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Der Wirtschaft auf den Zahn gefühlt

Mittwoch, 27. Oktober 2004, 14:48 Uhr
Nordhausen (nnz). Die IHK hat nachgefragt und 431 Unternehmen aus dem Landkreis haben geantwortet. Nun liegt die Auswertung über die subjektive Standortzufriedenheit in Nordhausen von, zum Teil mit überraschenden Ergebnissen.

Ziel der IHK Umfrage war herauszufinden wie die Unternehmer 20 Standortfaktoren einschätzen. Dazu wurden an rund 16.000 Betriebe in Thüringen Fragebögen verschickt. Die Rücklaufqoute sei mit 35, 4% thüringenweit und 38 % in Nordhausen zufriedenstellend. Die Faktoren Kosten, Infrastruktur, Beschaffung/Absatz, Aus- und Weiterbildung, Unternehmensfreundlichkeit und sogenannte weiche Standortfaktoren wie Kulturangebote wurden nach Wichtigkeit und Zufriedenheit bewertet.

Besonders wichtig sind den Unternehmern die Verkehsanbindungen und das wirtschaftspolitische Klima. Wichtig, aber sehr unzufrieden, werden Kostenfaktoren wie Gewerbesteuer, Wasser/Abwasser, Müllgebühren und Grundstückskosten bewertet. Das liege laut Bodo Stadtler vom IHK Wirtschaftsbeirat aber nicht daran, daß diese Kosten objektiv besonders hoch wären. Es freut sich einfach niemand, wenn er etwas bezahlen muß. Da machen auch die Unternehmer keine Ausnahme.

Das wirtschaftspolitische Klima kommt in Nordhausen wie in fast allen thüringer Kreisen schlecht weg. Es wird als besonders wichtig und wenig zufriedenstellend eingestuft. Die für Wirtschaftsförderung zuständigen Mitarbeiteterinnen Dr. Riebel und Dr. Mehne von Stadtverwaltung bzw. Landratsamt wissen seit gestern von dem wenig erfreulichen Ergebnis. Für Udo Rockmann, Leiter der IHK in Nordhausen, gibt es erstaunliche Unterschiede in der Bewertung der Zusammenarbeit. Firmen wie Stiegelmeyer, in der letzten Woche zehn Jahre am Standort „An der Helme“, und Neuansiedler Klemme Tiefkühlbackwaren äußerten sich sehr positiv über die Wirtschaftsförderung und den geringen bürokratischen Aufwand.
Als weniger wichtig bewerten die Firmen Kultur und Freizeiteinrichtungen. Auch die Nähe zu Schulen und die Zusammenarbeit mit Hochschulen bedeutet ihnen weniger. Zum einen läge das geringe Interesse daran, daß man in Nordhausen froh sei die Fachhochschule erst einmal zu haben. Ein weiterer Grund sei, so Stadler, daß rund 50 % der Unternehmer überhaupt nichts mit Forschung und Entwicklung zu tun haben. Für Gastronomen, Händler oder kleine Gewerbebetriebe, die oft verlänerte Werkbänke anderer Unternehmen sind, besteht kein Interesse daran. „Hätte man nur bei uns Ingenierbüros gefragt, dann sähe das Bild ganz anders aus.“ Seit 1990 ist Bodo Stadler mit dem Büro IHU auf dem Markt, was besonders im Bereich der Hydrogeologie tätig ist.

Sehr zufrieden bzw. total unwichtig ist für die Nordhäuser Unternehmen das Vorhandensein von Gewerbeflächen. Udo Rockmann erklärt dazu: „Zur Zeit besteht kein Entwicklungsbedarf. Die Unternehmen, die investieren wollen, haben sich schon im Vorfeld weitere Flächen gesichert.“ Dr. Cornelia Haase-Lerch betreute die Standortanalyse und berichtet, daß die wenigsten Thüringer Unternehmen ihren Standort ausbauen wollen. 78,7% planen keine wesentlichen Änderungen. 18,5 % wollen ihr Unternehmen ausbauen, 2,8 % planen Investitionen an anderen Orten. Nur jeder Zehnte davon will außerhalb der EU tätig werden, ein Fünftel bleibt innerhalb der Union. Dreizig Prozent investieren in Standorte in Deutschland, 40 % in Thüringer Standorte.

Für die Analyse wurden nur bestehende Unternehmen befragt, wobei 95 % fünf bis 50 Mitarbeiter haben. Schachtbau mit 600 Beschäftigten war der größte Teilnehmer. Unternehmen, die sich eventuell in Nordthüringen ansiedeln wollen, konnten für die Umfrage nicht erreicht werden.

Der Verband der Wirtschaft und die IHK werden die Standortanalyse weiter auswerten. Die Situation der Unternehmen soll sich verbessern, was auch durch eine stärkere Zusammenarbeit mit der Politik geschehen wird. In Erfurt werden demnächst Kommunalpolitiker und Unternehmer an einem Tisch zusammensitzen und diskutieren. Solch ein Treffen wäre auch für Nordhausen denkbar.
Autor: nnz

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