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Auf die Euro-Einführung vorbereiten

Samstag, 01. September 2001, 10:20 Uhr
Nordhausen (nnz). Er steht unmittelbar vor unser aller Tür und Geldbeutel: Der Euro! nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg sprach über die Vorbereitung der Euro-Einführung mit dem Vorstandsvorsitzenden der Nordhäuser Kreissparkasse, Rudolf Mund.


KSK-Chef Rudolf Mund nnz: Herr Mund, bis zur Einführung des Euro sind es nur noch wenige Monate. Ist die Kreisparkasse gerüstet?

Rudolf Mund: Die Frage kann man mit eine klaren Ja beantworten. Seit über zwei Jahren beschäftigt eich eine Projektgruppe in unserer Sparkasse mit den Vorbereitungen auf die Euro-Einführung. Alle Maßnahmen sind abgestimmt und im Zeitplan. Wir sind gut gerüstet und denken, daß wir die Euro-Einführung problemlos bewältigen. Schließlich haben wir genügend Erfahrung aus der DM-Einführung. Besonders wichtig ist allerdings auch das sich sowohl Bürger als aucgh Unternehmen auf den Euro vorbereiten. Zum Beispiel sollten Spardosen, Kaffeekassen u.ä. frühzeitig auf Konten eingezahlt werden. Auf diese Weise können gegebenenfalls auftretende Wartezeiten um den Jahreswechsel umgangen werden. Außerdem bringen diese Gelder Zinsen. Ein wichtiges Datum ist der 28. Februar 2002. Zu diesem Zeitpunkt endet die Doppelwährungsphase, nach diesem Termin kann nur noch mit Euro gezahlt werden. Restbestände von ausländischen Währungen sollten ebenfalls kurzfristig umgetauscht werden. Alle Unternehmen sollten inzwischen ihre Vorbereitungen auf die Euro-Einführung abgeschlossen haben. Ganz besonders wichtig ist die Ermittlung des Euroausstattungsbedarfs. Die Münzausstattung in den ersten Tagen ist besonders zu berücksichtigen. Wir empfehlen insbesondere in der Übergangsphase die bargeldlose Zahlung mit der EC- oder Geldkarte.

nnz: Gibt die Wechselkursentwicklung, z.B. gegenüber dem Dollar, Anlaß an der Stabilität des Euro zu zweifeln?

Rudolf Mund: Das wichtigste was eine Währung braucht ist Vertrauen. Es ist die Aufgabe der Europäischen Zentralbank eine vernünftige und verläßliche Politik zu betreiben, um weltweites Vertrauen in die junge Währung zu schaffen und damit die Stabilität des Euro zu sichern. Die Vereinbarungen im Stabilitätspakt sind mit diesem Ziel getroffen worden und sollten bei konsequenter Beachtung zu einer Beruhigung der Kursentwicklung führen. Die Wechselkursentwicklung der vergangenen Monate darf nicht überbewertet werden. Zahlreiche Sonderfaktoren im Vorfeld der Euro-Einführung wirken sich belastend auf die Kursentwicklung aus. Ich bin überzeugt, daß nach dem 31. 12.2001 eine deutliche Entspannung eintritt.

nnz: Der Übergang von der D-Mark auf die Gemeinschaftswährung ist nicht kostenlos zu haben. Wer muß das alles letzten Endes bezahlen?

Rudolf Mund: Die wesentliche Arbeit und damit auch einen Großteil der Kosten für die Euro-Einführung übernehmen der Handel sowie die Banken und Sparkassen. Denken Sie nur an die doppelte Preisauszeichnung, die Umstellung der Kassensysteme oder der Geldautomaten oder die zusätzlichen Transport- und Sicherheitskosten. Ganz zu schweigen von der Zweiwährungsphase in den ersten beiden Monaten des Jahres 2002. Für die Kunden der Sparkasse erfolgt die Umstellung aller Konten auf den Euro automatisch zum Jahreswechsel und in jedem Fall gebührenfrei. Auch für den Bargeldumtausch unserer Kunden stellen wir keine Gebühren in Rechnung. Insgesamt empfehlen wir den Bürgern in den nächgsten Monaten sehr aufmerksam die Preise zu vergleichen. Lediglich durch die Umrechnung von DM auf Euro entsteht kein Nachteil. Bei der Festsetzung der Europreise kann es zu Auf- oder Abrundungen kommen, hinter denen sich auch Preiserhöhungen verbergen können. Auch gegebenenfalls veränderte Verpackungseinheiten muß geachtet werden.

nnz: Wird sich durch die Einführung der Gemeinschaftswährung die Kaufkraft ändern?

Rudolf Mund: Nein, denn durch die reine Umrechnung mit dem Faktor 1,95583 bei Einnahmen und Ausgaben ändert sich die Kaufkraft nicht. Käme es allerdings zu Preiserhöhungen im Rahmen der Umstellung hätte das natürlich Auswirkungen.

nnz: Was wird aus den Sparkonten, Sparbriefen, Lebensversicherungen, festverzinslichen Wertpapieren und Aktien der Bürger?

Rudolf Mund: Grundsätzlich gilt hier, daß eine centgenaue Umrechnung erfolgt. Zinssätze, Vertragslaufzeiten und sonstige Bedingungen gelten unverändert fort. Bei Lebensversicherungen sollte man überprüfen, ob eine Glättung der Versicherungssumme ratsam ist. Hierzu empfehle ich ein Gespräch mit dem Spezialisten. Aktien und Wertpapiere werden bereits in Euro gehandelt, hier ändert sich also nichts. Überlegen sollten sich die Bürger, ob sie Daueraufträge auf Sparverträge oder Lastschrifteinzüge zugunsten von Bausparverträgen oder Investmentfonds nicht bereits auf glatte Eurobeträge umstellen.

nnz: Was ändert sich für die Häuslebauer und Mieter mit der Einführung des Euro?

Rudolf Mund: Kredite werden ebenso wie alle anderen Konten mit dem Umrechnungsfaktor umgerechnet, aus 200.000 DM Schulden werden dann 102.258,37 Euro. Genauso verhält es sich mit den Kreditraten oder Mieten, z.B. werden aus 800 Mark monatlich 409,03 Euro. Zinssätze uns sonstige Vereinbarungen bleiben unberührt.

nnz: Eine letzte Frage: Ab wann muß die Steuererklärung in Euro abgegeben werden?

Rudolf Mund: Die Steuererklärung für das Jahr 2001, die wir im Jahr 2002 abgeben, wird noch in DM erstellt. Für das Jahr 2002, also die Steuererklärung, die 2003 abgegeben wird, gilt dann der Euro.

nnz: Herzlichen Dank für das Gespräch.
Autor: nnz

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