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nnz-doku: Noch viel zu tun

Dienstag, 11. Januar 2005, 15:42 Uhr
Nordhausen (nnz). Die nnz hatte am vergangenen Freitag über die Bilanz der Kreissparkasse Nordhausen berichtet. Am Abend gab es den traditonellen Neujahrsempfang. Dabei hielt Sparkassendirektor Rudolf Mund eine Rede, die wir in unserer doku-Reihe veröffentlichen.


Meine Damen und Herren,

der Jahreswechsel 2004/2005 ist überschattet von einer Naturkatastrophe bisher nicht gekannten Ausmaßes. Hilflos und zutiefst betroffen müssen wir erleben, wie die Region Südostasien unendliches Leid erfährt. Möglicherweise sind mehr als 165.000 Tote zu beklagen, darunter auch zahlreiche Deutsche.

Unter diesen Umständen haben wir darüber nachgedacht, diesen Neujahrsempfang abzusagen. In enger Abstimmung mit dem Vorsitzenden unseres Verwaltungsrates, Herrn Landrat Claus, haben wir uns im Vorstand darauf verständigt, den Empfang doch durchzuführen, ist er doch zum Anfang jeden Jahres die Kommunikationsplattform für die wichtigen Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft der Region.

Zur Linderung der Not hat die Sparkasse einen namhaften Betrag zur Hilfe für die Menschen in Südostasien gespendet.


Verehrte Gäste,

den Einstieg in meine Ausführungen hatte ich mir verständlicherweise ganz anders vorgestellt, denn das Leitmotiv unseres heutigen Empfanges lautet: „Wenn es einen Weg gibt etwas besser zu machen, finde ihn“, so der große Erfinder Thomas Alfa Edison.

Dieser Ausspruch gilt für jeden Einzelnen, für jedes Unternehmen, die Behörden und die Politik. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen alle verantwortlich handelnden Personen permanent darüber nachdenken, wie etwas verändert werden kann, damit es besser wird.

„Ich weiß nicht ob es besser wird wenn es anders wird, aber es muss anders werden damit es besser wird“, ist ein Zitat von Lessing, welches viele aktuelle Situationen ebenfalls gut beschreibt.

Dass gerade schwierige Zeiten geeignet sind für Veränderungen, beweist schon ein Blick in die Geschichte. Oft aus der Not heraus wurden Dinge in Frage gestellt, alte Zöpfe abgeschnitten, neues ausprobiert. Der Kreativität waren oft keine Grenzen gesetzt, das ist heute leider aufgrund ausufernder gesetzlicher Rahmen-bedingungen nicht mehr ganz so einfach. Trotzdem ist es gerade die Kreativität, welche unternehmerisches Handeln auszeichnet.

Permanent nach neuen Chancen suchen, bewerten und mutig umsetzen. Mit Chancen meine ich, bewusst auch Chancen im Markt nutzen, mit neuen Produkten, in neuen Märkten, mit veränderten Vertriebswegen oder schlanken, effizienten Prozessen.


Meine Damen und Herren,

meines Erachtens muss auch bei uns das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft deutlich verbessert werden. Ich bin überzeugt, dass auf diese Weise noch erhebliches innovatives Potenzial gehoben werden kann. Mit der Fachhochschule sind wir hier auf einem guten Weg, das Regionalmanagement hat wichtige Koordinierungs- und Führungsaufgaben, die noch weiter intensiviert werden müssen. Die regionalen Akteure sollten enger zusammenrücken und noch stärker gemeinsame Aktivitäten entwickeln. Ich meine, dabei darf es keine Vorbehalte geben, auch keine Barrieren an den Landkreisgrenzen. Wir müssen mehr in Regionen denken und entsprechende Strukturen aufbauen.

Das Jahr 2004 war in Nordhausen geprägt von der Landesgartenschau. Es ist gelungen mit dieser Großveranstaltung die Stadt entscheidend positiv zu verändern und bei den Besuchern einen sehr guten Eindruck zu hinterlassen. Ich hoffe, der erreichte erhebliche Imagegewinn birgt ein hohes Rückkehrerpotenzial.


Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich nun einige Sätze zu unserer, zu Ihrer Kreissparkasse Nordhausen 2004 sagen. Wir sind mit deutlichem Abstand Marktführer im Landkreis Nordhausen. Die Sparkasse ist wirtschaftlich kerngesund und gut aufgestellt um die Zukunftsentwicklung der Region begleiten und mitgestalten zu können. Als Mitglied der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen befinden wir uns in einem sehr leistungsstarken Verbund, der von der namhaften Ratingagentur Moody´s ein A 1-Prädikat bekommen hat. Davon können manche Kreditinstitute, auch Großbanken nur träumen.

