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Fragwürdiger E-Bus-Hype

Mittwoch, 25. April 2018, 06:52 Uhr
"E" heißt der Hype, dem sich Politik und Wirtschaft in Deutschland derzeit verschreiben, nur um von den eigenen kaum bestraften Unterlassungssünden, von Kungelei und Schönfärberei in Sachen NOx-Kraftfahrzeugabgasemissionen abzulenken. Meint Bodo Schwarzberg...


Natürlich könnte der Nordhäuser Kreistag nach der Entscheidung für E-Busse argumentieren, er "hielte ja mit der Technik unserer Zeit", und zugleich mit den ökologischen Herausforderungen der Gegenwart u.s.w. Schritt.

Mir scheint, als machten sich die Kreistagsmitglieder erneut zum Büttel der Wirtschaft, die natürlich angesichts des desolaten, aber auch kaputtgeredeten Dieselimages, nichts Besseres zu tun hat, als ökologisch fragwürdige Abwrackprämien zu schalten und, wie schon so oft in ihrer Werbung, ökologische Fahrzeuge der Spitzenklasse zu versprechen. - Mit der abermaligen Chance, dass sich alle, ja wirklich (fast) alle, wieder beruhigt fühlen.

Dabei wird wie schon seit Beginn der Marktwirtschaft übersehen, dass es hier nicht wirklich um eine Entlastung der Umwelt, sondern nur um ein Auffüllen der jeweiligen Geldsäcke und natürlich des guten Gewissens geht - mit den wissenschaftlich tausendfach bewiesenen, immer fürchterlicheren Folgen für uns alle.

Werden also die Verantwortlichen wirklich alle Faktoren einbeziehen, die entscheidend sind für den Beschluss, nach wie vielen Jahren sich der Neukauf eines Busses ökologisch lohnt?

Werden bei derartigen Entscheidungen beispielsweise auch die gern unter den Tisch fallenden Treibhausgasemissionen berücksichtigt, die bei Herstellung und Entsorgung der neuen bzw. alten Fahrzeuge angefallen sind bzw. anfallen?

Nur wenn all dies, zuzüglich der Emissionen im realen Fahrbetrieb berücksichtigt wird, sollte man eine Entscheidung pro E-Bus treffen. Denn nur weil der Bus ein E-Bus ist, ist er noch lange nicht ökologischer, als sein rein dieselbetriebener Vorgänger. Hat der Kreistag auch einbezogen, dass in Lateinamerika nun bisher naturbelassene Refugien, Salzseen in den Anden, zerstört werden, um die stark steigende Nachfrage nach Lithium für die Akkus der E-Fahrzeuge zu befriedigen? Wohl eher nicht. Aber auch das muss berücksichtigt werden, wenn Politiker die Zukunft von Menschen sichern wollen!

Gegenwärtig steigen die CO2-Emissionen der deutschen Kfz-Flotte übrigens wieder an. Und das in Zeiten des Klimawandels, der uns alle bedroht, und den die Politik angetreten ist, zu bekämpfen: Durch die Neuanschaffung von Bezinern im Zuge der Abschaffung Co2-armer Diesel und der neuen Abwrackprämien und unter dem Strich wohl auch der E-Autos, die ja auch erst einmal produziert werden müssen. Erkennen Sie das Dilemma? Stecken Sie den Kopf nicht in den Sand?Kamen oder kommen die eigentlich entscheidenden Widersprüche in Nordhausen zur Sprache? Wohl kaum.

Der Mensch bildet sich immer noch ein, mit Hilfe von immer neuen Produkten die von ihm verursachte, das gesamte Erdleben bedrohende Situation zu entschärfen. Bisher aber hat Wachstum, wie wir es kennen, langfristig betrachtet, nicht wirklich ein Problem gelöst. Im Gegenteil, wie wir global sehen können und wie es sich auch in der weltweiten Flüchtlingskrise zeigt.
Bodo Schwarzberg
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Autor: red

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