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Minus 1

Dienstag, 21. Dezember 2004, 11:13 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Hinhaltetaktik der ROSCO-Investorengruppe hält weiter ein. Es gibt eine letzte Erklärungsfrist (siehe nnz-Archiv). Doch die Zeit, die spielt schon lange gegen einen weiteren Einkaufsstandort in Nordhausen.


Die Zeit ist der Faktor, der die Chancen für ein weiteres Einkaufszentrum, eine Schmalspurausgabe der Südharz-Galerie am Pferdemarkt deutlich sinken läßt. Und dabei spielen nach Ansicht von Experten nicht einmal die Namen der Investoren eine Rolle. Es ist einfach die Kaufkraft, der in den Jahren seit 2000 in Deutschland, vor allem aber in den neuen Bundesländern abhanden gekommen ist. Das ist zum einen durch den Bevölkerungsschwund zu begründen, zum anderen durch den realen Einkommensverlust der potentiellen Kunden. Gab es zum Beispiel im Jahr 1997 noch 100.743 Enwohner im Landkreis Nordhausen, so waren es im Jahr 2002 nur noch 97.272. Dem gegenüber stieg jedoch die Verkaufsfläche je Einwohner von 1,36 Quadratmeter auf 1,50 an. Da waren innerhalb von fünf Jahren schlappe 9.000 Quadratmeter hinzugekommen.

All diese Faktoren werden beim Einzelhandel natürlich analysiert, gewertet und fließen in Standortentscheidungen ein. Man ist vorsichtig geworden, einen Verdrängungswettbewerb findet der aufmerksame Beobachter lediglich im Discount-Segment, siehe Aldi gegen Lidl. Doch weder Aldi noch Lidl sollen ja ins Erdgeschoß der künftigen Arkaden in Nordhausen einziehen. Geblieäugelt hatten die Pferdemarkt-Investoren mit „tegut“. Diese Kette hat ebenfalls eine Analyse erstellt und soll nach nnz-Informationen ihren Bedarf nach einem großflächigen Markt gen Null gefahren. Zumindest in Nordhausen.

Die Fachleute, die sich mit Handelsstrukturen beschäftigen, ziehen mehr und mehr eine Linie, die fast wieder identisch mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze ist. Und so gibt es östlich dieser imaginären Linie einfach weniger Geld in den Taschen der Leute als westlich davon. Davon betroffen ist nicht nur der Einzelhandel, sondern zum Beispiel auch der mit Automobilen, wie Helmut Peter vom gleichnamigen Autohaus einst der nnz im Interview bestätigte.

Doch auch die Stimmung im Thüringer Einzelhandel sollte nicht ganz außen vor gelassen werden. Im dritten Quartal dieses Jahres beurteilten 52 Prozent ihre Lage mit befriedigend, 48 Prozent mit schlecht. Gut oder sehr gut ging es entsprechend 0 Prozent. Und die Aussichten für 2005 werden angesichts Hartz & Co nicht besser beurteilt.

Was also tun? Was also tun, falls sich die ROSCO-Gruppe vom Vorhaben am Pferdemarkt zurückzieht? Ein Insider spricht gegenüber der nnz nicht mal von einem Neuanfang bei Null, sondern bei „minus 1“. Der Investor (Name ist der Redaktion bekannt) sei bereit für eine Investition, doch bevor nicht ein klares Signal aus dem Rathaus kommen würde, gäbe es keine Veranlassung aktiv zu werden. Auch dieser Interessent müßte Verhandlungen aufnehmen. Wichtig wären aus seiner Sicht zwei große Märkte für die Arkaden, der „Rest“ ließe sich finden. Doch ohne die Großen wären weitere Verhandlungen zwecklos. Hinzu kommt die Schwierigkeit, einem Miet-Interessenten nach dem Rückzug des einstigen Vermiet-Favoriten den Standort überhaupt noch schmackhaft zu machen. Die Zeit, die seit dem Juli 2000 vergangen ist, die läßt sich nicht mehr zurückholen. Im Gegenteil: Sie arbeitet gegen den Pferdemarkt.
Autor: nnz

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