nnz-Forum: Huhn oder Henne?
Freitag, 17. August 2001, 13:34 Uhr
Nordhausen (nnz). Mit der Hüterstraße und den Projekten der Landesgartenschau im allgemeinen erhielt die nnz eine Statement von nnz-Leser Markus Veit. Dabei geht es um den Theatervorplatz, Luftschutzanlagen und den Judenturm.
Der LGS GmbH gehören hochbezahlte Fachkräfte an, wenn sich nun aber auf der Pressekonferenz zum Schicksal der Hüterstraße die Geschäftsführerin Inge Klaan hinstellt und erklärt, dass Kompromisse und Einschnitte auch künftig nicht vermeiden zu seien, türmt sich mir der Verdacht auf, als habe die LGS GmbH nicht verstanden, worum es sich eigentlich dreht. Es geht nicht nur um den Erhalt dieser einen Straße. Es herrscht vielmehr ein grundsätzlicher Mangel bezüglich der Verfahrensweise der Planungen, auf Bürgerwünsche kann leider scheinbar nur nach intensivsten öffentlichen Protesten eingegangen werden. Mir ist bewusst, dass aufgrund meines Leserbriefes die öffentliche Diskussion zur Hüterstraße in Gang gebracht wurde und das mir das einige Personen nun verübeln könnten. Die zahlreichen Bürgerproteste, die verlautbar wurden zeigen, dass ich damit in ein Bienennest stach.
Umso mehr empört es mich, wie sich Frau Klaan nun in der Presse präsentiert und mit einer regelrechten Mitleidszeremonie hinsichtlich der Bombenopfer von 1945 versucht die Wogen zu glätten. Es verwundert mich, wie Frau Klaan sich plötzlich Stadtgeschichte und Opfergedenken auf ihre Fahnen schreibt. Es ist doch so, Volkes Wille wurde entsprochen, denn das Aufbegehren um die Hüterstraße wurde zu einem Politikum.
Mir scheint ein fundamentales Missverständnis liegt hier vor, die Stadt hat sich entschlossen die LGS im Stadtzentrum durchzuführen. Es kann doch aber nicht allen Ernstes vorgesehen sein, dass Stadtbild einzig und allein auf die LGS auszurichten, vielmehr muss das LGS-Gelände in Vorhandenes integriert werden. Der Petersberg ist keine strukturlose Freifläche, wo man machen kann was man will.
Die LGS 2004 GmbH versucht sich betont transparent darzustellen, nicht zuletzt auch durch die Bürgerabende zu den jeweiligen Projekten. Dort soll, zunächst auf die Ängste der Bürger eingegangen werden und auch Vorschläge seitens der Bürgerschaft sollen angeblich aufgegriffen werden. Ich bin weiß Gott kein Gegner der LGS - im Gegenteil, das ist für Nordhausen eine einmalige Chance sich weiterzuentwickeln, aber mit und durch die Bürger und nicht von oben herab. Man darf nicht vergessen, dass die LGS nur ein halbes Jahr bestand haben wird, dafür jahrhundertealte Strukturen zu beseitigen wäre unverzeihlich. Vielmehr müssten die Gelder dazu benutzt werden, um ein harmonisches Gleichgewicht von Gegenwart und traditionellen Strukturen zu schaffen.
Die Häuser des Petrikirchplatzes sind durch den Krieg verschwunden, aber das alte Zorgekieselpflaster ist bis jetzt noch vorhanden. Doch wie lange noch?! Die Planungen sehen auch hier eine Beseitigung vor. Die nächste Frage wirft sich auf: Warum ermöglichte man nicht den Schulkindern der Petersbergschulen eine Abkürzung mit der Freilegung der oberen verschütteten Schlunztreppe? Suchgrabungen ergaben, dass die Treppe samt dem Geländer zwischen den Stadtmauern noch vorhanden ist.
Ist eine Rekonstruktion des Judenturmes vorgesehen? Denkbar wäre ein Cafe, gerade zur LGS wäre dies eine lukrative und realisierbare Sache. Warum soll eine absolut abstrakte Beleuchtung um das Stadttheater gruppiert werden? Das 1913-1917 erbaute Gebäude ist ein stilreiner Neoklassizistischer Bau. Zeitgenössische Kandelaber, ähnlich der bisherigen wären geradezu die Pflicht gewesen, die Architekturen des Theaters und der gegenüberliegenden Jugendstil- u. Historismusgebäude entsprechend zu untermauern und den Platz somit stilgerecht an das Gebäudeensemble anzupassen. Geschmackvolle moderne Beleuchtungen sind sehr angebracht, jedoch nur wo sie auch hinpassen. Vor dem Theater sind sie auf jeden Fall absolut fehl am Platze.
