Vom Windrad in den Tank
Startschuss für Strom-Tankstelle
Freitag, 20. Juli 2018, 22:30 Uhr
Wer elektrisch unterwegs sein will, der muss wissen wo man im Fall der Fälle "tanken" kann. Die Dichte an Ladestationen nimmt zwar stetig zu, für die Alltagstauglich im bundesweiten Verkehr reicht es aber noch nicht. In Nordhausen will man demnächst erste Schritte unternehmen um das zu ändern. Mit einer klassischen Tankstelle und ein paar guten Ideen...
Fünf Zapfsäulen für Pkw, eine weitere für Bus und Lkw - wenn der "Ladepark Nordhausen" ans Netz geht, dann soll vieles an eine klassische Tankstelle erinnern. Vieles, aber nicht alles.
Da ist zum einen die Technik. In den "Tank" kommen hier keine fossilen Brennstoffe sondern Wind- und Sonnenenergie, entweder direkt vom Dach der Anlage oder von den Windrädern über Nordhausen. Fünf mal, über den Daumen gepeilt, muss sich das Windrad drehen, dann hat es genug Strom für die volle Ladung eines aktuellen Elektrofahrzeugs produziert, erklärte Dr. Heiko Rüppel von der Firma Enercon. Die Windradhersteller haben sich zusammen mit dem Nordhäuser Elektro-Start-Up Intrasol, den Stadtwerken, der Hochschule, dem Windradbetreiber Energiequelle und der Energiegenossenschaft Helmetal auf den Weg gemacht um den nächsten Schritt auf dem Weg zu mehr Elektromobilität auf Deutschlands Straßen zu tun.
Neben der Firma Intrasol sind auch die Enercon, die Nordhäuser Stadtwerke, die Hochschule und weitere Partner an dem Projekt beteiligt (Foto: Angelo Glashagel)
Der Ladepark wäre die erste größere Stromtankstelle in Europa, erklärt Sebastian Kupfer von Intrasol, in China seien derartige Anlagen bereits unumgänglich geworden und um einiges umfangreicher, letztlich aber weniger durchdacht als das deutsche Modell. Verbaut wird nagelneue Ladetechnik, welche die derzeit noch sehr langen und unpraktischen Ladezeiten deutlich verringern könnte. Mit einer Leistung von bis zu 350kW sollen zwischen Ankunft und Abfahrt nur noch 10 bis 20 Minuten liegen, je nach Art des Fahrzeugs und dem Ladestand der Batterie.
Für Elektro-Enthusiasten heißt es also auch weiterhin warten bis es weiter geht, aber nicht mehr so lange wie bisher. Ein gewisser Grad an Wartezeit sei in der Elektromobilität nicht zu verhindern, die Grenzen sind physikalischer Natur. Deswegen soll es neben den Zapfsäulen für die Nutzer diverse Angenehmlichkeiten geben: WLAN für die Großen, einen Spielplatz rund um erneuerbare Energien für die Kleinen, Snacks und Getränke und Kartenzahlung statt umständlicher Mitgliedschaft beim Betreiber der Ladestelle. Bis 2022 sollen in ganz Deutschland rund 220 solcher Ladeparks entstehen, der Nordhäuser Standort in der Straße Am Krug wäre der erste in der Reihe.
"Wie bei einer klassischen Tankstelle wird es eine Anzeigetafel mit den aktuellen Preisen geben. Wir überlegen derzeit noch ob wir die Preise von den aktuellen Bedingungen abhängig machen. Bei viel Sonner oder viel Wind wäre das tanken dann entsprechend billiger", erläuterte Sebastian Kupfer.
Und man weiß am Ende wo die Energie herkommt: von einem Hügel nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt. Die Windräder auf den Hügeln hinter Sundhausen produzieren im Jahr rund 8 Mio. Kilowattstunden bei einer Auslastung von 80% über das Jahr, für die Windradbetreiber ein profitabler Standort mit guter Leistung.
Man könne nicht von heute auf morgen alle alten Kraftwerke abschalten, meint Dr. Rüppel, sehr wohl aber die schmutzigsten Kraftwerke nach und nach abschalten und durch erneuerbare Energiequellen ersetzen. Ein weiterer Schritt die "Erneuerbaren" im Energiemarkt Salonfähiger zu machen, wäre neue Speichertechnik. Doch ehe man die tatsächlich brauche, könnten wohl noch 30 Jahre ins Land gehen. Die Elektromobilität ist da schon weiter, der "Ladepark Nordhausen" soll schon in einem guten Jahr eröffnet werden.
