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Mangel?

Dienstag, 09. November 2004, 13:44 Uhr
Nordhausen (nnz). Wer da sagt, es gibt einen Mangel an Menschen, die arbeiten wollen, der wird in Thüringen und anderswo glatt der Lüge bezichtigt. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) steht jedoch zu dieser Aussage...


Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz erwartet in den kommenden Jahren einen steigenden Fachkräftebedarf in Thüringen. Diese Auffassung wird durch die aktuelle Fachkräftestudie des Wirtschaftsministeriums bestätigt. Demzufolge ergibt sich in den Jahren zwischen 2004 und 2010 ein Einstellungsbedarf von 110 000 qualifizierten Arbeitskräften.

"Die Konkurrenz um gut ausgebildete Fachkräfte nimmt zu", machte Reinholz deutlich. Auch wenn sich in Thüringen kein generelles Fachkräftedefizit abzeichne, seien in einzelnen Branchen und Unternehmen durchaus Probleme bei der Besetzung freier Stellen zu erwarten. "Darauf müssen sich die Unternehmen durch Ausbildung, Personalplanung und eine angemessene Lohnpolitik frühzeitig einstellen", forderte der Minister. Der Fachkräftestudie zufolge, die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums vom Institut für Sozialökonomische Analysen (SÖSTRA) erstellt wurde, ergibt sich die größte Nachfrage nach Personal in den Metall-, Büro- und Gesundheitsdienstberufen. Dem gegenüber wird die Beschäftigung im Baubereich weiter zurückgehen.

Neue Arbeitskräfte werden vor allem deshalb benötigt, weil in den kommenden Jahren etwa jeder zehnte Beschäftigte in Thüringen altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden wird. Dies betrifft bei gleichbleibendem Beschäftigungsstand etwa 74 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Die darüber hinaus gehende Nachfrage entsteht durch neugeschaffene Stellen vor allem im verarbeitenden Gewerbe. Zur Deckung dieser Gesamtnachfrage steht in Thüringen ein großes Reservoir an Absolventen der beruflichen Ausbildung oder eines Studiums, an Berufspendlern und Arbeitslosen zur Verfügung, das quantitativ über dem prognostizierten Einstellungsbedarf der Unternehmen liegt.
Allerdings passen Nachfrage und Angebot an Fachkräften z.T. nur ungenügend zusammen. So kann der Arbeitskräftebedarf etwa in den Gesundheits- und Unternehmensdienstleistungen, den technischen und sozialpflegerischen Berufen trotz hoher Arbeitslosenzahlen nicht gedeckt werden. Auch in der Berufsausbildung wird in einigen Bereichen - z.B. den Bauberufen - über den zu erwartenden Bedarf hinaus ausgebildet, während in einigen Dienstleistungsberufen zu wenig qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. "Die wichtigste Aufgabe von Politik und Wirtschaft muss es daher sein, durch arbeitsplatzbezogene Aus- und Weiterbildungsangebote und eine bessere Berufswahlvorbereitung die Lücke zwischen Fachkräfteangebot und ?nachfrage zu schließen", so der Wirtschaftsminister.


Die Verfügbarkeit von Fachkräften werde zu einem entscheidenden Faktor im Standortwettbewerb, sagte Reinholz weiter. In diesem Wettbewerb habe Thüringen gute Karten: So verfügen im Freistaat rund 71% aller Beschäftigten über eine Facharbeiterausbildung, in Westdeutschland nur 64%. Zudem zeichnet sich Thüringen durch einen überdurchschnittlichen Anteil an Fachkräften in den Metallberufen aus - der für die industrielle Entwicklung wichtigsten Fachkräftegruppe.

Die Studie "Entwicklung des Fachkräftebedarfs in Thüringen" ist eine Fortschreibung der erstmals im Jahr 2002 aufgelegten Fachkräftestudie und beschreibt die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs in den einzelnen Berufsgruppen und in den vier Thüringer Planungsregionen. Die Studie kann im Internet im Volltext abgerufen werden.
Autor: nnz

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