nnz-online

Einfach mal Spaß

Samstag, 04. Dezember 2004, 12:44 Uhr
Nordhausen (nnz). Seit dem Freitag tanzt und heiratet sich die „lustige Witwe“ nun auch über die Nordhäuser Ball-Bühne. Die nnz hat sich die Premiere am Freitagabend angesehen und so manche Veränderung im Musentempel entdeckt.


Einfach mal Spaß (Foto: nnz) Einfach mal Spaß (Foto: nnz)

Ich gebe es zu, es war das erste Mal unter der neuen Intendanz, da ich ins Theater zu einer Premiere ging. Operetten sind nicht so mein Ding, doch ich muß gestehen, ich war einigermaßen überrascht. Nicht über das, was auf der Bühne abging, sondern was sich an diversen Nebensächlichkeiten darbot.

Da befindet sich eine Theke im Erdgeschoß, die Parkett-Insassen müssen sich also nicht mehr nach oben in Richtung Foyer quälen. Da steht Lars Tietje, der neue Intendant, im Eingangsbereich und begrüßt die Premierengäste – nicht als Pflicht, sondern als Kür im Vorgeschmack eines kulturvollen Abend. Und da ist auch ein Bücherstand. Dahinter Familie Erhardt vom Theater-Förderverein. Sie bringen Bücher und anderen Medien an den Mann und natürlich an die Frau. Die passen thematisch zum Stoff, aus dem die „Witwe“ gemacht ist, das Buchhaus Rose hat die Vorauswahl getroffen. Auch hier spiegelt sich die neue Machart, das neue Verständnis von Theater in Nordhausen wider. Vieles galt bislang an nicht machbar.

Machbar sollte auch sein, dass sich vielleicht einmal Stadträte im Nordhäuser Theater blicken lassen. Ich meine nicht die, die diese Stätte regelmäßig besuchen. Man kann sie an einer Hand abzählen. Auch die Theater-Fremden sollten sich nicht nur davon überzeugen, wofür sie das Geld pro Jahr locker machen. Sie sollten vielleicht mit einem Besuch dem Ensemble und seinen Chefs mal zeigen, dass sie sich mit dem Theater und seiner gewiß nicht leichten Zukunft identifizieren.

Denen, die am Freitagabend nicht klatschten konnten, denen kann ich sagen: Sie haben zum guten Schluß dann doch richtig Spaß gehabt und sie hätten garantiert einige falsche Töne entschuldigt. Die Akteure auf der Bühne und im Orchestergraben hatten ihr Bestes gegeben, hatten das umgesetzt, was Holger Pototzki und Joseph R. Olefirowicz ihnen vorgaben. Und die alle zusammen hatten richtigen Spaß. Wann hat man das schon mal im Nordhäuser Musentempel gesehen, dass der Dirigent auf der Bühne stand und quasi als Zugabe das Loh-Orchester im Graben dirigiert und so nebenbei das Publikum noch zum Klatschen animiert.

Sicher, mit der Lehar-Operette kann man nicht viel falsch machen. Man kann sie nur ein wenig aufpeppen und sei es durch Taucherbrillen und Schnorchel am Kopf von Pascal Hufschmid. Und trotzdem wurde erreicht, was eine Operette erreichen soll: Einfach mal Spaß gehabt!
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de