Schlechtes Wetter
Mittwoch, 03. November 2004, 16:58 Uhr
Nordhausen/Berlin/Washington (nnz). Es gibt Tage, da sollte man im Bett bleiben. Der 3. November 2004 ist so einer gewesen. Abgesehen davon, dass es den ganzen Tag nicht richtig hell wurde, rief sich Bush zum Präsidenten aus und Finanzminister Eichel forderte ernsthaft den Feiertag zur deutschen Einheit abzuschaffen.
Am unschuldigsten ist bei diesen Katastrophen vielleicht noch das Wetter. Natürlich wird es in Zukunft nicht besser, wenn der von Gott Gesandte anonyme Alkoholiker weiterhin im Oval Office die Unterschriften unter Klimaabkommen verweigert. Und das darf er jetzt, denn er bleibt Präsident.
Hat er selbst gesagt - und dann muss es auch stimmen, weil er ja der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Dem Land der unmöglichen Begrenztheiten. Ja, vielleicht hat es die eine oder andere Unregelmäßigkeit beim Auszählen der Stimmen gegeben, aber im großen und ganzen ist die Wahl ruhig abgelaufen. Sagt auch Frau Rita Süßmuth, die als OSZE-Wahlbeobachterin nach USA gereist ist. Das ist kein Witz, die OSZE hat wirklich Beobachter geschickt, wie man das sonst bei eher unsicheren Demokratiekandidaten wie Westsamoa oder Weissrussland zu tun pflegt. Ich habe keine Unregelmäßigkeiten erlebt, sagt Frau Süßmuth dem Fernsehen und meint damit vermutlich, dass in ihrem Wahllokal niemand Amok gelaufen ist.
Für die nächste Wahl empfehle ich, allen Wahlberechtigten einen roten und eine blauen Stein zu geben. Die kann man dann vor dem Wahllokal in bereitgestellte Eimer werfen. Rot gilt als Stimme für die Demokraten und blau für die Republikaner. Dann werden die Steine gezählt und wieder ausgegeben und vier Jahre später wirft jeder so viele Steine wie er will. Und wohin er will.
Bei so vielen schlechten Nachrichten wollte der deutsche Finanzminister heute nicht zurückstehen und erörterte seinen tollen Plan zur Erreichung der EU-Stabilitätskriterien. Der ist so dezidiert durchdacht, dass Eichel genau so gut hätte fordern können, ab sofort wieder Brückenzölle zu erheben oder endlich Bayern von Deutschland abzuspalten, damit wir es dann anschließend erobern können und die Bayern massive Reparationszahlungen an uns Deutsche leisten müssen.
Wozu auch einen Tag der deutschen Einheit feiern? Gibt es da etwa irgend etwas zu feiern?Man stelle sich vor unseren Nachbarn in Frankreich ihren Nationalfeiertag nehmen zu wollen oder dem Volk der Bush-Wähler seinen Independence Day? In Deutschland aber wird der Eichel-Vorschlag sicherlich ernsthaft diskutiert werden und ich möchte hier nicht mutmaßen, wer diese Idee außer unseren armen Wirtschaftskapitänen noch alles toll finden wird.
Wenn wir Deutschen uns diesen Feiertag abschwatzen lassen, dann können wir uns vom Gedanken einer deutschen Einheit auch für die nächsten Generationen verabschieden. Und haben kein besseres Wetter als das heutige verdient.
Olaf Schulze
Autor: oschAm unschuldigsten ist bei diesen Katastrophen vielleicht noch das Wetter. Natürlich wird es in Zukunft nicht besser, wenn der von Gott Gesandte anonyme Alkoholiker weiterhin im Oval Office die Unterschriften unter Klimaabkommen verweigert. Und das darf er jetzt, denn er bleibt Präsident.
Hat er selbst gesagt - und dann muss es auch stimmen, weil er ja der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Dem Land der unmöglichen Begrenztheiten. Ja, vielleicht hat es die eine oder andere Unregelmäßigkeit beim Auszählen der Stimmen gegeben, aber im großen und ganzen ist die Wahl ruhig abgelaufen. Sagt auch Frau Rita Süßmuth, die als OSZE-Wahlbeobachterin nach USA gereist ist. Das ist kein Witz, die OSZE hat wirklich Beobachter geschickt, wie man das sonst bei eher unsicheren Demokratiekandidaten wie Westsamoa oder Weissrussland zu tun pflegt. Ich habe keine Unregelmäßigkeiten erlebt, sagt Frau Süßmuth dem Fernsehen und meint damit vermutlich, dass in ihrem Wahllokal niemand Amok gelaufen ist.
Für die nächste Wahl empfehle ich, allen Wahlberechtigten einen roten und eine blauen Stein zu geben. Die kann man dann vor dem Wahllokal in bereitgestellte Eimer werfen. Rot gilt als Stimme für die Demokraten und blau für die Republikaner. Dann werden die Steine gezählt und wieder ausgegeben und vier Jahre später wirft jeder so viele Steine wie er will. Und wohin er will.
Bei so vielen schlechten Nachrichten wollte der deutsche Finanzminister heute nicht zurückstehen und erörterte seinen tollen Plan zur Erreichung der EU-Stabilitätskriterien. Der ist so dezidiert durchdacht, dass Eichel genau so gut hätte fordern können, ab sofort wieder Brückenzölle zu erheben oder endlich Bayern von Deutschland abzuspalten, damit wir es dann anschließend erobern können und die Bayern massive Reparationszahlungen an uns Deutsche leisten müssen.
Wozu auch einen Tag der deutschen Einheit feiern? Gibt es da etwa irgend etwas zu feiern?Man stelle sich vor unseren Nachbarn in Frankreich ihren Nationalfeiertag nehmen zu wollen oder dem Volk der Bush-Wähler seinen Independence Day? In Deutschland aber wird der Eichel-Vorschlag sicherlich ernsthaft diskutiert werden und ich möchte hier nicht mutmaßen, wer diese Idee außer unseren armen Wirtschaftskapitänen noch alles toll finden wird.
Wenn wir Deutschen uns diesen Feiertag abschwatzen lassen, dann können wir uns vom Gedanken einer deutschen Einheit auch für die nächsten Generationen verabschieden. Und haben kein besseres Wetter als das heutige verdient.
Olaf Schulze
