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Patientenakademie bei Helios in Bleicherode zu Brustkrebs

Vorbeugen und rechtzeitig erkennen

Montag, 02. Oktober 2017, 08:58 Uhr
Ein bösartiger Tumor in der Brustdrüse ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Rechtzeitig erkannt hat Brustkrebs aber gute Heilungschancen. Doch was beeinflusst das Risiko zu erkranken und kann man Brustkrebs vorbeugen...


Diesen Fragen stellt sich Thoralf Amse, Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Helios Klinik Sangerhausen, in der Patientenakademie am Dienstag, den 10.10.2017, um 18.00 Uhr. Vorab spricht er im Interview über Risikofaktoren und Vorbeugung.

Herr Dr. Amse, was beeinflusst das Risiko zu erkranken?

Trotz zahlreicher Bemühungen auf der ganzen Welt, das Risiko zu beschreiben bzw. festzustellen, kann man bis auf genetisch bedingte Erkrankungen, hierzu keinerlei sichere Aussagen machen. Es ist bekannt, dass für hormonrezeptorpositive Mammakarzinome das Risiko durch vor allem in der Postmenopause angelegtes „Reservegewebe“ (Unterhautfettgewebe) deutlich erhöht wird.

Eine häufig in den Medien zitierte Aussage lautet, etwa jede achte Frau müsse mit Brustkrebs rechnen. Stimmt diese Schätzung?

Die Erkrankung an Brustkrebs ist für jede Frau, aber auch für den Mann, ein Schicksalsschlag. Vielfach berücksichtigen die Frauen nicht, dass der enorme Fortschritt in der Diagnostik und Behandlung beim Brustkrebs dazu führt, dass der überwiegende Anteil der Brustkrebspatienten noch sehr viele erkrankungsfreie Jahre vor sich haben wird. Trotzdem muss gesagt werden, dass es richtig ist, dass etwa jede 8. Frau mit Brustkrebs rechnen muss. Umso wichtiger ist, am Früherkennungsprogramm teilzunehmen. Hierzu zählen das Mammografie-Screening, bestimmte sonografische Abklärungen bei tastbaren Befunden bzw. die regelmäßige Vorstellung beim Frauenarzt bis ins hohe Alter.

Was bedeutet der Zusammenhang Hormone – Brustkrebs für die Vorbeugung?

Insgesamt kann man sagen, dass es kein Medikament gibt, was bei einer gesunden Frau Brustkrebs vorbeugen kann. Immer wieder werden Hormone, besonders die in der Peri- und Postmenopause gegeben werden, für die Entstehung von Brustkrebs verantwortlich gemacht. Hierzu hat die Forschung bzw. Studien erbracht, dass die in der Peri- und Postmenopause eingenommenen Hormone lediglich dazu führen, dass die Anlagen, die bereits in der Brust nachzuweisen sind, schneller wachsen und damit der Krebs eher in Erscheinung tritt. Diese Karzinome sind eher harmloser und gut zu behandeln. Die Hormone, die man zur Schwangerschaftsverhütung einnimmt, haben bisher keinen Einfluss auf die Entstehung von Brustkrebs. Man weiß jedoch, dass die hormonellen Schwankungen, die von der Brust immer wieder nachzuweisen sind, eine Verstärkung des Erkrankungsrisikos bedeuten.

Vererbung und Risiko-Gene, erhöhen diese das Risiko an Brustkrebs zu erkranken?

Treten in der Familie gehäuft Brustkrebs-, Eierstockkrebserkrankungen oder beide auf, sollte die Patientin zur Gen-Diagnostik zur Abklärung eines möglichen Risiko-Gens vorgestellt werden. Lediglich 3-5 % an Brustkrebs Erkrankten werden durch Gen-Veränderungen übertragen, die die Familie in sich trägt. Nach Erhalt des genetischen Befundes muss gemeinsam mit den Psychologen, Operateuren und Senologen eine Entscheidung getroffen werden, wie im Einzelfall weiter vorzugehen ist.

Lebensstil: Ernährung, Bewegung, Umweltfaktoren und Psyche. Haben diese Faktoren Einfluss auf das Brustkrebsrisiko?

Die Ernährung hat bei hormonrezeptorpositiven Brustkrebserkrankungen einen deutlichen Einfluss. Hier ist das subkutane Fettgewebe zu nennen, welches vermehrt Hormone zur Verfügung stellt, die dann die Proliferation bzw. das Wachstum des Tumors anregt. Umweltfaktoren, psychische Faktoren sind bisher als ursächliche Faktoren nicht nachzuweisen gewesen. Eine allgemeine sportliche Aktivität bzw. eine regelmäßige Bewegung tut insgesamt dem Körper gut, weil sie helfen, schädliche Abbauprodukte der Zellen abzubauen.

Vorbeugen: Was kann zur Senkung des Brustkrebsrisikos beitragen?

Leider kann man außer der gesunden Lebensweise und ausreichend Sport die Entstehung von Brustkrebs nicht beeinflussen. Es kann nur durch Früherkennung rechtzeitig mit der Behandlung begonnen werden. Umso zeitiger der Brustkrebs einer Behandlung zugeführt wird, umso so kleiner sind die therapeutisch notwendigen Schritte.

Weitere wichtige und interessante Informationen von Dr. Thoralf Amse zum Thema: „Brustkrebs vorbeugen und rechtzeitig erkennen“ erfahren Interessierte zur Patientenakademie in der Helios Klinik Bleicherode. Der Eintritt ist frei.
Autor: red

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