Stadtbibliothek
Flugblätter aus der Himmelgartenbibliothek
Dienstag, 10. Oktober 2017, 18:00 Uhr
In der Stadtbibliothek Rudolf Hagelstange im Herzen Nordhausens wird es ab kommender Woche sieben Einblattdrucke des frühen 16. Jahrhunderts in Fotoreproduktionen zu sehen geben. Die Originale wurden von den Mönchen des Servitenordens Himmelgarten angeschafft, wo die Schmerzensmutter Maria besondere Verehrung erfuhr...
Die Mönche bewahrten die Drucke durch Einkleben in ledergeschützte Foliantenbände. Diese Präsentation wird in Kürze noch erweitert durch zahlreiche Reproduktionen von besonders bemerkenswerten Druckseiten der Bibliothek aus der Zeit von 1475 bis 1525. Sie wurden im Auftrag der evangelischen Kirchengemeinde St. Blasii-Altendorf Nordhausen und des Nordhäuser Stadtarchivs von Heidelore Kneffel angefertigt.
Der älteste erhaltene Einblattdruck mit beweglichen Metall-Lettern und Holzschnittillustrationen stammt von 1495, es folgt einer von 1502, drei Drucke erscheinen 1512, der nächste 1513, der jüngste 1517. Die Druckorte sind Nürnberg, Leipzig und Erfurt.
Der damalige Prior des Klosters, Johannes Huter, latinisiert Pilearius, kaufte diese Blätter verschiedenen Inhalts als Druck-Reaktionen auf Ereignisse der Zeit. Sie hatten die Funktion einer aktuelle Zeitungsnachricht, wie wir heute sagen würden. Auf ihnen verbinden sich Text und Bild. Die hiesigen Flugschriften sind bis auf eine Ausnahme in deutscher Sprache verfasst. Die älteste zeigt zwei weibliche siamesische Zwillinge, die am Kopf zusammengewachsen sind. Ihre tatsächlich stattgefundene Geburt nahe Worms wird in Beziehung gesetzt zu dem herrschenden König Maximilian, gilt als ein positives Wunderzeichen Gottes.
Diese sonderbare Geburt sah man z. B. als Vorzeichen für die Wiedervereinigung des deutschen und des römischen Reiches. Der zweite Flugblattdruck, ein rarer Einblattdruck, enthält einen ausführlichen deutschen Text über einen neuen Propheten aus Persien. Von eynem nawen Propheten yn Persia aufgestanden der sich eyn irdischen got nennet als hirnach volgeth. Auf dem Bild finden Enthauptungen statt. Die Drucke von 1512 zeigen einen Heiltumsdruck, der die Ausstellung der kostbarsten Reliquie des Trierer Domes, des Heilige Rock Christi im Dom 1512 darstellt. Dieses Blatt ist einmalig.
Flugblätter aus der Himmelgartenbibliothek demnächst in der Stadtbibliothek zu sehen (Foto: Heidelore Kneffel)
Der zweite Einblattdruck diese Jahres macht das Anliegen des Ordens bildlich, sich dem Mitleiden der Gottesmutter hinzugeben. Der Druck zeigt in der Mitte die wehklagende Maria mit ihrem vom Kreuz genommenen toten Sohn auf dem Schoß und einem Schwert, das sich in ihr Herz bohrt. Man liest die Zeile: Arma ordinis servorum beatae Mariae virginis. Das nächste Blatt von 1512 zeigt Das Monstrum von Ravenna. Ein deutscher Text rahmt die Gestalt der dargestellten Person ein, die ein Zwitter ist. Erzählt wird die Geschichte um diese Geburt und wie das Wesen aussah. Das sogenannte Monster lebte nur drei Tage. Papst Julius II. führte gemeinsam mit den Truppen der Heiligen Liga vor der Stadt Ravenna eine heftige Schlacht gegen den französischen König Ludwig XII., damals noch mit Kaiser Maximilian I. verbunden. Diesmal siegten die Franzosen.
Die Monstergestalt wird als von Gott gesandtes Wesen gedeutet, das dem Papstum ein warnendes Spiegelbild sein soll, ist also als Gottesgeißel zu sehen. Ein 1513 hergestellter Einblattdruck verweist auf eine damals auffallende Veränderung des Reisemarktes. Der Antwerpener Schiffseigner Dieterich Paeschen wirbt um die Teilnahme von Bürgern an einer in Antwerpen beginnenden Schiffspilgerfahrt. Ein Wunderzeichenblatt von 1517 berichtet von einer Erscheinung am Himmel zur Zeit des Sonnenunterganges, die am 25. Juni 1517 von vier Bauern aus Kleinpösna und zwei aus Hirschfeld, heute im südöstlichen Stadtgebiet Leipzigs, gesehen wurde. Es wird darauf verwiesen, dass sie nicht betrunken waren.
