Gästeführergilde auf Nachwuchssuche
Als der Roland dem Riesen noch Gute Nacht sagte
Dienstag, 16. Januar 2018, 10:00 Uhr
Das es in Nordhausen einmal eine einflussreiche Freimaurerloge gab, das mag der eine oder andere Einheimische noch wissen. Warum die Kutteltreppe ihren Namen trägt oder was das Trauzimmer im Rathaus mit einem Gefängnis zu tun haben könnte, dafür muss man schon ein bisschen tiefer eintauchen. Bei der Stadt- und Gästeführergilde sind Besucher wie Einheimische an der richtigen Adresse. Doch die Geschichtsfreunde plagen Nachwuchssorgen...
Ein wenig frisch ist es im ältesten Wohnhaus Nordhausens, aber das Ambiente passt zum Anlass. Die Stadt- und Gästeführergilde der Rolandsstadt traf sich zum Jahresbeginn gestern Abend wieder in der Domstraße 12 zu ihrem traditionellen "Knetschabend".
Zu "knetschen" hat man eigentlich wenig, seit 22 Jahren hat sich die kleine Truppe, die heute noch aus 18 Personen besteht, in Nordhausen als Stadtführer etabliert. Mal kommen ganze Busse voller Besucher, sodass man die maximale Gruppenstärke auf 25 Personen begrenzen musste. Werden es mehr, geht man mit zwei Stadtführern auf Erkundungstour. Mal sind es weniger, mal kommt am festen Sonntagstermin gar keiner, doch das passiert selten genug.
Auch das Angebot ist über die Jahre gewachsen, ob man nun die klassischen Altstadtführung mitmacht, auf den Spuren Luthers und Müntzers wandelt, Königen und Kaisern nachspürt, in die Kirchengeschichte der Stadt eintaucht oder mit dem Nachtwächter bei Kerzenschein die alten Friedhöfe, Sagen und Gruselgeschichten der Stadt erkundet - eigentlich ist für jeden Geschmack und jede Altersklasse etwas dabei, nur ein wenig Laufbereitschaft, die muss man in einer Stadt wie Nordhausen schon mitbringen. Es sei denn man bucht die alte "Elektrische" und lädt sich einen der Gästeführer als Begleitung ein.
"Wir sind nicht Quedlinburg oder Wernigerode", erzählt Annette Großmann, an vielen Stellen ist das was einmal war verschwunden und hat Platz gemacht für Neues. Aber auch das ist ein Teil der historischen Entwicklung. "Ein Gefühl für Geschichte ist hier wichtiger als anderswo. Jeder hat da ein Interesse und das kann man wecken.", meint die Stadtführerin. Neben jeder Menge Faktenwissen aus über einem Jahrtausend Stadtgeschichte arbeitet man gerne mit kleinen Anekdoten und "Schnurren" aus dem Alltag der alten Nordhäuser. Etwa die Geschichte vom "Nordhäuser Meteor" mit dem die "Uthlebener Salatdrachen" eine kurze Zeit lang Reibach machten, dem bissigen Salzhering vom Barfüßerbrunnen oder dem alten Nordhäuser Gefängnis, in dem man sich heute das Ja-Wort gibt.
"Wenn man den jüngeren klar macht, das sie, buchstäblich, auf den Knochen ihrer Vorfahren herumlaufen, dann macht das schon Eindruck", meint Klaus Großmann. Insbesondere wenn man als Nachtwächter verkleidet im Licht der Lampe den Petriturm erklommen hat und über die nächtliche Stadt blickt. Die Führungen sollten aber nie zu "Märchenstunden", werden, sagt Großmann. Es geht auch darum Wissen zu vermitteln, einen Bezug zur Vergangenheit herzustellen und ein Bewusststein für das zu bekommen was Heimat ist, sagt Uwe Koch, man könne das Vergangene nicht bewahren wenn man es nicht kenne.
Eine Sorge plagt die Gilde wie so manch anderen Verein in diesen Tagen: der Nachwuchs. Der Altersdurchschnitt liegt heute bei 67,7 Jahren, Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Dabei ist man sich sicher das es viele Nordhäuser gibt, die großes Interesse an ihrer Stadt und ihrer Geschichte haben und die man gerne mit ins Boot holen würde, meint Anette Großmann.
Geld steht für die Stadtführer nicht im Vordergrund, natürlich gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung, aber reich wird niemand, das sollte man wissen. Wer selber Führungen leiten will, der muss zwar nicht gleich Silberborths Stadtgeschichte auswendig lernen, aber bestimmte Fakten müssten schon sitzen, man vermittele die Grundlagen, meint der Vorsitzende der Gilde, Winfried Wehrhahn und gebe angehenden Stadtführern viel Material an die Hand und poliere die rhetorischen Fähigkeiten und Umgangsformen der Anwärter auf.
