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Die goldene Kuh?

Montag, 08. November 2004, 19:54 Uhr
Nordhausen (nnz). Sowohl die Kommunen im Landkreis Nordhausen sind ziemlich klamm in der Kasse, als auch der Landkreis selbst. Doch im kommenden Jahr könnte sich ein neue Quelle des Geldes auftun. Und schon registrierte die nnz die ersten Begehrlichkeiten...


Das Zauberwort heißt Stiftung. Die könnte im nächsten Jahr von der Kreissparkasse Nordhausen ins Leben gerufen werden. Möglich macht das der Überschuß, den das Kreditinstitut in diesem Jahr erwirtschaften wird. Genaue Angaben konnte der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Rudolf Mund, zwar noch nicht machen, doch gegenüber der nnz geht er vom Niveau des Jahres 2003 aus. Und da belief sich der Überschuß auf etwa 1,7 Millionen Euro. Bislang – auch 2003 – wanderte dieser Überschuß in die so genannte Sicherheitsrücklage. Die ist nun fast aufgefüllt, und so kann ausgeschüttet werden. Eigentlich könnte das überschüssige Geld ja an den Kreishaushalt fließen, da gebe es genügend Löcher zu stopfen.

Doch den Vorständlern am Kornmarkt in Nordhausen schwant gemeinsam mit ihrem Verwaltungsratschef, Landrat Joachim Claus (CDU), eine andere Lösung. Die ist durchaus charmant und so neu nun auch wieder nicht: Die Gründung einer Stiftung. In die wird das Kapital eingebracht, es kann angelegt werden und das Angelegte kann arbeiten. Aus diesen Erträgen kann ausgeschüttet werden. Wie viel, das hängt davon ab, wie viele Kapital zur Verfügung steht und wie clever es arbeiten darf.

Den Fraktionen des Kreistages leuchten schon förmlich die kommunalpolitischen Augen. Natürlich begrüßt die CDU das Vorhaben, auch die PDS begrüßt, die Bündnisgrünen begrüßen das Ansinnen sowieso und verweisen gleich auf die Erarbeitung einer guten Satzung. Die muß sein, schließlich wird in ihr der Verwendungszweck definiert, und zwar genauestens. Und weil sich Landrat Joachim Claus schon mal Gedanken über den Verwendungszweck des auszuschüttenden Geldes gemacht hat, gibt er auch schon mal die Richtung vor: Sport und Kultur sollen profitieren.

Mit einer Stiftung könnten dann nicht nur freiwillige, sondern vielleicht auch einige Pflichtaufgaben des Landes aus einem anderen Topf unterstützt werden. In den Fraktionen wird in den kommenden Tagen und Wochen sicherlich diskutiert werden. Wer bekommt Geld? Welcher Verein? Welches Projekt? Nur der erste Beigeordnete der Kreisverwaltung, Matthias Jendricke (SPD), ist nicht sonderlich glücklich über die beginnenden „Verteilungskämpfe“, schließlich braucht er für den jetzigen und natürlich auch für den kommenden Haushalt jeden zusätzlichen Cent. In erster Linie für die Pflichtaufgaben, die der Kreishaushalt schon jetzt nicht mehr erledigen kann.

In der Kreissparkasse hingegen wird man in den kommenden Tagen das Projekt „Stiftung“ auf den Weg bringen. Eine Satzung muß erarbeitet werden, dann wird sie der Vorstand absegnen und dem Verwaltungsrat vorschlagen. Auch für die Stiftung selbst müssen entsprechende Gremien vorbereitet werden. Und dann wird die Diskussion beginnen, aber bekanntlich schmeckt das Essen nicht so sonderlich, wenn es mehrere Köche zugleich zubereiten.

Bei aller Stiftungseuphorie: In diesem Jahr wird die Kreissparkasse Nordhausen rund 150.000 Euro für Spenden oder Sponsoring ausgeben. Vom Theater in Nordhausen bis zum kleinen Verein am Rande des Landkreises profitiert die Region von diesem Geldsegen. Auch ohne Stiftung und auch ohne viele Köche.
Autor: nnz

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