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Wenn die Weltuntergangsuhr tickt

Fünf vor Zwölf Nein, bedrohlicher

Sonnabend, 21. April 2018, 08:46 Uhr
Gerade in Nordhausen, wo das Gedenken an die Luftangriffe am 3./4. April 1945 die sinnlose Zerstörung kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Erinnerung rief, wächst die Sorge vor einer Eskalation in Syrien bis zu einem militärischen Konflikt zwischen Russland und den USA. Ist es fünf Minuten vor Zwölf auf der Weltuntergangsuhr?


Seit 1947 taxieren Atomwissenschaftler das Risiko einer globalen Katastrophe. Oder sind es jetzt nur noch fünf Sekunden? Beim Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump wurde sie auf zweieinhalb Minuten vor Zwölf vorgestellt. Am 18. Januar 2018 rückten die Zeiger noch 30 Sekunden weiter.

Die symbolische Uhr englisch Doomsday Clock oder „Uhr des Jüngsten Gerichts“ ist eine Erfindung von Wissenschaftlern, unter ihnen 17 Nobelpreisträger. Sie spielt auf die Metapher an, es sei fünf Minuten vor Zwölf, wen ein extrem gefährliches Ereignis unmittelbar bevorsteht. Veröffentlicht wird deren Einschätzung im „Berichtsblatt der Atomwissenschaftler“.

Einmal im Jahr, jeweils im Januar, wollen die Experten mit ihrer Veröffentlichung in der amerikanischen Fachzeitschrift (Bulletin of the Atomic Scientists) die Weltöffentlichkeit aufrütteln. Begonnen hatte es 1947 mit der Einstellung sieben vor Zwölf. Über die Kriterien, nach denen die Alarmglocken schrillen, ist nach Darstellung von Wikipedia nichts bekannt.

Während der Kuba-Krise im Herbst 1962 stand die Welt wahrscheinlich bisher am nächsten vor einem Atomkrieg. Bei der nächsten Bewertung war die brisante Lage wieder entspannt. US-Präsident John F. Kennedy hatte ohne einen Schuss die Sowjetunion dazu gebracht, ihre Amerika bedrohenden Raketen von der Karibik-Insel abzuziehen.

„Die Zeiger sind 64 Jahre nicht näher an Mitternacht gewesen“, sagte das Vorstandsmitglied Lawrence Krauss der Wissenschaftler-Vereinigung im Januar. Den Stand „Zwei vor Zwölf“ hatten sie 1953 nach den ersten Wasserstoff-bomben-Tests angezeigt. Nach dem Fall der Berliner war die „Untergangsuhr“ dann 1990 auf 17 Minuten zurückgestellt worden.

Nach dem Urteil der Wissenschaftler besteht heute ein höheres Risiko für einen Atomkrieg als im riskantesten Jahr des Kalten Krieges zwischen den Großmächten in 1984, als die Uhr „Drei vor Zwölf“ anzeigte. Anlass dafür ist die Moder-nisierung der nuklearen Waffen in Ost und West und das Säbelrasseln von Trump, Putin und des Diktators Nordkoreas.

Die Auseinandersetzungen zwischen Russland und den USA (wegen Syrien, der Annexion der Krim durch Russland und deren Einmischung in der Ukraine) erinnern zunehmend an die dunkelsten Zeiten des Kalten Krieges. Gegenwärtig kommt es zu keinen weiteren Abrüstungsverhandlungen, und der US-Präsident schließt den Einsatz von Atomwaffen im Notfall nicht aus.

In Nordhausen wird man sich gern an ein Martin Luther zugeschriebenes Zitat voller Optimismus erinnern: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Der Reformator weilte wenigstens zweimal in der damals Freien Reichsstadt im Südharz, in der schon frühzeitig protestantische Predigten gehalten wurden.
Manfred Neuber
Autor: red

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