Zu entdecken gibt es viel in Nordhausen, auch wenn man nicht alles mit eigenem Auge sehen kann. Wer Interesse hat selber Stadtführer zu werden und mit Gästen auf Erkundungstour zu gehen oder einer Führung einfach nur beizuwohnen, der findet unter 03631/901416 oder unter www.gilde-nordhausen.de weitere Informationen.
Angelo Glashagel
Autor: redEin wenig frisch ist es im ältesten Wohnhaus Nordhausens, aber das Ambiente passt zum Anlass. Die Stadt- und Gästeführergilde der Rolandsstadt traf sich zum Jahresbeginn gestern Abend wieder in der Domstraße 12 zu ihrem traditionellen "Knetschabend".
Zu "knetschen" hat man eigentlich wenig, seit 22 Jahren hat sich die kleine Truppe, die heute noch aus 18 Personen besteht, in Nordhausen als Stadtführer etabliert. Mal kommen ganze Busse voller Besucher, sodass man die maximale Gruppenstärke auf 25 Personen begrenzen musste. Werden es mehr, geht man mit zwei Stadtführern auf Erkundungstour. Mal sind es weniger, mal kommt am festen Sonntagstermin gar keiner, doch das passiert selten genug.
Auch das Angebot ist über die Jahre gewachsen, ob man nun die klassischen Altstadtführung mitmacht, auf den Spuren Luthers und Müntzers wandelt, Königen und Kaisern nachspürt, in die Kirchengeschichte der Stadt eintaucht oder mit dem Nachtwächter bei Kerzenschein die alten Friedhöfe, Sagen und Gruselgeschichten der Stadt erkundet - eigentlich ist für jeden Geschmack und jede Altersklasse etwas dabei, nur ein wenig Laufbereitschaft, die muss man in einer Stadt wie Nordhausen schon mitbringen. Es sei denn man bucht die alte "Elektrische" und lädt sich einen der Gästeführer als Begleitung ein.
"Wir sind nicht Quedlinburg oder Wernigerode", erzählt Annette Großmann, an vielen Stellen ist das was einmal war verschwunden und hat Platz gemacht für Neues. Aber auch das ist ein Teil der historischen Entwicklung. "Ein Gefühl für Geschichte ist hier wichtiger als anderswo. Jeder hat da ein Interesse und das kann man wecken.", meint die Stadtführerin. Neben jeder Menge Faktenwissen aus über einem Jahrtausend Stadtgeschichte arbeitet man gerne mit kleinen Anekdoten und "Schnurren" aus dem Alltag der alten Nordhäuser. Etwa die Geschichte vom "Nordhäuser Meteor" mit dem die "Uthlebener Salatdrachen" eine kurze Zeit lang Reibach machten, dem bissigen Salzhering vom Barfüßerbrunnen oder dem alten Nordhäuser Gefängnis, in dem man sich heute das Ja-Wort gibt.
"Wenn man den jüngeren klar macht, das sie, buchstäblich, auf den Knochen ihrer Vorfahren herumlaufen, dann macht das schon Eindruck", meint Klaus Großmann. Insbesondere wenn man als Nachtwächter verkleidet im Licht der Lampe den Petriturm erklommen hat und über die nächtliche Stadt blickt. Die Führungen sollten aber nie zu "Märchenstunden", werden, sagt Großmann. Es geht auch darum Wissen zu vermitteln, einen Bezug zur Vergangenheit herzustellen und ein Bewusststein für das zu bekommen was Heimat ist, sagt Uwe Koch, man könne das Vergangene nicht bewahren wenn man es nicht kenne.
Eine Sorge plagt die Gilde wie so manch anderen Verein in diesen Tagen: der Nachwuchs. Der Altersdurchschnitt liegt heute bei 67,7 Jahren, Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Dabei ist man sich sicher das es viele Nordhäuser gibt, die großes Interesse an ihrer Stadt und ihrer Geschichte haben und die man gerne mit ins Boot holen würde, meint Anette Großmann.
Geld steht für die Stadtführer nicht im Vordergrund, natürlich gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung, aber reich wird niemand, das sollte man wissen. Wer selber Führungen leiten will, der muss zwar nicht gleich Silberborths Stadtgeschichte auswendig lernen, aber bestimmte Fakten müssten schon sitzen, man vermittele die Grundlagen, meint der Vorsitzende der Gilde, Winfried Wehrhahn und gebe angehenden Stadtführern viel Material an die Hand und poliere die rhetorischen Fähigkeiten und Umgangsformen der Anwärter auf.
Zu entdecken gibt es viel in Nordhausen, auch wenn man nicht alles mit eigenem Auge sehen kann. Wer Interesse hat selber Stadtführer zu werden und mit Gästen auf Erkundungstour zu gehen oder einer Führung einfach nur beizuwohnen, der findet unter 03631/901416 oder unter www.gilde-nordhausen.de weitere Informationen.
Angelo Glashagel