Am 17. Oktober um 16.00 Uhr wird die Ausstellungseröffnung sein.
Autor: redDie Mönche bewahrten die Drucke durch Einkleben in ledergeschützte Foliantenbände. Diese Präsentation wird in Kürze noch erweitert durch zahlreiche Reproduktionen von besonders bemerkenswerten Druckseiten der Bibliothek aus der Zeit von 1475 bis 1525. Sie wurden im Auftrag der evangelischen Kirchengemeinde St. Blasii-Altendorf Nordhausen und des Nordhäuser Stadtarchivs von Heidelore Kneffel angefertigt.
Der älteste erhaltene Einblattdruck mit beweglichen Metall-Lettern und Holzschnittillustrationen stammt von 1495, es folgt einer von 1502, drei Drucke erscheinen 1512, der nächste 1513, der jüngste 1517. Die Druckorte sind Nürnberg, Leipzig und Erfurt.
Der damalige Prior des Klosters, Johannes Huter, latinisiert Pilearius, kaufte diese Blätter verschiedenen Inhalts als Druck-Reaktionen auf Ereignisse der Zeit. Sie hatten die Funktion einer aktuelle Zeitungsnachricht, wie wir heute sagen würden. Auf ihnen verbinden sich Text und Bild. Die hiesigen Flugschriften sind bis auf eine Ausnahme in deutscher Sprache verfasst. Die älteste zeigt zwei weibliche siamesische Zwillinge, die am Kopf zusammengewachsen sind. Ihre tatsächlich stattgefundene Geburt nahe Worms wird in Beziehung gesetzt zu dem herrschenden König Maximilian, gilt als ein positives Wunderzeichen Gottes.
Diese sonderbare Geburt sah man z. B. als Vorzeichen für die Wiedervereinigung des deutschen und des römischen Reiches. Der zweite Flugblattdruck, ein rarer Einblattdruck, enthält einen ausführlichen deutschen Text über einen neuen Propheten aus Persien. Von eynem nawen Propheten yn Persia aufgestanden der sich eyn irdischen got nennet als hirnach volgeth. Auf dem Bild finden Enthauptungen statt. Die Drucke von 1512 zeigen einen Heiltumsdruck, der die Ausstellung der kostbarsten Reliquie des Trierer Domes, des Heilige Rock Christi im Dom 1512 darstellt. Dieses Blatt ist einmalig.
Flugblätter aus der Himmelgartenbibliothek demnächst in der Stadtbibliothek zu sehen (Foto: Heidelore Kneffel)
Der zweite Einblattdruck diese Jahres macht das Anliegen des Ordens bildlich, sich dem Mitleiden der Gottesmutter hinzugeben. Der Druck zeigt in der Mitte die wehklagende Maria mit ihrem vom Kreuz genommenen toten Sohn auf dem Schoß und einem Schwert, das sich in ihr Herz bohrt. Man liest die Zeile: Arma ordinis servorum beatae Mariae virginis. Das nächste Blatt von 1512 zeigt Das Monstrum von Ravenna. Ein deutscher Text rahmt die Gestalt der dargestellten Person ein, die ein Zwitter ist. Erzählt wird die Geschichte um diese Geburt und wie das Wesen aussah. Das sogenannte Monster lebte nur drei Tage. Papst Julius II. führte gemeinsam mit den Truppen der Heiligen Liga vor der Stadt Ravenna eine heftige Schlacht gegen den französischen König Ludwig XII., damals noch mit Kaiser Maximilian I. verbunden. Diesmal siegten die Franzosen.
Die Monstergestalt wird als von Gott gesandtes Wesen gedeutet, das dem Papstum ein warnendes Spiegelbild sein soll, ist also als Gottesgeißel zu sehen. Ein 1513 hergestellter Einblattdruck verweist auf eine damals auffallende Veränderung des Reisemarktes. Der Antwerpener Schiffseigner Dieterich Paeschen wirbt um die Teilnahme von Bürgern an einer in Antwerpen beginnenden Schiffspilgerfahrt. Ein Wunderzeichenblatt von 1517 berichtet von einer Erscheinung am Himmel zur Zeit des Sonnenunterganges, die am 25. Juni 1517 von vier Bauern aus Kleinpösna und zwei aus Hirschfeld, heute im südöstlichen Stadtgebiet Leipzigs, gesehen wurde. Es wird darauf verwiesen, dass sie nicht betrunken waren.
Am 17. Oktober um 16.00 Uhr wird die Ausstellungseröffnung sein.
