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Angemerkt

Wie sich nicht nur unsere Lauf-Lebenswelt verändert

Montag, 30. Oktober 2017, 08:00 Uhr
Es sind Themen, die sind nicht geeignet, um sich im linksliberalen Spektrum beliebt zu machen. Aber sie sind da, sie umgeben uns. Nicht nur in Berlin, München, Düsseldorf oder Leipzig, sondern auch hier in Nordhausen. Aber sie sollen ausgeblendet werden, um das gesellschaftlich verordnete Wohlfühlgefühl nicht anzukratzen...


Ich habe es nicht weit bis zum Stadtpark. Ob nun zu Fuß oder per Fahrrad - mehrmals in der Woche bin ich mittendrin oder tangiere eine der grünen Lungen dieser Stadt. Auf den ersten Blick hat sich dort nichts verändert, auf den zweiten schon. Und das hat mit der aktuellen Situation zu tun, die im Spätsommer vor zwei Jahren ihren Anfang nahm. Mit nunmehr über 1,2 Millionen Menschen, vorwiegend Männern, die in dieses Land gelassen wurden.

Oft hatte ich in diesem Park Menschen gesehen, die ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgingen, dem Joggen. Vorwiegend waren die Hobbysportler weiblichen Geschlechts. Den meisten machte das Spaß, manchen nicht so sehr. Sie kämpften mehr, als das sie locker liefen. Selbst dann, wenn der helle Tag durch einen weniger hellen Abend abgelöst wurde. Seit mehreren Monaten ist das nicht mehr der Fall.

Vor allem Frauen meiden den Park, wenn sie allein etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Es beschleicht sie eine subtile Form der Angst, denn die geht immer mehr um, auch in Nordhausen. Schlimm nur, dass niemand darüber offiziell spricht. Nur in persönlichen Gesprächen wird das ein Thema.

Ab und zu können Vorfälle, wie die Vergewaltigung einer 50 Jahre alten Joggerin am helllichten Tag in Leipzig, eben nicht mehr unter der Decke eines Nichtvermeldens gehalten werden. Das Verbrechen von Leipzig ist jedoch kein Einzelfall, wer sich genauer im Netz umsieht und dabei ausschließlich "hochoffizielle" Nachrichtenseiten nutzt, der wird schnell fündig: Rosenheim, Duvenstedt, Bottrop. Bei letzterem Verbrechen muss man erst einmal in die Tiefen der lokalen Berichterstattung eintauchen, um zu erfahren, aus welchem Kulturkreis die mutmaßlichen Täter denn wohl stammen könnten, nach denen gesucht wird. Die Ergebnisse dürften bekannt sein.

Die neue Qualität der überregionalen Berichterstattung ist seit einigen Tagen jedoch erreicht, indem vorbeugende Tipps der Polizei für Joggerinnen publiziert werden. Die reichen von der Warnung, nicht allein unterwegs zu sein, über: keine Kopfhörer zu tragen, in Ruf- und Sichtweite von anderen Menschen zu laufen, bis zu: nicht bei aufkommender Dunkelheit, selbst auf beleuchteten Strecken, zu laufen, Selbstverteidigungskurse zu besuchen, eine Trillerpfeife oder Pfefferspray dabei zu haben.

Diese Tipps können vielleicht hilfreich sein, sie offenbaren allerdings die Hilflosigkeit, die Ohnmacht all dessen, was man als Normalo von einem Staat erwartet: Für die Sicherheit in diesem zu sorgen. Diese Pflichtaufgabe ist dem deutschen Staat (darf ich das eigentlich noch so formulieren?) abhanden gekommen. Private Gespräche mit Polizeibeamten zeigen das gesamte Ausmaß des derzeitigen Status Quo. Sicher, sagen die, eine Respektlosigkeit gegenüber Polizisten habe es schon immer gegeben, nur mit den "seit kurzem hier Lebenden" wurde eine neue Dimension erreicht. Nahezu jeder Beamte, der auf "auf der Straße unterwegs ist" kennt diese Situationen und hält - wie viele in diesem Land - den Mund. Und das ist hier Provinz!

Eine Statistik des LKA Thüringen machte vor einigen Tagen die Runde. War deren Veröffentlichung ein Versehen oder das Ergebnis des Frustes der Beamten? Sofort sprangen aber die links-grünen Parteien auf und kritisierten diese Veröffentlichung, die zu Fehlinterpretationen führen könnte. Und Journalisten in der Premium-Medien-Welt meinten, dass es einer Kommentierung der Zahlen bedürfe. Und da war er wieder der dumme Leser, Gucker, Hörer, Bürger, dem man nüchterne Zahlen noch erklären muss.

Wie offiziell immer wieder verlautbart wird: Es ist alles halb so schlimm, liebe Frauen in diesem Land: Wenn ihr schon unbedingt in einem Park joggen wollt, dann nehmt gefälligst an einem Selbstverteidigungskurs teil, kauft euch eine Trillerpfeife und/oder einen Taschenalarm und Pfefferspray und macht es den mutmaßlichen Tätern, die in den oben erwähnten Taten als "dunkelhäutig", "arabisch aussehend", oder "gebrochen Deutsch sprechend" beschrieben werden, nicht so leicht. Es könnte euch dann so ergehen wie den Frauen in Bottrop oder Leipzig.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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