Angelo Glashagel
Autor: redFünf Zapfsäulen für Pkw, eine weitere für Bus und Lkw - wenn der "Ladepark Nordhausen" ans Netz geht, dann soll vieles an eine klassische Tankstelle erinnern. Vieles, aber nicht alles.
Da ist zum einen die Technik. In den "Tank" kommen hier keine fossilen Brennstoffe sondern Wind- und Sonnenenergie, entweder direkt vom Dach der Anlage oder von den Windrädern über Nordhausen. Fünf mal, über den Daumen gepeilt, muss sich das Windrad drehen, dann hat es genug Strom für die volle Ladung eines aktuellen Elektrofahrzeugs produziert, erklärte Dr. Heiko Rüppel von der Firma Enercon. Die Windradhersteller haben sich zusammen mit dem Nordhäuser Elektro-Start-Up Intrasol, den Stadtwerken, der Hochschule, dem Windradbetreiber Energiequelle und der Energiegenossenschaft Helmetal auf den Weg gemacht um den nächsten Schritt auf dem Weg zu mehr Elektromobilität auf Deutschlands Straßen zu tun.
Neben der Firma Intrasol sind auch die Enercon, die Nordhäuser Stadtwerke, die Hochschule und weitere Partner an dem Projekt beteiligt (Foto: Angelo Glashagel)
Der Ladepark wäre die erste größere Stromtankstelle in Europa, erklärt Sebastian Kupfer von Intrasol, in China seien derartige Anlagen bereits unumgänglich geworden und um einiges umfangreicher, letztlich aber weniger durchdacht als das deutsche Modell. Verbaut wird nagelneue Ladetechnik, welche die derzeit noch sehr langen und unpraktischen Ladezeiten deutlich verringern könnte. Mit einer Leistung von bis zu 350kW sollen zwischen Ankunft und Abfahrt nur noch 10 bis 20 Minuten liegen, je nach Art des Fahrzeugs und dem Ladestand der Batterie.
Für Elektro-Enthusiasten heißt es also auch weiterhin warten bis es weiter geht, aber nicht mehr so lange wie bisher. Ein gewisser Grad an Wartezeit sei in der Elektromobilität nicht zu verhindern, die Grenzen sind physikalischer Natur. Deswegen soll es neben den Zapfsäulen für die Nutzer diverse Angenehmlichkeiten geben: WLAN für die Großen, einen Spielplatz rund um erneuerbare Energien für die Kleinen, Snacks und Getränke und Kartenzahlung statt umständlicher Mitgliedschaft beim Betreiber der Ladestelle. Bis 2022 sollen in ganz Deutschland rund 220 solcher Ladeparks entstehen, der Nordhäuser Standort in der Straße Am Krug wäre der erste in der Reihe.
"Wie bei einer klassischen Tankstelle wird es eine Anzeigetafel mit den aktuellen Preisen geben. Wir überlegen derzeit noch ob wir die Preise von den aktuellen Bedingungen abhängig machen. Bei viel Sonner oder viel Wind wäre das tanken dann entsprechend billiger", erläuterte Sebastian Kupfer.
Und man weiß am Ende wo die Energie herkommt: von einem Hügel nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt. Die Windräder auf den Hügeln hinter Sundhausen produzieren im Jahr rund 8 Mio. Kilowattstunden bei einer Auslastung von 80% über das Jahr, für die Windradbetreiber ein profitabler Standort mit guter Leistung.
Man könne nicht von heute auf morgen alle alten Kraftwerke abschalten, meint Dr. Rüppel, sehr wohl aber die schmutzigsten Kraftwerke nach und nach abschalten und durch erneuerbare Energiequellen ersetzen. Ein weiterer Schritt die "Erneuerbaren" im Energiemarkt Salonfähiger zu machen, wäre neue Speichertechnik. Doch ehe man die tatsächlich brauche, könnten wohl noch 30 Jahre ins Land gehen. Die Elektromobilität ist da schon weiter, der "Ladepark Nordhausen" soll schon in einem guten Jahr eröffnet werden.
Angelo Glashagel









