Tourismus im Südharz
Katastrophale Zahlen
Donnerstag, 26. Oktober 2017, 13:00 Uhr
Vor fast drei Jahren, im Januar 2015 wurde mit großem kommunalpolitischem Tam-Tam der Tourismusverband Südharz Kyffhäuser gegründet. Wieder einmal wurde viel Geld in Hand genommen, wieder einmal wurden für den Landkreis Nordhausen große Erwartungen geweckt. Die aktuellen Zahlen der Statistiker sprechen eine andere Sprache...
Zahlen zum Tourismus (Foto: TLS)
Heute veröffentlichte das Statistische Landesamt die aktuellen Zahlen für den Thüringer Tourismus . Und da gibt es für den Zeitraum der ersten acht Monate dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum viele Gewinner unter der Reiseregionen, aber nur einen Verlierer - den Südharz.
Das ist nicht verwunderlich, das liegt voll im jahrelangen Trend. Von Januar bis August dieses Jahres gab es in unserem wunderschönen Südharz 12.254 Übernachtungen weniger als im gleichen Zeitraum 2016. Auch die Gästeankünfte sind rückläufig, das Saldo beläuft sich auf - 2.568. Und dabei sah das vorige Jahr schon nicht allzu rosig aus. Hingegen die Kyffhäuserregion sehr positiv daherkommt. Hier wurde allein bei den Übernachtungen ein Plus von fast 10.000 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ausgemacht. Was läuft also falsch?
Der Südharz ist für Touristen, die mehr als einen Tag hier bleiben sollen, nicht attraktiv. Das wird er auch nicht, ist jedenfalls meine Meinung. Gut, ich lebe und arbeite hier "erst" seit 1992, habe aber seitdem überwiegend Verfall touristischer Destinationen, denn Aufblühen erlebt. Warum sollen denn auch Touristen aus Flensburg oder Rostock hier herkommen, sich hier wohlfühlen und dann auch noch übernachten? Und wo denn? In Nordhausen? In Ilfeld? In Sülzhayn? In Neustadt?
Wo sind denn Wanderwege so ausgeschildert, dass sich ortsunkundige Touristen nicht verlaufen? Da kann ein Ministerpräsident noch so oft hier her kommen und publikumsträchtig wandern. Die Frage, die immer wieder im Raum steht ist doch folgende: Was gibt es hier für ein Alleinstellungsmerkmal? Was gibt es im Südharz, was es im Thüringer Wald, in Bayern, im Spreewald oder im Schwarzwald nicht gibt? Mir fallen da lediglich die HSB und - man möge mir die politische Unkorrektheit verzeihen - die Gedenkstätte Mittelbau Dora. Das war es dann auch.
Veränderung der Anzahl von Gästeankünften und Übernachtungen Januar-August 2017 gegenüber Januar-August 2016 nach Reisegebieten (einschl. Camping) (Foto: TLS)
Veränderung der Anzahl von Gästeankünften und Übernachtungen Januar-August 2017 gegenüber Januar-August 2016 nach Reisegebieten (einschl. Camping)
Warum findet man sich in Politik und Wirtschaft einfach nicht damit ab, dass für den Landkreis der große Tourismuszug längst abgefahren ist. Und die Visionen eines Adligen aus dem Nachbarbundesland helfen da auch nicht weiter, so sehr die Trommel dafür geschlagen wird.
Insofern muss man die damalige Gründung eines gemeinsamen Tourismusverbandes mit dem Kyffhäuserkreis als Fehlentscheidung interpretieren, vielleicht auch als Alimentieren des damals gescheiterten eigenen Verbandes bei den Nachbarn. Aber die haben wenigstens noch das Kyffhäuser-Denkmal oder das Panorama-Museum als tatsächliche Alleinstellungsmerkmale.
Eine großartige Weiterentwicklung des Tourismus wird es in der Südharz Region nicht geben. Punktuell wird es Ausrufezeichen geben und es gibt sie schon. Doch die sind eher dem Tagestourismus zugeneigt, denn den Gästen, die länger hier bleiben und übernachten wollen. Eine Region mit einer Stadt und einer kommunalen Politik darin, die sich nicht einmal traut, die Initiative für ein Vier-Sterne-Hotel in einem sicher einmaligen Park zu unterstützen, die hat - es klingt sehr hart - vielleicht nicht viel mehr verdient als schlecht ausgeschilderte Wanderwege. So wird der Südharz auch künftig nicht mehr sein - als das "geografische Ding" - zwischen dem eigentlichen Harz und dem Kyffhäuserdenkmal sowie dem benachbarten "Elefantenklo".