Der nächste Fall wäre folgender: An der Ecke Breitscheidstraße/Weberstraße soll eine Treppe entstehen, genau dort befindet sich der Eingang zu ehemaligen Luftschutzanlagen. Eine Aussparung im künftigen Treppenlauf könnte den Besuchern der LGS den Zugang zu den vollständigen erhaltenen unterirdischen Luftschutzanlagen gewähren. Eine Bereicherung der LGS oder für den Geschichtsunterricht wäre das allemal. Es gibt noch unzählige Bereiche der Stadt, die innerhalb des künftigen LGS-Geländes und auch danach zu kleinen Anziehungspunkten werden könnten. Ich muss hier noch einmal ganz deutlich darauf hinweisen, die Leitenden Projektanten der LGS GmbH wurden von verschiedenen Seiten mehrfach auf diese Dinge hingewiesen. Das ist scheinbar die Stadtgeschichte deren sich u.a. auch Frau Klaan neuerdings so bewusst ist. Eine Farce! Eine öffentliche Diskussion müsste erörtern, was die Nordhäuser Bevölkerung wünscht. Ich denke, eine Bürgerinitiative LGS 2004 mit dem Inhalt als Sprachrohr der Bürger zu agieren, um konkret Einfluss auf die Gestaltung ihrer Stadt zu nehmen, wäre eine wünschenswerte, denkbare und notwendige Maßnahme zugleich.
Ich kann nur jedem Bürger nahe legen, sich kontinuierlich mit den geplanten Veränderungen auseinander zu setzen. Wir schimpfen heute über die teilweise zu DDR-Zeiten verunstaltete Innenstadt. Sehen Sie nicht zu, wie eine neue Generation von Planern diese traurige Tradition fortführt. Bestehen Sie als Bürger dieser Stadt auf ihr Mitspracherecht! Planer kommen und gehen, doch wir müssen und wollen hier Leben.
Markus Veit, Nordhausen
Autor: nnzDer LGS GmbH gehören hochbezahlte Fachkräfte an, wenn sich nun aber auf der Pressekonferenz zum Schicksal der Hüterstraße die Geschäftsführerin Inge Klaan hinstellt und erklärt, dass Kompromisse und Einschnitte auch künftig nicht vermeiden zu seien, türmt sich mir der Verdacht auf, als habe die LGS GmbH nicht verstanden, worum es sich eigentlich dreht. Es geht nicht nur um den Erhalt dieser einen Straße. Es herrscht vielmehr ein grundsätzlicher Mangel bezüglich der Verfahrensweise der Planungen, auf Bürgerwünsche kann leider scheinbar nur nach intensivsten öffentlichen Protesten eingegangen werden. Mir ist bewusst, dass aufgrund meines Leserbriefes die öffentliche Diskussion zur Hüterstraße in Gang gebracht wurde und das mir das einige Personen nun verübeln könnten. Die zahlreichen Bürgerproteste, die verlautbar wurden zeigen, dass ich damit in ein Bienennest stach.
Umso mehr empört es mich, wie sich Frau Klaan nun in der Presse präsentiert und mit einer regelrechten Mitleidszeremonie hinsichtlich der Bombenopfer von 1945 versucht die Wogen zu glätten. Es verwundert mich, wie Frau Klaan sich plötzlich Stadtgeschichte und Opfergedenken auf ihre Fahnen schreibt. Es ist doch so, Volkes Wille wurde entsprochen, denn das Aufbegehren um die Hüterstraße wurde zu einem Politikum.
Mir scheint ein fundamentales Missverständnis liegt hier vor, die Stadt hat sich entschlossen die LGS im Stadtzentrum durchzuführen. Es kann doch aber nicht allen Ernstes vorgesehen sein, dass Stadtbild einzig und allein auf die LGS auszurichten, vielmehr muss das LGS-Gelände in Vorhandenes integriert werden. Der Petersberg ist keine strukturlose Freifläche, wo man machen kann was man will.
