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Zwei Nachrichten

Donnerstag, 25. November 2004, 09:55 Uhr
Nordhausen (nnz). Zwei Nachrichten kommen in diesen Tagen von der Südharzstrecke. So soll Anfang Dezember die Sanierung zwischen Ellrich und Walkenried beginnen. Das ist die gute Nachricht. Und die schlechte...


"Kaum ist der Vertrag zur Weiterentwicklung des Harz-Weser-Netzes unter Dach und Fach, arbeitet DB Regio bereits wieder an der Vergraulung von Fahrgästen." Michael Reinboth, Sprecher der Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz", ist nach dem Studium der Fahrpläne für den Schienenersatzverkehr während der Bauarbeiten zwischen Ellrich und Walkenried stinksauer auf diesen Zweig der Deutschen Bahn. Grund: Die Fahr- und Umsteigezeiten sind derart überdehnt, dass auf der westlichen Seite der Strecke in Herzberg, Northeim und Göttingen zahlreiche Anschlüsse in die Brüche gehen.

Die Fahrzeiten der Busse sind zwischen Ellrich und Walkenried so bemessen, dass man laut Reinboth "das auch mit dem Fahrrad bequem schaffen kann". Die bittere Folge: Die Züge von Walkenried nach Göttingen erhalten eine rund 10 Minuten spätere Abfahrt, und die Anschlüsse nach Osterode sowie in Göttingen nach Kassel bzw. Frankfurt sind dahin. Bei den bisher von Erfurt kommenden Zügen wird in Northeim der IC nach Karlsruhe gemäss den bahneigenen Richtlinien auch nicht mehr erreicht, der nach Hannover mit Mühe. Pendler nach Göttingen, die eigentlich mit dem neuen Konzept gehalten und gewonnen werden sollen, werden zunächst einmal vor den Kopf gestoßen.

"Kurz vor der Umstellung auf das neue Konzept, welches die Kreisstadt Osterode besser erreichbar machen soll, wird sie jetzt erst einmal abgehängt. Und Fernreisende werden auch einige böse Überraschungen erleben" so der Sprecher der Initiative weiter.

Ersatzverkehr möglicherweise monatelang?
In den vergangenen Fahrplanperioden gelang es der Bahn wesentlich besser, auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen. "Nicht ein einziges Mal wurden die Anschlüsse in Northeim oder Göttingen gefährdet, selbst dann nicht, wenn von Nordhausen durchgehend Bus bis Walkenried gefahren werden musste. Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, weshalb die Bahn ohne Not jetzt solche Böcke schießt" meint Reinboth, der zudem noch auf folgenden sich abzeichnenden Missstand hinweist: Die Arbeiten sind für den 2. bis 11. Dezember geplant ("zielsicher in der Zeit des größten Aufkommens wegen der Weihnachtsmärkte, aber das kennen wir schon"). Um diese Jahreszeit herrsche, so der Sprecher, "am Harzrand auch schon mal der Winter". Und bei Schnee oder starkem Frost sei absehbar, dass die Bauarbeiten für Tage, Wochen und im schlimmsten Fall sogar Monate unterbrochen werden müssen. "Und dann fahren wir nicht mit einem verbesserten, sondern dank der Planungskünste der DB Regio mit dem schlechtesten Fahrplan des letzten Jahrzehnts in die Zukunft des Schienenverkehrs am Südharz hinein".

Die Initiative hat die Bestellorganisationen LNVG und NVS auf diesen Umstand und auf den extrem schlechten Fahrplan des Ersatzverkehrs hingewiesen und setzt darauf, dass von dieser Seite Druck auf die Bahn gemacht wird, um zum einen den Fahrplan noch zu kippen und zum anderen die Bauarbeiten auf jeden Fall bis zum 11. Dezember abzuschließen.

Denn, so meint man bei "Höchste Eisenbahn", wenn schon partout am Gebirgsrand mitten im Winter gebaut werden soll, dann müsse man eben dafür sorgen, dass es auch bei Schneefall weitergeht - oder es lieber lassen und auf das Frühjahr verschieben.
Autor: nnz

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