SPEKTAKEL AN DER HELME
Mutig in den eiskalten Fluss
Montag, 09. April 2018, 10:32 Uhr
Am Ufer der Helme steht eine Gruppe bunt gekleideter Leute. Männer, Frauen, Kinder. Junge Mädchen in einem Kostüm. Wie Tanzmädchen vom Karneval. Ein Mann mit Narrenkappe. Eine kräftige Gestalt: Perücke, lappiges Kleid bis zu den Füßen, lange Zöpfe...
Spektakel an der Helme (Foto: Kurt Frank)
Günzerode. Barfüßig und bedächtig schreitet die Gesellschaft das Ufer hinab. Die Mutigsten, wenn auch zögernd, halten ihre nackten Füße in das Wasser. Wau. Andere machen sich erst einmal Mut. Mit einem Schluck aus einer Flasche. Schließlich wagen es alle. Auch die jungen Mädchen. Ist das albern, witzig, skurril?
Es ist der reine Spaßfaktor, klärt Frank Micheel auf. Er, Präsident des Günzeröder Karnevalsvereins (GCV), hat die Zeremonie mit seiner Frau organisiert. Eisbach-Challenge nennen sie es. Auch als Coldwater-Grillchallenge ist sie bekannt. Aus anfänglichen plätschernden Anfängen wurde eine Welle, die mittlerweile auch den Südharz erfasste. Den neuerlichen spaßigen Auferstehungen liegt wohl die Ice-Bucket-Challenge zugrunde. Eiswasser wie damals über den Kopf zu schütten braucht es diesmal nicht.
Voraussetzung für eine Challange ist eine Nominierung, meint Micheel. Davor sind derzeit weder Vereine noch Blaskapellen sicher. Selbst bis zur Feuerwehr schwappt es. Nominiert hat den GCV am 4. April der Wülfingeröder Karneval (Zeinsbockrode Meck, Meck, Meck).
Wird die damit verbundene Aufgabe – Füße im kalten Wasser und ein Lied singen – nicht erfüllt, müssen die Versager blechen: Ein 30-Liter-Bierfass, Sekt und Bratwürste wären für das Sommerfest in Wülfingerode fällig gewesen. Aber Günzerode bestand. Mit Bravour. Als Beweis wird ein Video ins Internet auf Facebook gestellt. Ob See, Bach, Fluss oder Überschwemmungen, bleibt der Fantasie für die Mutprobe der Beteiligten überlassen.
Die Günzeröder Karnevalisten nominierten ihrerseits Ellrich, Salza, Lipprechterode und als Zusatz den Sportklub Hesserode. Und hoffen, dass es da einen Versager gibt, der für Speisen und Getränke ihres Sommerfestes am 2. Juni aufkommt.
Mutig waren auch die Tanzmädchen Celin Faupel, 17 Jahre alt, und die 19-jährige Lysann Uroitsch. Nadine Wernecke, die 20-Jährige, wagte es auch: mit Gummistiefel. Mike Heinemann, verkleidet als die Frau mit langen Zöpfen, meinte das kalte Wasser täte der Durchblutung gut. Der Mann, den GCV angehörend, kam aus Bartolfelde.
In den kalten Fluss steigen wollte auch Erika Hoyer, mit 81 Jahren das älteste Vereinsmitglied. Die wollten mich einfach nicht in das Wasser lassen, hatten Angst, ich kippe um, bedauerte sie. Voller Überzeugung, aus dem Herzen kommend, sang sie ein Lied, in dem es unter anderem heißt: Wir sind ja nicht vom Necker, wir sind auch nicht vom Rhein. Wir sind Günzeröder und wollen es immer sein. Wir trinken gerne Rotwein, auch Weißwein trinken wir, am liebsten aber Boonekamp.
1958 von Arthur Spieß gegründet, zählt der Karnevalverein derzeit 41 aktive Mitglieder - viele von ihnen kommen aus umliegenden Orten -, acht passive und sieben Ehrenmitglieder. Mit der Saisoneröffnung am 11.11.2017, 11.11 Uhr, und der Schlüsselübergabe vom Ortsteilbürgermeister Gerold Reinhardt an Präsident Frank Micheel erfolgte der Start in die 60. Saison.
Der GVC ist heute das gesellschaftliche Highlight des kleinen Dorfes. Akribisch bereitet sich der Verein auf kommende Auftritte vor. Viel versprechend ist das Programm: mit Büttenreden, Zwiegespräch, Showtänzen, Elferrat, Männerballett.
