Reaktionen am Wahlabend
Wieder bei Null
Montag, 11. September 2017, 06:00 Uhr
Es war ein kleiner politischer Paukenschlag der so von manchem vorher gesagt, von vielen aber so nicht erwartet worden war - Inge Klaan und Kai Buchmann gehen als Kandidaten für den Posten des Nordhäuser Oberbügermeisters in die Stichwahl. Die nnz war am Wahlabend unterwegs und hat die ersten Reaktionen der Wahlgewinner und -verlierer eingesammelt...
Für die eigene Kandidatin hätte man sich ein besseres Ergebnis gewünscht, meinte Landrat Matthias Jendricke, die Stimmungslage sei aber so in den letzten Tagen zu vernehmen gewesen. Wie man sich nun weiter positionieren wird, das werde man morgen beim Treffen der Ortsvorstände beraten.
Die ganz große Katerstimmung herrschte bei der SPD indes nicht, Jutta Krauth verbleibt als Bürgermeisterin auf jeden Fall im Rathaus. Sie hatte einiges zu gewinnen und wenig zu verlieren. "Ich hätte es gerne gemacht", sagte Krauth. Der Zuspruch, den der parteilose Kai Buchmann erhalten habe, sei erstaunlich, "da müssen wir uns alle, in allen Parteien, Gedanken machen".
Jutta Krauth hat es nicht in die Stichwahl geschafft, im Rathaus bleibt die Bürgermeisterin dennoch (Foto: Angelo Glashagel)
Draußen zog derweil ein Teil der Nordhäuser Unternehmerprominenz vorbei mit dem Ziel Café Brandenburg, wo die CDU gedachte ihren Wahlabend zu verbringen. Axel Heck sah in dem Ergebnis vor allem eine Protestwahl. Es reiche anscheinend schon parteilos sein um gut abzuschneiden, sagte der Bauunternehmer, wie man erwarten könne dass man ohne jegliche Politikerfahrung die Stadt in Zukunft besser leiten könne sei ihm schleierhaft. Auch Helmut Peter fand das Wahlergebnis "bedenklich", viele Parteien seien im wahrsten Sinne des Wortes abgestraft worden.
Der Landtagsabgeordneten Katja Mitteldorf machte auch die niedrige Wahlbeteiligung sorgen. Auf 44,8% belief sich die am Ende des Abends. Es sei "gravierend", dass so viele Menschen nicht zur Wahl gegangen seien, das werfe auch Schatten auf die kommende Bundestagswahl. Je niedriger die Wahlbeteiligung, desto stärker fallen prozentuale Anteile ins Gewicht. Gerade mit Hinblick auf die AfD sei das besorgniserregend, meinte Mitteldorf.
Der Bürger will den Politikwechsel, so die Lehre der Grünen aus dem ersten Wahlgang (Foto: Angelo Glashagel)
Eine Wahlempfehlung werde man nicht abgeben, sagte Holger Richter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, die Wählerinnen und Wähler seien von alleine in der Lage weise Entscheidungen zu treffen. Vom Wahlergebnis sei er durchaus positiv überrascht, es habe gezeigt, dass der Wähler für einen Politikwechsel stünde. Der oder die zukünftige OB müssten den Stadtrat zusammenbringen, zur Sacharbeit bewegen und die Zusammenarbeit mit dem Landkreis gut gestalten, so die Meinung der versammelten Grünen.
Die Parteienlandschaft könne sich auf ihre Stammwählerschaft verlassen, auch das hätte das Ergebnis gezeigt, als Parteiloser sei es hingegen scheinbar leichter auch andere und neue Wählergruppen zu erschließen. Für die Grünen nichts schlechtes, in Zukunft werde man Politik offener und thematischer gestalten müssen, meinte Richter, Solidarität sei zunehmend mehr an Themen als an Organisationen gebunden.
Nur ein Zwischenziel erreicht - Inge Klaan geht als Gewinnerin aus dem ersten Wahlgang (Foto: Angelo Glashagel)
Sie habe ein erstes Etappenziel erreicht, meinte Inge Klaan, morgen gehe es wieder "bei Null" los, man werde ab dem ersten Tag an mobilisieren. Sie betrachte den Abend aber auch "mit einem lächelnden und einem weinenden Auge". Auf der einen Seite steht der eigene Wahlerfolg, auf der anderen Seite das Abschneiden des kommenden Kontrahenten. Das man es ohne Programm und ohne Leitlinien aus dem Stand in die Stichwahl schaffen könne sei "ein Affront gegen die Parteien", erklärte Klaan, "ich werde weiter auf mein Programm setzen. Ich weiß, was ich für die Stadt leisten kann. Der Bürger hat es jetzt in der Hand ob er sich für die Erfahrung oder das Experiment entscheidet."
Nach diesem ersten Wahlergebnis sei es wichtig das man als Demokraten nun zusammenrücke, den Streit hinter sich lasse und gemeinsam für die Stadt einstehe, erklärte die Kandidatin der CDU.
