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Lutherstatue feierlich eingeweiht

Nun steht er da und kann nicht anders

Dienstag, 31. Oktober 2017, 12:40 Uhr
Es ist der Höhepunkt des Reformationsjahres in Nordhausen: vor der Blasii-Kirche wurde heute das neue Luther-Denkmal eingeweiht. Sieben Jahre voller Diskussionen waren der Enthüllung vorangegangen, Auseinandersetzungen die man heute begrüßte...

Luther-Denkmal vor der Blasii-Kirche eingeweiht (Foto: Angelo Glashagel) Luther-Denkmal vor der Blasii-Kirche eingeweiht (Foto: Angelo Glashagel)

Man habe "Luther vom Sockel geholt und auf Augenhöhe gebracht", sagte heute Mittag Andreas Schwarze, Superintendent der evangelischen Kirche, anlässlich der feierlichen Einweihung des neuen Luther-Denkmals vor der Blasii-Kirche.

Das alte Denkmal des Reformators, das 1943 im Zuge des totalen Krieges demontiert und wahrscheinlich eingeschmolzen wurde, war ein monumentales Werk, überlebensgroß, dominant und bedeutungsschwanger über den Köpfen der Menschen schwebend, ein Zeichen seiner Zeit.

Überlebensgroß sei der neue Luther noch immer, für seine Zeit zumindest, meinte Superintendent Schwarze, aber nun schaue er den Menschen nicht mehr auf den Kopf, sondern wieder aufs Maul. Und was hat man sich selbigem nicht bedient in den sieben Jahren seit Nordhausen in den Kreis der Lutherstädte aufgenommen und die Idee einer neuen Lutherstatue 2010 erstmals die Runde machte. Es gab Diskussionen um Form und Stil, um den Standort, um die Rolle der Religion, die Bedeutung Luthers und sein Erbe.

In Wohlgefallen hat sich all das nicht aufgelöst, Luther bleibt eine umstrittene historische Figur und auch das neue Denkmal wird Ästhetik-Debatten und andere Diskussionen anstoßen. Aber man hieß den Diskurs heute willkommen.

Superintendent Andreas Schwarze: Luther vom Sockel geholt und auf Augenhöhe gebracht (Foto: Angelo Glashagel) Superintendent Andreas Schwarze: Luther vom Sockel geholt und auf Augenhöhe gebracht (Foto: Angelo Glashagel)

Das neue Denkmal sei "unbequem und ungewöhnlich", sagte Gunnar Haase, der für die Inititaoren und Geldgeber des Rotary Clubs Nordhausen heute die Enthüllung der Statue übernahm. "Gerade zum 500. Reformationsjubiläum wollen wir mit diesem Luther riskieren uns unpopulär zu betragen. Aber nur so haben wir die Möglichkeit neue Sichtweisen bürgerlicher Selbstverpflichtung zu ermöglichen", sagte Haase. Luther sei keine unfehlbare Autorität in religiösen Dingen gewesen, er habe sich aber in seiner "eigensinnigen, derben und leidenschaftlich-fanatischen Natur mutig gegen die Institution der Kirche gewandt und so die Möglichkeit zur Erneuerung gegeben."

Man solle sich nicht nur vom Mut Luthers anstecken lassen, fügte Superintendent Schwarze hinzu, man könne nicht verschweigen was gesagt werden müsse und sich auch dem stellen, was Luthers Schriften später angerichtet hätten. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten hätte die evangelische Kirche "der Ideologie mehr geglaubt als dem Wort Gottes" und habe sich gleichschalten lassen. Der Luther, den man nun 2017 ein Denkmal gesetzt hat, der sei "ein Mensch gleich allen Menschen", trage auch Schuld und Verantwortung. Auch deswegen steige er vom Sockel und bringe allen Menschen Güte entgegen, sagte der Theologe.

Das neue Luther-Denkmal ist ein Geschenk des Rotary Clubs Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel) Das neue Luther-Denkmal ist ein Geschenk des Rotary Clubs Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)

Diskussionen wie die um das Verständnis vom großen Reformator seien "nötig und nutzbringend" gewesen, meinte Bürgermeisterin Jutta Krauth, Luther steige nun vom Sockel mit der ausgestreckten Hand der Versöhnung. Und die wurde am Mittag schon zahlreich von den Anwesenden ergriffen. "Er lebt schon wie er da so im Regen steht", meinte Bildhauer Peter Genßler, der die Statue geschaffen hatte. Auch er habe sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, seine Arbeit sei nun aber getan es sei es an Luther und den Menschen sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Und wer dabei genau hinsieht, der findet mit Phillip Melanchton auch noch einen zweiten Reformator, der nun in Nordhausen verewigt wurde.
Angelo Glashagel
Autor: red

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