Ein Abend mit Christoph Nix
Muzungu!
Mittwoch, 21. Februar 2018, 12:00 Uhr
Februar 1986, in Stockholm wird der schwedische Ministerpräsident Olof Palme ermordet. Kurz darauf wird auch die Aktivistin Liv Utstedt tot aufgefunden, in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Die Kommissare Momba und Oanda werden auf den Fall angesetzt. Die Hälfte dieser Geschichte ist ausgedacht, aufgeschrieben hat sie Christoph Nix, ehemaliger Intendant des Nordhäuser Theaters. Gestern war er wieder an seiner alten Wirkstätte zu Besuch...
Christoph Nix stellte im Theaterrestaurant Da Capo sein neues Buch vor (Foto: Angelo Glashagel)
Christoph Nix ist ein "enfant terrible", ein kreativer Querkopf, ehemaliger Theaterintendant, gelernter und gelegentlich noch praktizierender Jurist, politischer Aktivist, Clown und auch Schriftsteller. "Keine Intendanz ohne Konflikt", scherzt Nix gestern Abend im Theaterrestaurant "Da Capo": leicht hatte man es mit ihm nicht in Nordhausen, nach nur fünf Jahren verließ Nix 1999 den Südharz wieder und trotzdem hat der ehemalige Intendant unter den Nordhäusern noch viele Freunde und Bewunderer.
"Ich habe viel Dankbarkeit ihnen allen gegenüber", sagt Nix, Nordhausen habe ihm viel gegeben, hier habe er üben können. Insofern war die Lesung seines ersten Kriminalromans am gestrigen Abend nicht einfach ein weiterer Stopp auf einer Marketingtour durch das Land. "Ohne Nordhausen hätte ich Afrika nicht für mich entdeckt", sagt Nix. Aus dem Südharz verschlug es den Künstler nach Afrika, nach Uganda und es hat ihn nicht wieder losgelassen. In Togo, Malawi und Burundi ist Nix inzwischen engagiert, tut das was er am besten kann: Theater inszenieren. "Kultur ist etwas das wir uns schenken können", sagt Nix.
Seine Besuche im Herzen des Kontinents gaben auch die Inspiration für "Muzungu", Nix's Krimigeschichte. Uganda 1986: der Schrecken den Idi Amin, den der "Schlächter von Afrika" verbreitet hat ist endlich Vergangenheit, ein neuer Mann steht an der Spitze des Landes, es riecht nach Veränderung. Es geht voran, aber langsam. Momba und Oanda sind eigentlich Soldaten. Zu Essen haben sie zu wenig, Geld gar keines. Nachdem man im Haus des schwedischen Kulturattachés die Leiche der Ärztin Liv Utstedt gefunden wird, werden die beiden Männer unwillentlich zu Kommissaren und müssen im Leben einer Fremden nach den richtigen Spuren suchen.
Die Mordermittlung des Duos verbindet Nix mit einem Einblick in das Leben der neuen Staatsspitze, die allerdings bewusst fiktiv gehalten wurde. Der Mann, der 1986 tatsächlich die Macht in Uganda übernahm, führt den Staat bis heute. Das kleine Land setzt Nix so in den Kontext der weiten Welt, "alles hängt mit allem zusammen", sagt Buchhändler Dietrich Rose, der zusammen mit Nix gestern das Buch besprach. "Muzungu" sei auch ein Stück weit Sachbuch. Es geht um Macht und Korruption, Aids und die Stellung der Homosexuellen in Zentralafrika um Kindersoldaten, den Einfluss radikal evangelikaler Kräfte und das Porträt eines Landes und seiner Menschen.
Doch was wäre ein Abend mit einem ehemaligen Intendanten, wenn nicht auch über das Theater selbst gesprochen würde? Man müsse wertschätzen, was Nordhausen und Thüringen schulterten, gerade im Vergleich zum reichen Baden-Württemberg, meinte Nix der heute Intendant des Theaters Konstanz ist. "Ein Theater gibt einer Stadt Selbstwertgefühl", es wäre schön, wenn man Nordhausen das Schauspiel zurückgeben würde, selbst in abgespeckter Form. Das hatte Nix schon zur 100 Jahr Feier gesagt und donnernden Applaus geerntet. Gestern war das nicht anders. Die Menschen, so scheint es, haben Lust auf ihr Theater. Zumindest diejenigen, die gestern Abend im Da Capo waren.