Unterstützt worden war Klaan auch von der Nordhäuser FDP. Das man die richtige Kandidatin unterstützt habe, das habe das Wahlergebnis gezeigt, sagte Manuel Thume. Das werde man auch weiterhin tun und zeigen das Frau Klaan die beste Wahl für Nordhausen sei. Glückwünsche gab es am Abend zudem auch vom bisherigen OB, Dr. Klaus Zeh. Der erste Wahlgang bedeute eine gute Ausgangsposition für Inge Klaan, sie habe gute Konzepte für die Stadt, meinte Zeh.
Es dürften zwei sehr interessante Wochen für Nordhausen werden. Ein Heimspiel wird es für keinen der beiden verbleibenden Kandidaten. Das Wählerpotential für Inge Klaan sei ausgeschöpft, diese Einschätzung war am Abend von verschiedenen Seiten immer wieder zu hören. Kann Klaan die Wählerinnen und Wähler von SPD, Linken und Grünen für sich gewinnen, wird es schwer für Buchmann. Sollten sich die Rot-Rot-Grünen Stammwähler der CDU-Frau versagen, könnte es knapp werden für Inge Klaan. Es ist alles noch offen. Die Kandidaten wie die Wähler sind "wieder bei Null".
Angelo Glashagel
Autor: redViel zu gewinnen, wenig zu verlieren
Erste Station: die Geschäftsstelle der Nordhäuser Sozialdemokraten. Kritische Stimmen sind bei den Genossen zu vernehmen, gerade mit Hinblick auf das Ergebnis Kai Buchmanns. Ein parteiloser Kandidat, der es ohne großes Netzwerk aus dem Stand auf ein beachtliches Ergebnis bringt? - das wirft Fragen auf.Für die eigene Kandidatin hätte man sich ein besseres Ergebnis gewünscht, meinte Landrat Matthias Jendricke, die Stimmungslage sei aber so in den letzten Tagen zu vernehmen gewesen. Wie man sich nun weiter positionieren wird, das werde man morgen beim Treffen der Ortsvorstände beraten.
Die ganz große Katerstimmung herrschte bei der SPD indes nicht, Jutta Krauth verbleibt als Bürgermeisterin auf jeden Fall im Rathaus. Sie hatte einiges zu gewinnen und wenig zu verlieren. "Ich hätte es gerne gemacht", sagte Krauth. Der Zuspruch, den der parteilose Kai Buchmann erhalten habe, sei erstaunlich, "da müssen wir uns alle, in allen Parteien, Gedanken machen".
Jutta Krauth hat es nicht in die Stichwahl geschafft, im Rathaus bleibt die Bürgermeisterin dennoch (Foto: Angelo Glashagel)
Draußen zog derweil ein Teil der Nordhäuser Unternehmerprominenz vorbei mit dem Ziel Café Brandenburg, wo die CDU gedachte ihren Wahlabend zu verbringen. Axel Heck sah in dem Ergebnis vor allem eine Protestwahl. Es reiche anscheinend schon parteilos sein um gut abzuschneiden, sagte der Bauunternehmer, wie man erwarten könne dass man ohne jegliche Politikerfahrung die Stadt in Zukunft besser leiten könne sei ihm schleierhaft. Auch Helmut Peter fand das Wahlergebnis "bedenklich", viele Parteien seien im wahrsten Sinne des Wortes abgestraft worden.
Zur Demokratie gehören Kompromisse
Die Wählerinnen und Wähler hätten sich für den Protest entschieden, meinte der Kandidat der Nordhäuser Linken, Michael Mohr. Es sei ein Zeichen, dass sich die Bürger in der Stadtpolitik nicht repräsentiert fühlten. Wer auch immer als Sieger aus der Stichwahl hervorgehe werde sich an der Realtität messen lassen müssen. "Zu einer Demokratie gehören Kompromisse und der Ausgleich von Positionen, darauf kann kein Oberbürgermeister verzichten, man bewegt sich da nicht im luftleeren Raum", sagte Mohr, der auch im Stadtrat sitzt. Das Signal des Abends müsse man Ernst nehmen. Im Stadtrat werde man auch weiterhin für mehr Transparenz eintreten und sich in Zukunft noch mehr darum bemühen, der Bürgerschaft Entscheidungen und Aushandlungsprozesse nahe zu bringen.Der Landtagsabgeordneten Katja Mitteldorf machte auch die niedrige Wahlbeteiligung sorgen. Auf 44,8% belief sich die am Ende des Abends. Es sei "gravierend", dass so viele Menschen nicht zur Wahl gegangen seien, das werfe auch Schatten auf die kommende Bundestagswahl. Je niedriger die Wahlbeteiligung, desto stärker fallen prozentuale Anteile ins Gewicht. Gerade mit Hinblick auf die AfD sei das besorgniserregend, meinte Mitteldorf.
