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nnz-Betrachtung: Wirklich alles falsch?

Sonntag, 19. August 2001, 09:37 Uhr
Nordhausen (nnz). Immer lauter wird in der Rolandstadt die Kritik an den Baumaßnahmen zur Vorbereitung der Landesgartenschau im Jahr 2004. Was machen die Verantwortlichen falsch? Machen Sie wirklich alles falsch? Dazu folgende nnz-Betrachtung.


Sind in Nordhausen, wenn es um Veränderungen im Stadtbild geht, wirklich nur Laien am Werke? Diese Frage kann fast mit einen dicken JA beantwortet werden. Zumindest, wenn man die Reaktion vieler Menschen in den hiesigen Medien verarbeiten muß. Da wird der Bahnhofsvorplatz als riesige Betonwüste dargestellt, da wird der Platz vor dem Theater mit ähnlichen Attributen bedacht. Am schlimmsten zu ertragen müssen für die Nordhäuser die Arbeiten auf dem Petersberg sein!?! Egal, was die Planer anpacken - es stößt auf vehementen Widerstand. Da wird sich jeder Quadratmeter, jeder Pflasterstein herausgepickt. Jeder Baum, jeder Strauch wird plötzlich zum Heiligtum erklärt. Jede Wurzel wird zum Zeitzeugen einer Vergangenheit, die man am liebsten der Gegenwart oder Zukunft erhalten will. Und wo bleibt da der Platz für das Neue?

Noch einmal also ein Blick zurück: Die Ausschreibungen zur sogenannten Masterplanung der Vorhaben zur LGS machten in Europa ihre Runde. Die Auswahl der Preisträger erfolgte mit einem nie gekannten Aufwand. Vorrangigstes Ziel - außer dem Planungsziel - war damals die Einhaltung der Anonymität der Bewerber. Die Bewerbungen haben schließlich den Zuschlag erhalten, die dem Ziel und der Intention der Ausrichter der LGS am nächsten kam, egal welchen Absender sie enthielten. Zur Jury gehörten viele Leute, die sich in einem solchen Prozedere, die sich aber auch mit Maßnahmen dieser Dimension auskennen.

Und schließlich beschäftigten sich auch die Nordhäuser Stadträte mit der LGS. Sie bewilligten nicht nur die Gelder, sondern auch das Ziel und die Wege der Planung nebst Ausführung. Was hätte man in Nordhausen denn noch alles machen sollen, um die Bürger zu informieren? Hätte man in die Jury vielleicht 3.000, 4.000 oder 5.000 Nordhäuser „Experten“ mit einbinden sollen? Wo wären jetzt die Planungen angelangt? Eine Demokratie funktioniert doch wohl auch nur, weil es da Gewählte gibt, denen man mit der Abgabe seiner Stimme auch ein Quäntchen Vertrauen schenkt, damit sie alles für und nicht gegeb die Stadt und ihre Menschen unternehmen.

In Leserbriefen - auch im nnz-Forum - erschließt sich jedoch nur Kritik. Warum ist denn ein Stückchen Straße, deren Namen kaum jemand kannte, plötzlich so wichtig geworden? Warum soll vor dem Theater in Nordhausen denn nicht das Moderne einziehen? Warum ist der Bahnhofsvorplatz denn nicht einfach nur funktional? Was soll ein Bahnhofsvorplatz mit der Integration von verschiedenen Verkehrsmöglichkeiten auch anders sein?

Die Planer der LGS stecken in der Zwickmühle. Haben sie wirklich voll daneben gegriffen, haben sie wirklich am Herzen, am Nerv der Nordhäuser vorbeigeplant? Wie viele Nordhäuser sind es denn eigentlich, die sich zum „Kritiker vor dem Herrn“ aufspielen? Repräsentieren sie wirklich des Volkes Stimme? Wer organisiert da Unterschriftensammlungen gegen die LGS und ist gleichzeitig zu feige, sich zu bekennen?

Wenn ich Planer oder Verantwortlicher der LGS wäre, ich hätte vielleicht schon alles hingeschmissen. Keine Erinnerung mehr an die unzähligen Reisen nach Erfurt, keine Erinnerung mehr an die ungezählten Gespräche in den Ministerien, das Betteln um Fördermittel. Abhaken, alles so lassen wie es ist. Dafür hätte ich die Hüterstraße in Nordhausen freigelegt und versucht, sie in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Millionen Menschen würden daraufhin nach Nordhausen pilgern und endlich auch den Tourismus beflügeln. Was zählen da schon die Hunderttausende, die sich den Petersberg im Jahr 2004 und danach ansehen werden? Und wer denkt, dass sich die Macher der LGS - also die Typen da im Nordhäuser Rathaus, in der LGS GmbH und im Stadtrat - nur ein Denkmal setzen wollen, der liegt vermutlich nicht ganz richtig. Sicher, ein Journalist muß vor allem in Richtung der „Obrigkeit“ kritisch sein. Bei „Klaan und Co.“ beschleicht mich jedoch ein Gefühl, das diese Truppe nicht unbedingt auf eigene Denkmäler scharf ist. Vielleicht hängt ihnen die Stadt Nordhausen nur ein klein wenig am Herzen? Und vielleicht sollten die „Nur-Kritiker“ auch einmal daran denken und reflektieren, was sie denn besser gemacht hätten?
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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