Die Bilanzsumme als Summe unserer Aktivitäten stabilisierte sich mit 912 Mio. € nur geringfügig unter dem Vorjahreswert.

Die Einlagen unserer Kunden sowohl bei unseren eigenen Produktangeboten als auch im Wertpapiergeschäft sind im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter gestiegen und belaufen sich nunmehr auf rd. 833 Mio. €. Im Vergleich mit den übrigen Thüringer Sparkassen konnten wir eine überdurchschnittliche Wachstumsrate erreichen. Für diesen großen Vertrauensbeweis bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen, unseren Kunden.

Ich möchte an dieser Stelle auch den Dank an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anschließen. Das Bankenjahr 2004 war schwieriger als viele erwartet hatten und forderte von allen erhebliche Anstrengungen. Nur durch konzentrierte und engagierte Arbeit konnten wir unsere ehrgeizigen Ziele erreichen. Private Altersversorgung, betriebliche Altersversorgung, Steuerrechtliche Veränderungen bei den Lebensversicherungen, erneute Diskussion um den Wegfall der Eigenheimzulage bestimmten den Arbeitsalltag.

Und als ob das noch nicht genug wäre, kam die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe noch hinzu. Eine sicherlich richtige und notwendige Reform, die leider viel zu spät und nicht in ausreichendem Maß kommuniziert wurde. Die Folgen waren erheblicher Aufklärungsbedarf durch die Sparkassenmitarbeiter und zahlreiche Barabhebungen durch verunsicherte Kunden. Wir glauben, dass heute in vielen Haushalten, auch in solchen, die gar nicht davon betroffen sind, in erheblichem Umfang Bargeld deponiert ist. Dort liegt es zinslos unter dem Kopfkissen und ist hohen Risiken ausgesetzt.

Das Kreditgeschäft stand im Jahr 2004 erneut im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Das wird auch in 2005 so sein. Wir werden auch künftig zu unseren Unternehmen stehen und ein vernünftiges Kreditneugeschäft mit möglichst auskömmlichen Margen betreiben.

Mit Blick auf die gesamte Sparkassenorganisation in Deutschland kann ich Ihnen sagen, dass der Marktanteil der Sparkassen im Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen zugenommen hat. Im Gegenzug dazu ist der Marktanteil der Kreditbanken zurückgegangen. Sie sehen, Sparkassen sind gut für Deutschland!

Der von uns ausgereichte Kreditbestand hat sich im letzten Jahr geringfügig auf 546 Mio. € reduziert. Bezogen auf die Größe unseres Geschäftsgebietes stellt diese Summe weiterhin den Spitzenwert unter den Thüringer Sparkassen. Die Ursachen für den Rückgang liegen in hohen Tilgungsleistungen und geringer Nachfrage nach Krediten begründet. Der Anteil des Firmen- und Gewerbekundenkreditgeschäftes am gesamten Kreditgeschäft beträgt rd. 50 %.

Erneut positiv hat sich im vergangenen Jahr das Kreditgeschäft mit Privatpersonen entwickelt. Der Bestand konnte um gut 3 Mio. € gesteigert werden, was bei der geringen Bautätigkeit im Landkreis ein erfreuliches Ergebnis darstellt. Mehr als jede zweite Baumaßnahme wurde durch uns begleitet.


Verehrte Gäste,

ich habe eingangs von notwendigen Veränderungen gesprochen, die erforderlich sind, wenn man besser werden will. Erfreulicherweise ist es uns gelungen, durch eine Vielzahl von Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit unserer Sparkasse auf dem Niveau des Vorjahres zu stabilisieren. Das ist in der extremen Wettbewerbssituation in der Finanzdienstleistungsbranche ein schöner Erfolg, auf den wir ein wenig stolz sind. Mit dem erreichten Betriebsergebnis und der Aufwandsertragsquote befinden wir uns im ersten Drittel der Thüringer Sparkassen.

Wagen wir einen Blick nach vorn. Die konjunkturelle Erholung in Deutschland wird wohl zu einem Wachstum des Bruttosozialprodukts um ca. 1,5 % führen, glaubt man den zahlreichen Prognosen. Für einen Aufschwung im eigentlichen Wortsinn wird das nicht reichen, aber es sieht so aus, dass die mühsame Konjunkturerholung nicht zum Stillstand kommt.

