nnz-online
Peter Blei unterwegs

Wer zu spät kommt...

Sonntag, 29. April 2018, 18:41 Uhr
...den bestraft das Verbotsschild. Nach einigen Jahren wollte Peter Blei einmal wieder nach Ballenstedt zu einen Objekt das viel Geheimnisvolles hat. Es blieb beim wollen. Aber natürlich hat der Fotograf doch einiges Interessantes finden können...

Eine nagelneue Schranke und ein Verbotsschild ließ mich innehalten. Also das ganze Objekt umgehen und zum Hintereingang. Dort war ein nagelneuer Zaun. Dieser war zwar teilweise heruntergerissen, aber ließ in mir doch die Erkenntnis wachsen: hier will keiner mehr Besucher auf dem Grundstück.

Nur einen Steinwurf von dem Objekt ist ein sehr schöner See den ich auch auf meiner Tourplanung hatte. Dort traf ich ein paar Jugendliche die mir erzählten das auf meinen Zielobjekt jetzt Wachschutz und Videokameras präsent seien.

Mein Ziel war die alte "Napola", die "Nationalpolitische Lehranstalt", eine Kaderschmiede der Nazis, oberhalb von Ballenstedt. Das Objekt ist in der Stadt nicht gerade beliebt. Erbaut wurde es zwischen 1934 bis 1936 nach Plänen von Kurt Ehrlich, als Blaupause für weitere ähnliche Objekte. Erst 1943 war der Bau zur Gänze vollendet.


Über 40 solcher "Eliteschulen" gab es zum Ende des Krieges im ganzen Reich. Zu den Aufnahmebedingungen gehörte natürlich ein rein arischer Stammbaum, die Fitness musste stimmen und auch die Schulnoten. Mit militärischem Drill wurde zu absolutem Gehorsam und zur Hingabe für Führer und Reich erzogen. Individualität war dagegen verpönt.

1945 übernahm die Rote Armee den Gebäudekomplex, 1949 zog die SED ein und machte aus der Kaderschmiede der Nazis die Bezirksparteischule der Stadt Halle. Wieder wurden hier junge Menschen unterrichtet, die dem Stadt treu dienen sollte, jetzt natürlich im Sinne vom Marx und Lenin.

In beiden Perioden war der Ziegenberg, auf dem der Gebäudekomplex liegt, immer sehr stark abgeschirmt was zu vielen Spekulationen führte. Zu DDR Zeiten sollte die Stasi hier einen Beobachtungspunkt betrieben haben, der aber nach der Öffnung nicht nachgewiesen werden konnte. Für die Schüler und Lehrer der Einrichtung gab es zu DDR Zeiten unter anderem einen Buchladen, einen Kaffee- und Lebensmittelladen und sogar eine Sauna.

Bis 2005 wurde der Komplex verschiedentlich genutzt, auch eine Ausbildungsstätte der Polizei konnte man sich zuletzt vorstellen. Doch Innenminister Holger Stahlknecht äußerte sich 2017 und erklärte das es für solch eine Nutzung wohl kaum Chancen gebe. Auch einen denkbare Nutzung im Jahr 2022 für einen Landesgartenschau zerplatzte. Vor einiger Zeit drehte Fernsehstar Wigald Boning für die Serie „ Spurensuche an fast vergessenen Orten“ auf dem Gelände.

Um bestimmte Gruppierungen hier keinen Anlaufpunkt zu geben, wird das Grundstück von der Stadtentwicklungsgesellschaft Ballenstedts verwaltet.
Peter Blei
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de