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DER BÜRGERMEISTER IST EHRENAMTLICH VIELSEITIG TÄTIG

Schlichting, der Allroundman

Samstag, 31. März 2018, 07:00 Uhr
Auf einer Anhöhe bei Mauderode stehend, blickt Jens Schlichting auf sein Heimatdorf Guderleben. Seit 24 Jahren ist er der Bürgermeister des Dorfes mit seinen 236 Einwohnern. Der 55-Jährige ist neben dem Amt noch vielseitig ehrenamtlich tätig. Ohne zu übertreiben: Ein Allroundman...

Jens Schlichtung (Foto: Kurt Frank) Jens Schlichtung (Foto: Kurt Frank)
Gudersleben. Gelernt hat Schlichting Bäcker, den elterlichen Betrieb übernommen, seinen Meister gemacht. Bis 1990 war das so. Danach folgte ein Außendienst in einem Nestlé-Tochterunternehmen. Bis zu jenem schrecklichen Tag des Jahres 2002. Er sollte sein Leben verändern. Der Mann stürzte vom Gerüst. Schwere Knochenbrüche. Krankheit. Berufsunfähigkeit. Mit 39 Jahren.

Daheim im Garten sitzen, sich von der Sonne bescheinen lassen oder spazieren gehen? Das würde sein Leben nicht ausfüllen. Das wusste er. Voller Erwartungen hatten ihn doch die Einwohner 1994 zum Bürgermeister gewählt. Mit Visionen im Kopf trat er an, freute sich über Erfolge. Im Ehrenamt sah er die gute Möglichkeit, seinem Leben neuen Mut und Inhalt zu geben. Jens Schlichting blieb Dorfchef.

Aus den Worten des Bürgermeisters schwingt Stolz, wenn er auf seinen geliebten Ort zu reden kommt. Er nennt die Dorferneuerung. Die Sanierung der Ortsstraße, flankiert von Bürgersteigen. Neue Leitungen für Ver- und Entsorgung kamen in die Erde. Keiner im Ort rümpft heute mehr die Nase ob übel riechender Abwässer, die einst als Rinnsale die Straße zierten. Der Dorfchef erwähnt den Roten Platz mit den Spielgeräten für Kinder. Der alte LPG-Schuppen war gestern. Überhaupt macht das Dorf was her. Vergleichbar mit dem hässlichen Entlein, das sich zum stolzen Schwan entwickelte.

Die Gaststätte „Zur Linde“ war jahrelang dicht. Jetzt ist das Objekt das gesellschaftliche Dorfzentrum. Es nennt sich „Lindengut“. Welch ein Glück: Jens Schlichting und der Horizont-Vereins-Geschäftsführer Rene Kübler sind Schulfreunde. Man traf sich. Ein Thema: Objekt altes Gasthaus. Leerstand oder Belebung? Das war die Frage. Letztlich stand die Zusage Küblers, es aufzumotzen.

„Lindengut“ hat heute einen Saal mit 100 Plätzen. Moderne Toiletten. Eine kleine Küche. Einen behindertengerechten Zugang. Es ist Zentrum für Dorffeste, Familienfeiern, Jahreshauptversammlungen der Feuerwehr oder der Jagdgenossenschaft. Im September des Vorjahres spielte sich hier das Geschehen anlässlich der 1090-Jahr-Feier des Ortes ab.

Wie der Bürgermeister über sein Leben, die fruchtbringende Zusammenarbeit mit dem Ortschaftsrat, vor allem aber über seine Gemeinde erzählt, macht ihn sympathisch. Ihn freue es besonders, wenn auch junge Familien im kleinen Gudersleben ihren Lebensmittelpunkt finden, hier und nicht anderswo Wurzeln schlagen, ihre Grundstücke tipptopp herrichten.

Überhaupt seien die Leute auf Ordnung und Sauberkeit bedacht. Das habe sich kürzlich erst beim Frühjahrsputz wieder anschaulich gezeigt. Sprechstunden im Amt an bestimmten Tagen in der Woche, wie das anderswo gehandhabt werde, halte er nicht. Seine Haustür stehe für jeden, der ein Anliegen habe, offen. Jeden Tag.

Jens Schlichting müsste ein rundum zufriedener Mensch sein. Zufrieden sei er schon, aber nicht rundum. So sei ein Handy-Empfang im Ort nicht möglich. Man müsse erst auf eine Anhöhe steigen, um das zu ermöglichen. Erst hohe Empfangsmasten schafften Abhilfe. Zudem wünsche er sich ein schnelles Internet. Er hoffe, dass dem Koalitionsvertrag der Groko, der alles Mögliche verspricht, auch Taten folgen.

Der Freundlichkeit, Ruhe und Besonnenheit, die Jens Schlichting ausstrahlt, ist es wohl zuzuschreiben, dass er allenthalben gefragt ist: im Vorstand der Kreisjägerschaft, wo er als Schriftführer fungiert. Als sachkundiger Reiseleiter und Erzähler bei Brauer-Reisen. Im Ellricher Stadtrat. Im Vorstand der Ellricher Stadt-SPD. Als Fleischbeschauer. In Gudersleben.

„Unser Bürgermeister macht seine Sache gut. Ich wohne gern hier. Ein schmuckes Dorf, eine wunderschöne Gegend“, meint wie zur Bestätigung Gerd Ritscher. Gern ist der Senior mit dem Fotoapparat in Wald und Flur unterwegs, fängt ein, was die Natur so bietet. Unser Weg führt zur Kirche. Die Jahreszahl 1843 über dem Eingang deute nur auf eine spätere Sanierung hin. 1735 sei ein Umbau erfolgt, weiß Ritscher. Das Gotteshaus sei uralt. Zusammen mit Bernd Klapproth habe Gerd Ritscher das Umfeld der Kirche verschönert, lobt Schlichting die fleißigen Einwohner.

Wenn dem Bürgermeister hin und wider nach Entspannung zumute ist, schultert er die Flinte. Geht zur Jagd. Auf Keiler, Bache, Reh und Bock. Im Buchenwald Günzeröder Hagen. Da könne er abschalten, sei doch im Alltag nicht alles eitlen Sonnenscheins. Als Vorstandsmitglied der Kreisjägerschaft betreue er mit anderen Weidmännern das Infomobil. Christian Büchting aus Auleben habe sich um die Beschaffung sehr bemüht.

Zu sehen sind unter anderem präparierte Tiere der Heimat. Im Vorjahr vielerorts im Einsatz, vermittelte es Einblicke über Wild, Natur und Jagd. Gegen Letzteres gibt es viele Vorbehalte. Die wolle man mit dem Infomobil abbauen helfen.
Kurt Frank
Autor: red

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