassadenbegrünung mit all ihren längst nachgewiesenen Vorteilen für Wohn- und Stadtklima (das plant die WBG, warum sträubt sich Inge Klaan hier??) und in eine Aufforstung der Vorgärten und Hinterhöfe mit weitkronigen und vor allem hitzeresistenten Gehölzen, die für eine entsprechende Herabsetzung der Temperatur im Gebäudeumfeld durch die „Verdunstungskälte“ sorgen.

Solch hitzeresistente Arten müssten auch, und das ist kostensparend, weniger gegossen werden während den sich künftig weiter verschärfenden Dürreperioden. Mein Vorschlag wären zum Beispiel Walnussbäume.

Bei alledem könnte die ja eigentlich der Agenda 21 verpflichtete Stadt Nordhausen Vorreiter werden. Und Frau Klaan sollte anerkennen, dass der menschgemachte Klimawandel längst Realität ist. Jedes weitere den Kopf-in-den–Sand-stecken gefährdet unter Umständen immer mehr Menschenleben. Das sollte sie bei solchen Äußerungen, wie im gestrigen nnz-Beitrag bitte bedenken. Wir tragen eine lokale und zugleich globale Verantwortung.

Und sie sollte von den Herrschenden in Berlin als Interessenvertreterin ihrer Mieter die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens einfordern. Gerade die CDU hat hier ihre eigenen Regierungsbeschlüsse im Interesse einiger Großkonzerne nicht umgesetzt. Die Treibhausgasemissionen sinken viel langsamer, als einst vollmundig verkündet.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: red

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