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Nordhäuser beeindruckt

Montag, 15. November 2004, 19:58 Uhr
Nordhäuser beeindruckt (Foto: nnz) Nordhäuser beeindruckt (Foto: nnz) Nordhausen (nnz). In der vergangenen Woche wurde in der polnischen Partnerstadt Ostrow gefeiert. 600 Jahre hat die Stadt auf dem Buckel. Was eine Nordhäuser Delegation erlebte, das erfahren Sie mit einem Klick auf MEHR.


„In Ostrów wird richtig Dampf gemacht – allerdings nicht zum Pfeifen, sondern um etwas zu bewegen. Ich bin beeindruckt von der Tatkraft und dem Optimismus, den wir in Polen erlebt haben“, sagte Nordhausens Bürgermeister Klaus Wahlbuhl nach dem Besuch einer Nordhäuser Delegation in der Partnerstadt Ostrów-Wielkopolski. Zu Gast waren auch Vertreter aus Delitzsch – der zweiten Ostrówer Partnerstadt. Anlass des Besuches, der am Samstag nach drei Tagen zu Ende ging, war zum einen die Einladung aus Ostròw zum Abschluss der Feiern zum 600-jährigen Stadtjubiläum und zum polnischen Unabhängigkeitstag am 10. November, sowie zum anderen die Teilnahme am EU-Projekt „Städtepartnerschaften in Europa und kommunale Unternehmen“. Darüber hinaus hat Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose mit ihrem polnischen Amtskollegen Verabredungen für künftige gemeinsame Veranstaltungen bzw. Austausche auf sportlichem, schulischem und kulturellem Gebiet getroffen.

„Ich bin beeindruckt, was die polnischen Partner schon alles geschafft haben – sie sind auf einem technisch imposanten Stand“, sagte Mathias Hartung, Geschäftsführer der Nordhäuser Stadtwerke-Holding. Er hatte Struktur und Geschäftsfelder der Nordhäuser Stadtwerke-Holding vorgestellt und gemeinsam mit seinen Ostrówer Holding-Chef Stanislaw Wegner die neue Kläranlage, das Kohle-Gas Heizkraftwerk und die Verwaltung der Ostrówer Stadtwerke besucht. „Die Strukturen der Ostrówer Holding sind unseren sehr ähnlich. Mit sieben Tochtergesellschaften sind sie zwar deutlich größer, aber die Zusammenführung unter einer Spitze entspricht auch unserem Modell, und die Vereinbarung von wirtschaftlichen Zielen für die Tochtergesellschaften ist ein Prozess, den auch wir jetzt auf den Weg gebracht haben.“ Es sei für ihn wohltuend gewesen zu erleben, dass in Ostrów das oftmals übertriebene deutsche Anspruchsdenken nicht um sich gegriffen habe.

In seinem Vortrag über die kommunalen Unternehmen hatte Hartung darauf verweisen, dass Deutschland und Polen im europäischen Vergleich mit großem Abstand die Länder mit den meisten kommunalen Unternehmen seien, und damit zugleich als wichtige Arbeitgeber fungierten. So ist die Ostówer „Holdikom“ mit rund 600 Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt – nach einem Waggonhersteller und vor einem Automobilzulieferer mit rund 400 Beschäftigten.

Das Aktiengesellschafts-Modell der „Holdikom“ und der Tochtergesellschaften sieht Hartung zwar mit Interesse – „vor allem hinsichtlich der Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung“, allerdings „fahren wir mit unseren Nordhäuser Strukturen sehr gut“. 98 Prozent der Ostrówer „Holdikom“-Aktien werden von der Stadt gehalten, die restlichen 2 Prozent direkt von den Bürgern. Bei verschiedenen Tochterunternehmen sind auch ausländische Investoren beteiligt. Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit mit den polnischen Partnern sieht Hartung bei Müllentsorgung und –recycling, dort gebe es noch einiges aufzuholen. Wie eine mögliche Zusammenarbeit konkret aussehen könne, werde man beim Frühjahrs-Treffen in Nordhausen im kommenden Jahr besprechen, zu dem er seine Kollegen eingeladen habe.

Bodo Hempel, Geschäftsführer der Nordhäuser Infrastruktur und Verkehrsgesellschaft im Holding-Konzern, hatte das „Combino-Duo“-Straßenbahnprojekt mit der „Grünen Linie“ nach Ilfeld vorgestellt. Davon waren die Ostrówer so angetan, dass Holding-Chef Stanislaw Wegner zum Abschluss anregte: „Die `Grüne Linie´ sollte eigentlich bis nach Ostrów reichen.“

Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose will im kommenden Jahr Teile der Glock-Grabe-Stiftung des Kunsthauses in Polen zeigen, darüber hinaus soll sich Nordhausen mit einer stadthistorischen Ausstellung den Ostrówer Bürgern vorstellen. Im Gegenzug habe sie mit ihrem polnischen Kollegen vereinbart, dass die Ausstellung „Wie wir sind“ von Ostrówer Künstlern in Nordhausen gezeigt werden soll. Und wie in diesem Jahr auf der Landesgartenschau soll sich auch 2005 Ostrów mit einem Städtetag im Rahmen des Nordhäuser Kultursommers vorstellen. Darüber hinaus will sie den Leitern der städtischen Regelschulen Kontakte nach Polen vorschlagen, „damit die Lücke zwischen Gymnasien und Grundschulen in Sachen Partnerschaft geschlossen ist“, sie wünsche sich auch eine engere Zusammenarbeite auf Vereinsebene - „eine Liste aller Nordhäuser Vereine haben wir im Rathaus übergeben“, so Frau Klose.

Als anstrebenswert auch für Deutschland bzw. Nordhausen sieht sie das polnische Schulmodell: „Die Schulen dort haben ein festes Budget – über dessen Einsatz die Schulleiter selbständig entscheiden können – da sind sie in Ostrów weiter als wir.“ Am Mittwochabend hatte die Nordhäuser Delegation an einer festlichen öffentlichen Stadtratssitzung mit mehr als 500 Menschen anlässlich des 600. Stadtgeburtstages teilgenommen, auf der Bürgermeister Wahlbuhl die Grüße der Nordhäuser überbracht hatte. Am Donnerstag - dem polnischen Nationalfeiertag und Gründungstag der „Ostrówer Republik“ - gedachten Bürgermeister Klaus Wahlbuhl und Dieter Jaunich, Leiter des Büros der Oberbürgermeisterin, mit drei Kranzniederlegungen den Ostrówer Opfer im Kampf gegen die Preußische Besatzung 1918. Anschließend besuchten Deutsche und Polen gemeinsam einen Festgottesdienst in der katholischen Kirche.

Ostrów-Wielkopolski hat rund 74.000 Einwohner. Ähnlich wie in Nordhausen liegt die Arbeitslosenquote bei 19 Prozent. Über das Internet erreicht man Ostròw unter der Adresse.

Zum Bild: Eines der Geschenke für die Stadt Ostrow war eine Radierung des Nordhäuser Künstlers Klaus-Dieter Kerwitz. Bürgermeister Wahlbuhl (2.v.l.) übergab sie dem Ostrower Oberbürgermeister Jerzy Siwatek (links) bei der festlichen Stadtratssitzung zum Abschluss der feiern zum 600-jährigen Stadtjubiläum.
Autor: nnz

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