Angelo Glashagel
Autor: red
Christoph Nix stellte im Theaterrestaurant Da Capo sein neues Buch vor (Foto: Angelo Glashagel)
Christoph Nix ist ein "enfant terrible", ein kreativer Querkopf, ehemaliger Theaterintendant, gelernter und gelegentlich noch praktizierender Jurist, politischer Aktivist, Clown und auch Schriftsteller. "Keine Intendanz ohne Konflikt", scherzt Nix gestern Abend im Theaterrestaurant "Da Capo": leicht hatte man es mit ihm nicht in Nordhausen, nach nur fünf Jahren verließ Nix 1999 den Südharz wieder und trotzdem hat der ehemalige Intendant unter den Nordhäusern noch viele Freunde und Bewunderer.
"Ich habe viel Dankbarkeit ihnen allen gegenüber", sagt Nix, Nordhausen habe ihm viel gegeben, hier habe er üben können. Insofern war die Lesung seines ersten Kriminalromans am gestrigen Abend nicht einfach ein weiterer Stopp auf einer Marketingtour durch das Land. "Ohne Nordhausen hätte ich Afrika nicht für mich entdeckt", sagt Nix. Aus dem Südharz verschlug es den Künstler nach Afrika, nach Uganda und es hat ihn nicht wieder losgelassen. In Togo, Malawi und Burundi ist Nix inzwischen engagiert, tut das was er am besten kann: Theater inszenieren. "Kultur ist etwas das wir uns schenken können", sagt Nix.
Seine Besuche im Herzen des Kontinents gaben auch die Inspiration für "Muzungu", Nix's Krimigeschichte. Uganda 1986: der Schrecken den Idi Amin, den der "Schlächter von Afrika" verbreitet hat ist endlich Vergangenheit, ein neuer Mann steht an der Spitze des Landes, es riecht nach Veränderung. Es geht voran, aber langsam. Momba und Oanda sind eigentlich Soldaten. Zu Essen haben sie zu wenig, Geld gar keines. Nachdem man im Haus des schwedischen Kulturattachés die Leiche der Ärztin Liv Utstedt gefunden wird, werden die beiden Männer unwillentlich zu Kommissaren und müssen im Leben einer Fremden nach den richtigen Spuren suchen.
Die Mordermittlung des Duos verbindet Nix mit einem Einblick in das Leben der neuen Staatsspitze, die allerdings bewusst fiktiv gehalten wurde. Der Mann, der 1986 tatsächlich die Macht in Uganda übernahm, führt den Staat bis heute. Das kleine Land setzt Nix so in den Kontext der weiten Welt, "alles hängt mit allem zusammen", sagt Buchhändler Dietrich Rose, der zusammen mit Nix gestern das Buch besprach. "Muzungu" sei auch ein Stück weit Sachbuch. Es geht um Macht und Korruption, Aids und die Stellung der Homosexuellen in Zentralafrika um Kindersoldaten, den Einfluss radikal evangelikaler Kräfte und das Porträt eines Landes und seiner Menschen.
Doch was wäre ein Abend mit einem ehemaligen Intendanten, wenn nicht auch über das Theater selbst gesprochen würde? Man müsse wertschätzen, was Nordhausen und Thüringen schulterten, gerade im Vergleich zum reichen Baden-Württemberg, meinte Nix der heute Intendant des Theaters Konstanz ist. "Ein Theater gibt einer Stadt Selbstwertgefühl", es wäre schön, wenn man Nordhausen das Schauspiel zurückgeben würde, selbst in abgespeckter Form. Das hatte Nix schon zur 100 Jahr Feier gesagt und donnernden Applaus geerntet. Gestern war das nicht anders. Die Menschen, so scheint es, haben Lust auf ihr Theater. Zumindest diejenigen, die gestern Abend im Da Capo waren.
Angelo Glashagel