Der Bürger will den Politikwechsel, so die Lehre der Grünen aus dem ersten Wahlgang (Foto: Angelo Glashagel)
Solidarität für Themen statt Parteien
Im Büro der Grünen saß man im Halbdunkel beieinander. Der von den Nordhäuser Bündnis-Grünen unterstützte Kandidat war nach Prozenten der deutliche Verlierer des ersten Wahlgangs. Unzufrieden sei er natürlich, meinte Kandidat Dirk Erfurt, das jetzige Ergebnis habe er so nicht erwartet. "Geradlinigkeit und Erfahrung sind nicht belohnt wurden".Eine Wahlempfehlung werde man nicht abgeben, sagte Holger Richter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, die Wählerinnen und Wähler seien von alleine in der Lage weise Entscheidungen zu treffen. Vom Wahlergebnis sei er durchaus positiv überrascht, es habe gezeigt, dass der Wähler für einen Politikwechsel stünde. Der oder die zukünftige OB müssten den Stadtrat zusammenbringen, zur Sacharbeit bewegen und die Zusammenarbeit mit dem Landkreis gut gestalten, so die Meinung der versammelten Grünen.
Die Parteienlandschaft könne sich auf ihre Stammwählerschaft verlassen, auch das hätte das Ergebnis gezeigt, als Parteiloser sei es hingegen scheinbar leichter auch andere und neue Wählergruppen zu erschließen. Für die Grünen nichts schlechtes, in Zukunft werde man Politik offener und thematischer gestalten müssen, meinte Richter, Solidarität sei zunehmend mehr an Themen als an Organisationen gebunden.
Die erste Hürde ist genommen
Feierstimmung herrschte derweil bei den Christdemokraten. Kein Wunder, Kandidatin Inge Klaan war nach Zahlen die deutliche Siegerin des ersten Wahlgangs. In der Brandenburg war die Atmosphäre gelöst beschwingt. Mike Mohring, Vorsitzender der Thüringer Landes-CDU, sah vor allem Rot-Rot-Grün abgestraft. Inge Klaan habe so viele Stimmen bekommen wie die Kandidaten von SPD, Grünen und Linken zusammen. Dennoch sei das nur ein erster wenn auch erfolgreicher Zwischenschritt. Da die Stichwahl mit der Bundestagswahl zusammenfalle rechne er mit einer deutlich höheren Wahlbeteiligung als in Stichwahlen üblich, so Mohring weiter.
Nur ein Zwischenziel erreicht - Inge Klaan geht als Gewinnerin aus dem ersten Wahlgang (Foto: Angelo Glashagel)
Sie habe ein erstes Etappenziel erreicht, meinte Inge Klaan, morgen gehe es wieder "bei Null" los, man werde ab dem ersten Tag an mobilisieren. Sie betrachte den Abend aber auch "mit einem lächelnden und einem weinenden Auge". Auf der einen Seite steht der eigene Wahlerfolg, auf der anderen Seite das Abschneiden des kommenden Kontrahenten. Das man es ohne Programm und ohne Leitlinien aus dem Stand in die Stichwahl schaffen könne sei "ein Affront gegen die Parteien", erklärte Klaan, "ich werde weiter auf mein Programm setzen. Ich weiß, was ich für die Stadt leisten kann. Der Bürger hat es jetzt in der Hand ob er sich für die Erfahrung oder das Experiment entscheidet."
Nach diesem ersten Wahlergebnis sei es wichtig das man als Demokraten nun zusammenrücke, den Streit hinter sich lasse und gemeinsam für die Stadt einstehe, erklärte die Kandidatin der CDU.
Unterstützt worden war Klaan auch von der Nordhäuser FDP. Das man die richtige Kandidatin unterstützt habe, das habe das Wahlergebnis gezeigt, sagte Manuel Thume. Das werde man auch weiterhin tun und zeigen das Frau Klaan die beste Wahl für Nordhausen sei. Glückwünsche gab es am Abend zudem auch vom bisherigen OB, Dr. Klaus Zeh. Der erste Wahlgang bedeute eine gute Ausgangsposition für Inge Klaan, sie habe gute Konzepte für die Stadt, meinte Zeh.
Nichts gewonnen, nichts verloren
Und der Zweitplatzierte des ersten Wahlgangs? War noch etwas überwältigt. Kai Buchmann hatte den Abend zu Hause verbracht und keine große Party organisiert. "Ich hatte das so nicht erwartet und bin noch ein bisschen geplättet", sagte Buchmann der nnz am Telefon. "Noch ist nichts gewonnen und nichts verloren. Wir starten wieder bei Null."Es dürften zwei sehr interessante Wochen für Nordhausen werden. Ein Heimspiel wird es für keinen der beiden verbleibenden Kandidaten. Das Wählerpotential für Inge Klaan sei ausgeschöpft, diese Einschätzung war am Abend von verschiedenen Seiten immer wieder zu hören. Kann Klaan die Wählerinnen und Wähler von SPD, Linken und Grünen für sich gewinnen, wird es schwer für Buchmann. Sollten sich die Rot-Rot-Grünen Stammwähler der CDU-Frau versagen, könnte es knapp werden für Inge Klaan. Es ist alles noch offen. Die Kandidaten wie die Wähler sind "wieder bei Null".
Angelo Glashagel


