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Die Möglichkeiten der Statistik

Was nicht passt wird passend gemacht

Mittwoch, 06. Juni 2018, 12:41 Uhr
Statistiken haben etwas faszinierendes. Mit ihnen kann nach Belieben gespielt werden, obwohl man doch annehmen sollte, dass gerade Zahlen völlig objektiv sind. Sind sie auch, aber man kann sie durch Weglassen und Zusammenfügen politisch richtigstellen. Die nnz mit einem Beispiel...

Kiesgewässer bei Nordhausen - hier fehlt ein Gesamtkonzept (Foto: privat) Kiesgewässer bei Nordhausen - hier fehlt ein Gesamtkonzept (Foto: privat)
Der Hype um den Tourismus im Südharz hat sich aktuell ein wenig gelegt. Aber vielleicht sind die haupt- und ehrenamtlich Verantwortlichen ja schon im verdienten Urlaub. Irgendwo, nur nicht im Südharz.

Da wurden mehrfach schon ritterliche Visionen hofiert, da wurde ein neuer Verband gegründet, der nun zwei Landkreise umfasst. Der Tourismusverband Südharz Kyffhäuser. Verwaltungstechnisch gesehen sind das der Landkreis Nordhausen und der Kyffhäuserkreis, die regionale Politgrößen schon als ein Imperium gesehen hatten. Doch der Protest des Souveräns, an den man in politischen Kreisen mit immer größer werdenden Grausen denkt, der machte diese Pläne zunichte.

Aber wenigstens wurde der Verband zwischen Zweien gegründet, die unterschiedlicher nicht sein können. Um es anders auszudrücken, dieser Zusammenschluss ist etwa so, als wenn Deutschland und Bulgarien eine gemeinsame Wirtschaftsunion bilden. Dann sind alle wichtigen Zahlen für Bulgarien plötzlich sowas von top, die von Deutschland immer noch gut.

Bis zum Ende des Jahres 2017 wurden bei den Thüringer Statistikern die touristisch-regionalen Eckwerte immer für den Kyffhäuser und den Südharz getrennt ausgewiesen. Die Ergebnisse wurden in den Nordthüringer Online-Zeitungen veröffentlicht. Unterm Strich: der Kyffhäuserkreis marschiert mit den Zahlen nach oben, der Südharz war im ständigen Sinkflug begriffen.

Das kann doch nicht sein, das konterkariert doch die Verbandsbemühungen, dass muss: erstens schöngeredet und zweitens statistisch korrigiert werden. Und so wurden die Statistiker von irgendwem angewiesen, nicht die beiden Landkreise/Regionen einzeln, sondern als gesamtes Gebiet auszuweisen. Da hier nun mal der Kyffhäuserkreis mit Deutschland und der Landkreis Nordhausen mit Bulgarien gleichgesetzt werden kann, steht plötzlich die gesamte Region im strahlenden Lichte positiver Zahlen bei Übernachtungen und Ankünften da. Die Politik hat alles richtig gemacht. Scheinbar - wie fast immer.

Also haben wir uns die schon miserablen Zahlen vom März 2017 noch einmal angesehen. Und zwar für die Städte Bleicherode und Nordhausen sowie für die Gemeinden Neustadt und Harztor - allgemeinhin als die touristischen Highlights bekannt. Da wurden also im März vergangenen Jahres in Summe 4.133 Ankünfte und 9.233 Übernachtungen registriert, die Aufenthaltsdauer lag bei 3,25 Tagen.

Ein Jahr später, also im vollen Wirken des alles verändernden Verbandes, waren es 4.127 Ankünfte und 9.141 Übernachtungen. Die Aufenthaltsdauer ging auf 3,0 Tage zurück. Vielleicht lag es am Wetter, vielleicht wurde auch Hainrode mit seinem Teichtal vergessen.

Zurück zu den Statistikern. Die fühlten sich in dieser Woche gemüßigt, die neue Zähl- und Auswertungsweisen zum ersten Mal aufzudröseln. Ob das mit einem Anruf der nnz-Redaktion vor zwei oder drei Wochen zusammenhing, kann nicht mit Bestimmtheit geschrieben werden. Aber sie kommen für das erste Quartal 2018 zu folgendem Vergleich: "im Vorjahresquartal (2017) hatte man im Kyffhäuser ein Plus von 2228 Ankünfte und 4117 Übernachtungen registriert, im Südharz ein Minus von 142 Ankünften und 1973 Übernachtungen. Insgesamt verzeichnete man so im Bereich Kyffhäuser/Südharz ein Plus von 444 Gästeankünften und 1991 Übernachtungen." 

So ist das eben mit der Statistik, der man vielleicht doch nicht immer vertrauen sollte. Schließlich ist auch das Weglassen von Informationen nicht unbedingt vertrauensbildend.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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