Zum Reformationstag
Die letzte Reise Martin Luthers mit Justus Jonas 1546
Dienstag, 31. Oktober 2017, 15:53 Uhr
Bei den Recherchen über die Familie Förstemann aus (in) Nordhausen stieß nnz-Autorin Heidelore Kneffel auf Karl Eduard Förstemann (12.8.1804-23.1.1847), der als Theologe, Wissenschaftler, Bibliothekar und Schriftsteller Publikationen hinterließ, die insbesondere für die Erforschung der Reformation richtungsweisend waren. Schriften vom ihm sind auch im Stadtarchiv zu finden...
Luther (Foto: Archiv Kneffel)
Karl Eduard F. erblickte in Nordhausen als ältester Sohn des Pastors und Superintendenten Carl Wilhelm Förstemann das Licht der Welt und besuchte das Nordhäuser Gymnasium bis 1823. Dann studierte er an der Universität Halle Theologie. Bald arbeitete er als Sekretär an der dortigen Universitätsbibliothek.
Seine Neigung für das Bibliothekswesen wurde vertieft, als er nach dem Studium eine Hauslehrerstelle bei Karl Hartwig Gregor Freiherr von Meusebach, 1781-1847, in Berlin antrat, eines angesehenen Juristen, deutschen Philologen, Sammlers und Kenners der älteren neuhochdeutschen Literatur, gut bekannt mit den Brüdern Wilhelm und Jacob Grimm, mit denen er Briefe wechselte, und mit Bettina und Achim von Arnim. Seine Bibliothek war berühmt und wurde nach seinem Tod mit Unterstützung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. für 40.700 Taler von der Königlichen Bibliothek erworben.
Nach Halle zurückberufen, übernahm Karl Eduard F. die Redaktion des Corpus reformatorum. Das ist der Reihentitel einer bedeutenden Sammlung von Schriften protestantischer Reformatoren des 16. Jahrhunderts. Er trat dann von dieser Tätigkeit zurück, arbeitete wieder in der Hallischen Universitätsbibliothek und promovierte 1832.
Luther (Foto: Archiv Kneffel)
Im folgenden Jahr erhielt er die Stelle als Sekretär des Thüringisch-sächsischen Vereins für Erforschung des vaterländischen Altertums. Diese Tätigkeit dauerte bis zu seinem frühen Tod. 1839 wurde er zum Lizentiaten der Theologie ernannt und 1840 erteilte man ihm die theologische Doktorwürde, 1844 erhielt er den Titel eines Bibliothekars und bald darauf den eines Professors. Sein Leben endete mitten im Schaffen bereits am 23. Januar 1847 mit nur 43 Jahren.
In seinem Druckwerk Denkmale, dem D. Martin Luther von der Hochachtung und Liebe seiner Zeitgenossen errichtet, zur dritten Säcularfeier des Todes Luther's 1846 bei seinem Onkel Ferdinand Förstemann herausgegeben, dem Verleger vom Kornmarkt in Nordhausen, werden u. a. die Briefe von Justus Jonas veröffentlicht, die dieser sofort nach Luthers Tod an verschiedene Personen sandte., z. B. Eisleben 18. Febr. 1546, eine Stunde nach Luthers Tode geschrieben. D. Justus Jonas an den Kurfürsten Johann Friedrich zu Sachsen.
Blicken wir kurz auf die Freundschaft Luthers mir dem Nordhäuser Jonas zurück. Als juristischer Berater, Theologe und Freund Martin Luthers war er am Fortgang der Reformation beteiligt, begleitete ihn nach Worms, half ihm bei der Schulvisitation, war anwesend beim Religionsgespräch in Marburg und beim Reichstag in Augsburg u.a.m.
