nnz-online

Entscheidungen

Donnerstag, 16. Dezember 2004, 13:31 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Projekt „Pferdemarkt“ wird vermutlich auf Eis gelegt. Damit geht der neuen Mitte in Nordhausen ein wesentlicher Baustein temporär verloren. Eine kurze Bestandsaufnahme gibt es mit einem einzigen Klick.


Es waren die Mitglieder des vergangenen Stadtrates, die im Jahr 2003 einem Investor den Zuschlag gaben, der in Nordhausen nicht unbekannt ist. Dennis Rossing und die von ihm vertretene ROSCO-Gruppe hatten mit der Südharz-Galerie und der Galerie am Schloßberg in Sondershausen ihre Duftmarken in der Region hinterlassen. Das war einmal. In der Südharz-Galerie wechseln die Mieter beständig. Das ist eigenltich nicht so schlimm, es schafft Abwechslung, charakterisiert aber den derzeitigen Markt-Zustand.

Nun wollte Rossing das Konzept in der Nordhäuser Mitte fortsetzen, gewollt war das in erster Linie auch von der Stadtverwaltung. Das ist nachvollziehbar, letztlich wußte man, mit wem man es zu tun hatte. Doch bereits im Jahr 2003 gab es warnende Stimmen (siehe nnz-Archiv). Die befürchteten, daß der Investor seine zweite Investition nicht mit der gegebenen Intensität vorantreibe. Immer wieder wurden Varianten diskutiert, immer wieder wurden auch die Wohnungsunternehmen, deren Wohnungen dem Glaspalast im Wege standen, hingehalten. Vertragsentwürfe wurden monatelang hin- und hergeschickt. Unterschrieben ist bislang keiner.

Jetzt sickert so langsam durch, daß vermutlich morgen das Projekt „Altstadt-Arkaden“ in Bad Hersfeld zu Grabe getragen wird. Begründet wird das mit dem sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfeld. Es gebe kaum noch Interesse an Ansiedlungen. Dem steht jedoch entgegen, daß es gerade im Einzelhandelsbereich einen nach wie vor großen Verdrängungswettbewerb gebe. Da sind selbst Städte in der Nordhäuser Größenordnung begehrte Ziele der einschlägigen Ketten. Doch warum sollte dieser Verdrängungswettbewerb gerade innerhalb einer Vermietergruppe an einem Ort stattfinden?

Der Kunde ist eben nur einmal vorhanden. Die neue Galerie in der Nordhäuser Mitte hätte wohl kaum mehr Kunden nach Nordhausen gelockt, als es jetzt schon die Südharz-Galerie tut. Und man hätte wohl kaum erwarten können, daß am Pferdemarkt ein grundlegend anderes Sortiment angeboten wird, als es am Bahnhof schon vorhanden ist. Hier wie da ein „Kleider-Geschäft“, ein Dogeriemarkt, ein Elektromarkt, ein SB-Markt für Lebensmittel (statt Herkules tegut) und hier wie da die anderen Ketten.

Nordhausen ist nun mal nicht Braunschweig, Erfurt oder Kassel, die Kundenzahl ist kleiner und: endlich. Das haben jetzt vermutlich auch die Verantwortlichen in Bad Hersfeld erkannt. Vielleicht werden sie nach ihrer morgigen Beratung auch nicht ganz absagen? Vielleicht werden sie mit einer abgespeckten Variante aufwarten? Vielleicht werden sie weiter vertrösten?

Dann sollte jedoch die Stadtverwaltung am Zug sein. Dann muß klar gesagt werden, wie es mit dem häßlichen Gebäude weitergehen soll. Oder vielleicht gibt es einen anderen Investor, dem die wirtschaftlichen Gegebenheiten keinen Strich durch die Rechnung machen. Die Halbheiten sollten ein Ende haben.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de