Peter-Stefan Greiner
Autor: red
Zahlen zum Tourismus (Foto: TLS)
Heute veröffentlichte das Statistische Landesamt die aktuellen Zahlen für den Thüringer Tourismus . Und da gibt es für den Zeitraum der ersten acht Monate dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum viele Gewinner unter der Reiseregionen, aber nur einen Verlierer - den Südharz.
Das ist nicht verwunderlich, das liegt voll im jahrelangen Trend. Von Januar bis August dieses Jahres gab es in unserem wunderschönen Südharz 12.254 Übernachtungen weniger als im gleichen Zeitraum 2016. Auch die Gästeankünfte sind rückläufig, das Saldo beläuft sich auf - 2.568. Und dabei sah das vorige Jahr schon nicht allzu rosig aus. Hingegen die Kyffhäuserregion sehr positiv daherkommt. Hier wurde allein bei den Übernachtungen ein Plus von fast 10.000 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ausgemacht. Was läuft also falsch?
Der Südharz ist für Touristen, die mehr als einen Tag hier bleiben sollen, nicht attraktiv. Das wird er auch nicht, ist jedenfalls meine Meinung. Gut, ich lebe und arbeite hier "erst" seit 1992, habe aber seitdem überwiegend Verfall touristischer Destinationen, denn Aufblühen erlebt. Warum sollen denn auch Touristen aus Flensburg oder Rostock hier herkommen, sich hier wohlfühlen und dann auch noch übernachten? Und wo denn? In Nordhausen? In Ilfeld? In Sülzhayn? In Neustadt?
Wo sind denn Wanderwege so ausgeschildert, dass sich ortsunkundige Touristen nicht verlaufen? Da kann ein Ministerpräsident noch so oft hier her kommen und publikumsträchtig wandern. Die Frage, die immer wieder im Raum steht ist doch folgende: Was gibt es hier für ein Alleinstellungsmerkmal? Was gibt es im Südharz, was es im Thüringer Wald, in Bayern, im Spreewald oder im Schwarzwald nicht gibt? Mir fallen da lediglich die HSB und - man möge mir die politische Unkorrektheit verzeihen - die Gedenkstätte Mittelbau Dora. Das war es dann auch.
Veränderung der Anzahl von Gästeankünften und Übernachtungen Januar-August 2017 gegenüber Januar-August 2016 nach Reisegebieten (einschl. Camping) (Foto: TLS)
Veränderung der Anzahl von Gästeankünften und Übernachtungen Januar-August 2017 gegenüber Januar-August 2016 nach Reisegebieten (einschl. Camping)Warum findet man sich in Politik und Wirtschaft einfach nicht damit ab, dass für den Landkreis der große Tourismuszug längst abgefahren ist. Und die Visionen eines Adligen aus dem Nachbarbundesland helfen da auch nicht weiter, so sehr die Trommel dafür geschlagen wird.
Insofern muss man die damalige Gründung eines gemeinsamen Tourismusverbandes mit dem Kyffhäuserkreis als Fehlentscheidung interpretieren, vielleicht auch als Alimentieren des damals gescheiterten eigenen Verbandes bei den Nachbarn. Aber die haben wenigstens noch das Kyffhäuser-Denkmal oder das Panorama-Museum als tatsächliche Alleinstellungsmerkmale.
Eine großartige Weiterentwicklung des Tourismus wird es in der Südharz Region nicht geben. Punktuell wird es Ausrufezeichen geben und es gibt sie schon. Doch die sind eher dem Tagestourismus zugeneigt, denn den Gästen, die länger hier bleiben und übernachten wollen. Eine Region mit einer Stadt und einer kommunalen Politik darin, die sich nicht einmal traut, die Initiative für ein Vier-Sterne-Hotel in einem sicher einmaligen Park zu unterstützen, die hat - es klingt sehr hart - vielleicht nicht viel mehr verdient als schlecht ausgeschilderte Wanderwege. So wird der Südharz auch künftig nicht mehr sein - als das "geografische Ding" - zwischen dem eigentlichen Harz und dem Kyffhäuserdenkmal sowie dem benachbarten "Elefantenklo".
Peter-Stefan Greiner