Luther und Jonas (Foto: Archiv Kneffel)
Seit 1541 lebte er als Pastor in Halle und brachte die Reformation in diese Stadt. Dort traf Martin Luther am 25. Januar 1546, von Wittenberg kommend, bei Jonas ein. Bei Tische brachte der Gast seinem Wirt einen neuen gläsernen Trinkbecher mit und sagte folgenden Spruch: Dem alten Dr. Jonas bringt Dr. Luther ein Schön Glas, das lehrt sie beide fein, dass sie zerbrechlich Gläser sein (in deutscher Nachdichtung).
So ist es überliefert. Im Tabakspeicher ist dieses Glas in abgewandelter Fassung zu kaufen. Von Halle aus begleitete Jonas Luther auf seiner Reise nach Eisleben. Vor Ort wollte dieser einen Streit der Mansfelder Grafen beilegen. Jonas war bei ihm als Rechtsbeistand und verhandelte mit über die Verteilung der Bergwerkseinkünfte und die Stiftung einer neuen Schule.
Auf sehr anschauliche Weise beschreibt er - so erfährt man es im Buch des K. F. Förstemann - die letzten Wochen mit Luther bis zu dessen Sterben. ...Er hat auch alle Nacht ziemlich geschlafen und geruhet, da sein Diener Ambrosius, ich D. Jonas, seine zween kleine Söhne Martinus und Paulus bey ihm in der Kammer gelegen, die ihn auch mit Wärmung der Kissen, seiner Schwachheit nach, alle Abende zu Bette geschickt und bracht … auch … hat gemeldeter Doktor seine Stärkküchlein, Wasser und Aquavits von Wittenberge holen lassen, die Doktorin hat ihm auch zum Teil von ihr selbst geschickt... Am 18. Februar früh um 2.45 Uhr stellte Jonas Luthers Tod fest und informierte, wie oben erwähnt, sofort brieflich den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich. Einen Tag später hielt er in der Andreaskirche in Eisleben eine Leichenpredigt für den Verstorbenen und überführte den Leichnam auf Willen des Kurfürsten nach Wittenberg.
Jonas erklärte am Ende des eingangs erwähnten Briefes: Gnädigster Kurfürst und Herr, diesen Brief hab ich heut in die Feder eilend Grafen Alberts Sekretario dictirt um 4 Uhr, do wir für Betrübnis selb nit Alles haben schreiben konnen. Euer Gnaden unterthäniger williger Diener Justus Jonas Doctor...
Heidelore Kneffel
Autor: red
Luther (Foto: Archiv Kneffel)
Karl Eduard F. erblickte in Nordhausen als ältester Sohn des Pastors und Superintendenten Carl Wilhelm Förstemann das Licht der Welt und besuchte das Nordhäuser Gymnasium bis 1823. Dann studierte er an der Universität Halle Theologie. Bald arbeitete er als Sekretär an der dortigen Universitätsbibliothek.
Seine Neigung für das Bibliothekswesen wurde vertieft, als er nach dem Studium eine Hauslehrerstelle bei Karl Hartwig Gregor Freiherr von Meusebach, 1781-1847, in Berlin antrat, eines angesehenen Juristen, deutschen Philologen, Sammlers und Kenners der älteren neuhochdeutschen Literatur, gut bekannt mit den Brüdern Wilhelm und Jacob Grimm, mit denen er Briefe wechselte, und mit Bettina und Achim von Arnim. Seine Bibliothek war berühmt und wurde nach seinem Tod mit Unterstützung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. für 40.700 Taler von der Königlichen Bibliothek erworben.
Nach Halle zurückberufen, übernahm Karl Eduard F. die Redaktion des Corpus reformatorum. Das ist der Reihentitel einer bedeutenden Sammlung von Schriften protestantischer Reformatoren des 16. Jahrhunderts. Er trat dann von dieser Tätigkeit zurück, arbeitete wieder in der Hallischen Universitätsbibliothek und promovierte 1832.
