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Brief an Bundesumweltministerin:

Gipsrecycling kann Rohstoffbedarf nicht decken

Donnerstag, 02. November 2017, 12:50 Uhr
Die deutsche Gipsindustrie möchte mehr Recycling-Gips verwenden, wird daran aber durch faktische und rechtliche Hemmnisse gehindert. Das geht aus einem Brief hervor, den der Vorsitzende des Bundesverbandes der Gipsindustrie, Thomas Bremer, an Umweltministerin Barbara Hendricks gerichtet hat...


Darin beklagt er zum einen die Billigentsorgungswege etwa nach Tschechien oder in deutschen Deponien. Damit werde die Zuführung von geeigneten Gipsplattenabfällen in deutsche Gips-Recycling-Anlagen unattraktiv gemacht. „So wird wertvolles Recyclingmaterial dem Gipskreislauf in Deutschland entzogen. Diese Wege müssen deshalb durch geeignete Maßnahmen, etwa auch durch eine Änderung von EU-Recht, geschlossen werden“, fordert Bremer.

Zum anderen müsse man die bestehenden Gesetze und Verordnungen auf ihre hemmende Wirkung hinsichtlich eines erhöhten Recyclingaufkommens überprüfen. Dabei handele es sich um Klassifizierungsfragen im Grenzbereich zwischen Stoff- und Abfallrecht, um Fragen von Grenzwerten oder auch um die Durchsetzung der im Kreislaufwirtschaftsgesetz festgelegten Abfallhierarchie. Auch müssten die im Bestand verbauten Materialien besser dokumentiert werden.

Bremer schrieb, das Ziel der deutschen Gipsindustrie sei es, den Abbau von Naturgips auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Da durch die Abschaltung von Kohlekraftwerken der Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA-Gips) stark zurückgehe, sei ein erhöhtes Aufkommen an Recycling-Material für die Erzeugung von Gipsprodukten notwendig und von der Gipsindustrie auch gewünscht.

Gegenwärtig könnten die dafür vorgesehenen Aufbereitungsanlagen aber mangels Recyclingmaterial nicht ausgelastet werden, schreibt der Verbandsvorsitzende. Ein vermehrter Abbau von Naturgips werde sich demnach nicht vermeiden lassen. Dies sei insbesondere deshalb geboten, da der Bedarf an Gips in der deutschen Volkswirtschaft auf Grund seiner besonderen ökologischen und bautechnischen Eigenschaften steige.

2016 fielen aus externen Recycling-Anlagen sowie aus dem intern verwendeten Produktionsausschuss insgesamt 136 419 Tonnen Recycling-Gips an. Gegenüber dem deutschen jährlichen Gesamtbedarf an Calciumsulfat-Rohstoffen vor allem in der Gips- und Zementindustrie von etwa 9,5 Millionen Tonnen, die gegenwärtig noch etwa je hälftig aus Naturgips/-anhydrit sowie aus REA-Gips bestehen, sei das Aufkommen im Gipsrecycling „leider eine beinahe vernachlässigbare Größe, und das muss sich ändern“, schrieb Bremer.
Autor: red

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