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Oberbürgermeisterwahl in Nordhausen

Eine Klatsche für's System

Sonntag, 10. September 2017, 19:55 Uhr
Die erste Runde der Oberbürgermeisterwahlen in Nordhausen ist absolviert. Und da gab es eine faustdicke Überraschung. Oder war es gar keine...

Er ist der Shootingstar der ersten Wahlrunde - Kai Buchmann (Foto: privat) Er ist der Shootingstar der ersten Wahlrunde - Kai Buchmann (Foto: privat)

Was keine Überraschung war und ist: es wird in zwei Wochen eine Stichwahl geben. Das, was viele vermuteten, ist eingetreten. Inge Klaan war für die meisten als Kandidatin für die Stichwahl gesetzt.

Sie war in diesem Quintett die Bekannteste, konnte aus einem schier unerschöpflichen Wahlkampffonds schöpfen. Kaum ein Lichtmast, kaum ein Großaufsteller, kaum ein Brückengeländer, an dem nicht ein Plakat oder Poster von Inge Klaan hing. Das allein macht aber noch keinen Erfolg aus. Inge Klaan trat in der Öffentlichkeit kompetent auf, ihr Programm hatte Struktur und Klarheit. Sie investierte aber selbst auch Kraft und Zeit, war unterwegs an Haustüren, an Ständen. Eben alles, was heutzutage im Wahlkampf gebraucht wird, selbst die Werbekampagne - vom Plakat bis zu Facebook - hatte einen einheitlichen Guss und strukturierte Klarheit.

Die eigentliche Sensation aber ist das Abschneiden des parteilosen Kandidaten Kai Buchmann. Selbst wenn man ihm die heimliche Unterstützung durch Teile der Sozialdemokratie nachsagt, sein Erfolg und damit die Stichwahl, ist ein klares Zeichen der Nordhäuser Bürger eben mal keine Parteien zu wählen. Keinen Kandidaten, der einem (Partei)bäumchen-Wechsle-Dich gleicht. Keinen Kandidaten, der trotz prominenter Parteiämter keinen einzigen Berufs- oder Studienabschluss in der Tasche hat. Nichts gegen Michael Mohr, aber gegen die Arroganz seiner Partei, dem Wahlvolk so etwas anzubieten.

Dass Jutta Krauth ebenfalls keine Rolle spielte, liegt in der Tragik ihrer Parteizugehörigkeit im Allgemeinen, und der Situation in Nordhausen im Speziellen. Ihre wenigen Vertrauten hatten keine Chance gegen das hinter ihrem Rücken wirkende Nordhäuser System. Oder dachten Dagmar Becker und Anika Gruner wirklich, dass die führenden Sozis es zulassen, dass Frau Krauth Oberbürgermeisterin werden kann?

Kai Buchmann hat gezeigt, dass sich die Menschen von etablierter Politik immer mehr abwenden, wenn sie eine Alternative haben. Die hatte einen Namen - Buchmann. Wer kannte ihn noch vor einem halben Jahr? Wahlkampf mit Ständen oder Bollerwagen, Klingeln an Haustüren? Fehlanzeige. Es reichte trotzdem für die Stichwahl. Wer hätte das gedacht? Die ganz Tollkühnen unter den Nordhäusern wagten schon vor zwei oder drei Wochen eine These: Wenn der Buchmann in die Stichwahl kommt, dann wir er neuer Oberbürgermeister. Was eigentlich spricht dagegen? Das linke Lager wird ihn jetzt unterstützen, während Inge Klaan auf sich selbst und die Unterstützung der FDP zählen kann.

Übrigens, auch das will ich mir nicht verkneifen: Sieger dieser ersten Wahlrunde sind die beiden Kandidaten, die auch in den nnz-Umfragen vorn lagen - :-)
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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