Luther (Foto: Archiv Kneffel)
Im folgenden Jahr erhielt er die Stelle als Sekretär des Thüringisch-sächsischen Vereins für Erforschung des vaterländischen Altertums. Diese Tätigkeit dauerte bis zu seinem frühen Tod. 1839 wurde er zum Lizentiaten der Theologie ernannt und 1840 erteilte man ihm die theologische Doktorwürde, 1844 erhielt er den Titel eines Bibliothekars und bald darauf den eines Professors. Sein Leben endete mitten im Schaffen bereits am 23. Januar 1847 mit nur 43 Jahren. In seinem Druckwerk Denkmale, dem D. Martin Luther von der Hochachtung und Liebe seiner Zeitgenossen errichtet, zur dritten Säcularfeier des Todes Luther's 1846 bei seinem Onkel Ferdinand Förstemann herausgegeben, dem Verleger vom Kornmarkt in Nordhausen, werden u. a. die Briefe von Justus Jonas veröffentlicht, die dieser sofort nach Luthers Tod an verschiedene Personen sandte., z. B. Eisleben 18. Febr. 1546, eine Stunde nach Luthers Tode geschrieben. D. Justus Jonas an den Kurfürsten Johann Friedrich zu Sachsen.
Blicken wir kurz auf die Freundschaft Luthers mir dem Nordhäuser Jonas zurück. Als juristischer Berater, Theologe und Freund Martin Luthers war er am Fortgang der Reformation beteiligt, begleitete ihn nach Worms, half ihm bei der Schulvisitation, war anwesend beim Religionsgespräch in Marburg und beim Reichstag in Augsburg u.a.m.
Luther und Jonas (Foto: Archiv Kneffel)
Seit 1541 lebte er als Pastor in Halle und brachte die Reformation in diese Stadt. Dort traf Martin Luther am 25. Januar 1546, von Wittenberg kommend, bei Jonas ein. Bei Tische brachte der Gast seinem Wirt einen neuen gläsernen Trinkbecher mit und sagte folgenden Spruch: Dem alten Dr. Jonas bringt Dr. Luther ein Schön Glas, das lehrt sie beide fein, dass sie zerbrechlich Gläser sein (in deutscher Nachdichtung). So ist es überliefert. Im Tabakspeicher ist dieses Glas in abgewandelter Fassung zu kaufen. Von Halle aus begleitete Jonas Luther auf seiner Reise nach Eisleben. Vor Ort wollte dieser einen Streit der Mansfelder Grafen beilegen. Jonas war bei ihm als Rechtsbeistand und verhandelte mit über die Verteilung der Bergwerkseinkünfte und die Stiftung einer neuen Schule.
Auf sehr anschauliche Weise beschreibt er - so erfährt man es im Buch des K. F. Förstemann - die letzten Wochen mit Luther bis zu dessen Sterben. ...Er hat auch alle Nacht ziemlich geschlafen und geruhet, da sein Diener Ambrosius, ich D. Jonas, seine zween kleine Söhne Martinus und Paulus bey ihm in der Kammer gelegen, die ihn auch mit Wärmung der Kissen, seiner Schwachheit nach, alle Abende zu Bette geschickt und bracht … auch … hat gemeldeter Doktor seine Stärkküchlein, Wasser und Aquavits von Wittenberge holen lassen, die Doktorin hat ihm auch zum Teil von ihr selbst geschickt... Am 18. Februar früh um 2.45 Uhr stellte Jonas Luthers Tod fest und informierte, wie oben erwähnt, sofort brieflich den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich. Einen Tag später hielt er in der Andreaskirche in Eisleben eine Leichenpredigt für den Verstorbenen und überführte den Leichnam auf Willen des Kurfürsten nach Wittenberg.
Jonas erklärte am Ende des eingangs erwähnten Briefes: Gnädigster Kurfürst und Herr, diesen Brief hab ich heut in die Feder eilend Grafen Alberts Sekretario dictirt um 4 Uhr, do wir für Betrübnis selb nit Alles haben schreiben konnen. Euer Gnaden unterthäniger williger Diener Justus Jonas Doctor...
Heidelore Kneffel