Wir sollten aber durchaus optimistisch in das neue Jahr starten. Die deutsche Wettbewerbssituation ist nicht so schlecht wie sie oft dargestellt wird. Viele Unternehmen sind bei Ihren Restrukturierungen und Konsolidierungen gut voran gekommen. Der Geschäftsklimaindex ist so gut wie seit 3 1/2 Jahren nicht mehr. Die Investitionsbereitschaft der gewerblichen Wirtschaft hat in den letzten Wochen deutlich zugelegt. Sogar der private Konsument ist aus seiner Lethargie erwacht und hat für ein gutes Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel gesorgt. Bleibt zu hoffen, dass das nicht nur ein kurzes Aufflackern war.

Zahlreiche Reformen sind auf den Weg gebracht. Reformen in der Arbeitsmarktpolitik wie die Senkung der Arbeitskosten oder die Arbeitszeitflexibilisierung waren dringend erforderlich und zeigen erste Erfolge. Weitere Schritte sind nötig und dürfen auch nicht mit Blick auf die anstehenden Wahlen unterlassen werden.

Der Einstieg in die breite, kapitalgedeckte Altersversorgung war längst überfällig. Ebenso die Reformen in der Gesundheitspolitik, an deren Nachhaltigkeit allerdings Zweifel erlaubt sein müssen.

Weiter dringend erforderlich ist eine Reform des Steuerrechts in Deutschland. Dabei sollte die Vereinfachung mehr im Vordergrund stehen als die Steuerentlastung. Insgesamt betrachtet meine ich, dass der Standort Deutschland gut ist, man sollte aufhören, das Land schlecht zu reden. Natürlich gibt es auch Risiken für die Konjunkturerholung, z. B. zu hohe Ölpreise oder eine anhaltende Dollarschwäche.

An den Kapitalmärkten erwarten wir für das Jahr 2005 bei den langen Laufzeiten leicht steigende Zinssätze, wobei man mit Prognosen sehr vorsichtig sein muss. Am deutschen Aktienmarkt teilen wir die Prognosen, die einen Anstieg um rd. 6 % für das Jahr vorhersehen.

Speziell für unsere Region erwarten wir auch im kommenden Jahr nur geringe Impulse. Entsprechend verhalten optimistisch sind wir auch für die Entwicklung der Sparkasse. Wachstumsraten von 1-2 % erwarten wir sowohl bei der Bilanzsumme als auch bei den Kundeneinlagen.


Verehrte Gäste,

die heutige, etwas ungewöhnliche Dekoration der Kassenhalle ist ein plakativer Hinweis auf den im Mai/Juni diesen Jahres beginnenden Umbau unserer Hauptstelle. Die Bauphase wird ca. 9 Monate andauern. In dieser Zeit betreuen wir Sie in modernen Bankcontainern, die auf dem Parkplatz vor dem Gebäude aufgestellt sind. Nach über 13jähriger Nutzung der Hauptstelle in der heutigen Form, sind die baulichen Änderungen erforderlich, um auch morgen Ihrem und unserem hohen Qualitätsstandard zu entsprechen. Ich bitte Sie schon heute um Verständnis für mögliche Unannehmlichkeiten während der Bauphase.

Leider kann unser Neujahrsempfang in Zukunft nicht mehr in dieser bewährten Art und Weise stattfinden. Hier, wo wir heute stehen, wird nach dem Umbau 24 Stunden geöffnet sein. Im nächsten Jahr findet der Empfang im Theater Nordhausen statt.


Meine Damen und Herren,

getreu dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ möchte ich nicht versäumen, auf unser vielfältiges Engagement in der Region hinzuweisen. Im vergangenen Jahr haben wir rund 220.000 Euro für kulturelle, sportliche, soziale und gemeinnützige Zwecke zahlreichen Vereinen und Einrichtungen im Landkreis zur Verfügung gestellt. Bei besonderen Ereignissen, wie der Landesgartenschau, waren und sind wir häufig als Großsponsor beteiligt.


Liebe Geschäftsfreunde,

ich danke Ihnen sehr herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen im Jahr 2004. Wir werden auch im neuen Jahr für Sie kompetenter Ansprechpartner in allen Finanzangelegenheiten sein. Ich verspreche Ihnen, dass wir mit großer Motivation daran arbeiten, diesem Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft zu sichern.

Unser Verwaltungsrat, mit Herrn Landrat Claus als Vorsitzenden, unterstützt und begleitet durch intensive, konstruktive und sachliche Diskussion unsere Geschäftspolitik. Dafür danken wir sowohl den neu gewählten als auch den bisherigen Mitgliedern des Verwaltungsrates recht herzlich.
Autor: nnz

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