Leider war die gestrige Zeremonie den Einwohnern weitgehend unbekannt. Zahlreich wären sie bestimmt gekommen, hätten sie es gewusst.
Kurt Frank
Autor: red
Spektakel an der Helme (Foto: Kurt Frank)
Günzerode. Barfüßig und bedächtig schreitet die Gesellschaft das Ufer hinab. Die Mutigsten, wenn auch zögernd, halten ihre nackten Füße in das Wasser. Wau. Andere machen sich erst einmal Mut. Mit einem Schluck aus einer Flasche. Schließlich wagen es alle. Auch die jungen Mädchen. Ist das albern, witzig, skurril?
Es ist der reine Spaßfaktor, klärt Frank Micheel auf. Er, Präsident des Günzeröder Karnevalsvereins (GCV), hat die Zeremonie mit seiner Frau organisiert. Eisbach-Challenge nennen sie es. Auch als Coldwater-Grillchallenge ist sie bekannt. Aus anfänglichen plätschernden Anfängen wurde eine Welle, die mittlerweile auch den Südharz erfasste. Den neuerlichen spaßigen Auferstehungen liegt wohl die Ice-Bucket-Challenge zugrunde. Eiswasser wie damals über den Kopf zu schütten braucht es diesmal nicht.
Voraussetzung für eine Challange ist eine Nominierung, meint Micheel. Davor sind derzeit weder Vereine noch Blaskapellen sicher. Selbst bis zur Feuerwehr schwappt es. Nominiert hat den GCV am 4. April der Wülfingeröder Karneval (Zeinsbockrode Meck, Meck, Meck).
Wird die damit verbundene Aufgabe – Füße im kalten Wasser und ein Lied singen – nicht erfüllt, müssen die Versager blechen: Ein 30-Liter-Bierfass, Sekt und Bratwürste wären für das Sommerfest in Wülfingerode fällig gewesen. Aber Günzerode bestand. Mit Bravour. Als Beweis wird ein Video ins Internet auf Facebook gestellt. Ob See, Bach, Fluss oder Überschwemmungen, bleibt der Fantasie für die Mutprobe der Beteiligten überlassen.
Die Günzeröder Karnevalisten nominierten ihrerseits Ellrich, Salza, Lipprechterode und als Zusatz den Sportklub Hesserode. Und hoffen, dass es da einen Versager gibt, der für Speisen und Getränke ihres Sommerfestes am 2. Juni aufkommt.
Mutig waren auch die Tanzmädchen Celin Faupel, 17 Jahre alt, und die 19-jährige Lysann Uroitsch. Nadine Wernecke, die 20-Jährige, wagte es auch: mit Gummistiefel. Mike Heinemann, verkleidet als die Frau mit langen Zöpfen, meinte das kalte Wasser täte der Durchblutung gut. Der Mann, den GCV angehörend, kam aus Bartolfelde.
In den kalten Fluss steigen wollte auch Erika Hoyer, mit 81 Jahren das älteste Vereinsmitglied. Die wollten mich einfach nicht in das Wasser lassen, hatten Angst, ich kippe um, bedauerte sie. Voller Überzeugung, aus dem Herzen kommend, sang sie ein Lied, in dem es unter anderem heißt: Wir sind ja nicht vom Necker, wir sind auch nicht vom Rhein. Wir sind Günzeröder und wollen es immer sein. Wir trinken gerne Rotwein, auch Weißwein trinken wir, am liebsten aber Boonekamp.
1958 von Arthur Spieß gegründet, zählt der Karnevalverein derzeit 41 aktive Mitglieder - viele von ihnen kommen aus umliegenden Orten -, acht passive und sieben Ehrenmitglieder. Mit der Saisoneröffnung am 11.11.2017, 11.11 Uhr, und der Schlüsselübergabe vom Ortsteilbürgermeister Gerold Reinhardt an Präsident Frank Micheel erfolgte der Start in die 60. Saison.
Der GVC ist heute das gesellschaftliche Highlight des kleinen Dorfes. Akribisch bereitet sich der Verein auf kommende Auftritte vor. Viel versprechend ist das Programm: mit Büttenreden, Zwiegespräch, Showtänzen, Elferrat, Männerballett.
Leider war die gestrige Zeremonie den Einwohnern weitgehend unbekannt. Zahlreich wären sie bestimmt gekommen, hätten sie es gewusst.
Kurt Frank