Die LGS 2004 GmbH versucht sich betont transparent darzustellen, nicht zuletzt auch durch die Bürgerabende zu den jeweiligen Projekten. Dort soll, zunächst auf die Ängste der Bürger eingegangen werden und auch Vorschläge seitens der Bürgerschaft sollen angeblich aufgegriffen werden. Ich bin weiß Gott kein Gegner der LGS - im Gegenteil, das ist für Nordhausen eine einmalige Chance sich weiterzuentwickeln, aber mit und durch die Bürger und nicht von oben herab. Man darf nicht vergessen, dass die LGS nur ein halbes Jahr bestand haben wird, dafür jahrhundertealte Strukturen zu beseitigen wäre unverzeihlich. Vielmehr müssten die Gelder dazu benutzt werden, um ein harmonisches Gleichgewicht von Gegenwart und traditionellen Strukturen zu schaffen.
Die Häuser des Petrikirchplatzes sind durch den Krieg verschwunden, aber das alte Zorgekieselpflaster ist bis jetzt noch vorhanden. Doch wie lange noch?! Die Planungen sehen auch hier eine Beseitigung vor. Die nächste Frage wirft sich auf: Warum ermöglichte man nicht den Schulkindern der Petersbergschulen eine Abkürzung mit der Freilegung der oberen verschütteten Schlunztreppe? Suchgrabungen ergaben, dass die Treppe samt dem Geländer zwischen den Stadtmauern noch vorhanden ist.
Ist eine Rekonstruktion des Judenturmes vorgesehen? Denkbar wäre ein Cafe, gerade zur LGS wäre dies eine lukrative und realisierbare Sache. Warum soll eine absolut abstrakte Beleuchtung um das Stadttheater gruppiert werden? Das 1913-1917 erbaute Gebäude ist ein stilreiner Neoklassizistischer Bau. Zeitgenössische Kandelaber, ähnlich der bisherigen wären geradezu die Pflicht gewesen, die Architekturen des Theaters und der gegenüberliegenden Jugendstil- u. Historismusgebäude entsprechend zu untermauern und den Platz somit stilgerecht an das Gebäudeensemble anzupassen. Geschmackvolle moderne Beleuchtungen sind sehr angebracht, jedoch nur wo sie auch hinpassen. Vor dem Theater sind sie auf jeden Fall absolut fehl am Platze.
Der nächste Fall wäre folgender: An der Ecke Breitscheidstraße/Weberstraße soll eine Treppe entstehen, genau dort befindet sich der Eingang zu ehemaligen Luftschutzanlagen. Eine Aussparung im künftigen Treppenlauf könnte den Besuchern der LGS den Zugang zu den vollständigen erhaltenen unterirdischen Luftschutzanlagen gewähren. Eine Bereicherung der LGS oder für den Geschichtsunterricht wäre das allemal. Es gibt noch unzählige Bereiche der Stadt, die innerhalb des künftigen LGS-Geländes und auch danach zu kleinen Anziehungspunkten werden könnten. Ich muss hier noch einmal ganz deutlich darauf hinweisen, die Leitenden Projektanten der LGS GmbH wurden von verschiedenen Seiten mehrfach auf diese Dinge hingewiesen. Das ist scheinbar die Stadtgeschichte deren sich u.a. auch Frau Klaan neuerdings so bewusst ist. Eine Farce! Eine öffentliche Diskussion müsste erörtern, was die Nordhäuser Bevölkerung wünscht. Ich denke, eine Bürgerinitiative LGS 2004 mit dem Inhalt als Sprachrohr der Bürger zu agieren, um konkret Einfluss auf die Gestaltung ihrer Stadt zu nehmen, wäre eine wünschenswerte, denkbare und notwendige Maßnahme zugleich.
Ich kann nur jedem Bürger nahe legen, sich kontinuierlich mit den geplanten Veränderungen auseinander zu setzen. Wir schimpfen heute über die teilweise zu DDR-Zeiten verunstaltete Innenstadt. Sehen Sie nicht zu, wie eine neue Generation von Planern diese traurige Tradition fortführt. Bestehen Sie als Bürger dieser Stadt auf ihr Mitspracherecht! Planer kommen und gehen, doch wir müssen und wollen hier Leben.
Markus Veit, Nordhausen
Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht zwingend mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
