Wer trägt Verantwortung?
Dienstag, 26. Oktober 2004, 10:11 Uhr
Nordhausen (nnz). In den zurückliegenden Wochen war der Wirtschaftsstandort Deutschland von mehreren Erdbeben erschüttert worden. Karstadt-Quelle, Opel, Märklin, Volkswagen – die Liste der Unternehmen ließe sich beliebig fortsetzen. Nicht immer jedoch lag es am Standort Deutschland, sondern oftmals an Fehlern des Managements. Auch in Nordhausen könnte das der Fall sein...
In dieser Woche nun soll die Entscheidung fallen, ob die Nobas in Nordhausen Anfang nächsten Jahres dicht gemacht werden soll oder nicht. Angeblich hätten es die Beschäftigten in ihren Händen, sie könnten bestimmen, ob sie weiter in der Rothenburgstraße beschäftigt werden oder ob sie zum Arbeitsamt gehen. So jedenfalls suggeriert es die Geschäftsleitung, so suggeriert es Aribert Kupsch. Was er bei seiner Argumentation vergisst ist schlicht und ergreifend die Tatsache, dass die Nobas-Mitarbeiter erpresst werden. Sie sollen mehr arbeiten und weniger in der Tasche haben. Wenn sie damit nicht einverstanden sind, dann wäre eben Schluß, Alternativen gebe es nicht.
Da ist der einfache Weg, er soll vor allem ablenken von Fehlern, die nicht von den 140 Arbeitnehmern gemacht wurden, sondern von denen, die die Nobas in die jetzige Situation gelenkt haben. Die Geschichte des einstigen Baggerbauers ist hinlänglich bekannt. Spätestens nach dem Ende des Vertriebspartners BOMAG im Jahr 2001 hätte man in der Nobas-Chefetage aufwachen müssen. Es stellt sich die Frage, in welchem Zeitrahmen die Übergangsphase anzusehen ist und wann sich die Nobas auf seine Kernkompetenz beschränkt und die Aktivitäten aufgibt, die nach dem Motto Filling the Factory ergriffen wurden. Diese Frage wird in einem Bericht von EWR-Consulting in Frankfurt am Main aufgeworfen. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen hatte die Nobas in den vergangenen Wochen unter die Lupe genommen.
Die EWR kommt unter anderem zu dem Schluß, dass die Motorgrader aus Nordhausen ein gutes und marktgängiges Produkt seien und als das Zukunftspotential anzusehen seien. In ihrem Bericht gehen die Frankfurter dann aber noch weiter. Sie schlagen Veränderungen in der Leitungsstruktur vor. Und so heißt es in dem Bericht: Derzeit besteht eine starke Steuerung aus der Papenburg-Gruppe. Für die strategische Zukunftsausrichtung ist ein höheres Maß von lokaler Führungskompetenz und Eigenverantwortung wünschenswert, wenn nicht notwendig!
Für richtig erachten die Wirtschaftsprüfer den weiteren Ausbau des Vertriebs, der nach dem BOMAG-Rückzug notwendig wurde. So soll im kommenden Jahr der Händlerstamm deutlich ausgebaut werden. Fakt ist, die Nobas kann nur überleben, wenn Sie auf Kundenwünsche schnell und flexibel reagieren kann. Deshalb sollte nicht auf Großaufträge gesetzt werden, was der Auftrag aus Griechenland (nnz berichtete) leidvoll gezeigt habe.
Probleme gibt es aber auch in anderen Bereichen. So ist die siebenköpfige Konstruktionsabteilung überaltert, meint EWR, drei Mitarbeiter seien jenseits der 60, ein weiterer Mitarbeiter wird bald in den Ruhestand gehen. Mit dem Nachwuchs gibt es Probleme, so konnte ein Praktikant in der Konstruktionsabteilung nicht zur dauerhaften Mitarbeit gewonnen werden. Im Rechnungswesen würde die Nobas immer noch auf zwei unterschiedliche Systeme setzen, die zu dem über keine gemeinsame Schnittstelle verfügen.
Die Prüfer kommen insgesamt zu dem Schluß, dass die Verluste in diesem Jahr deutlich höher als bisher ausfallen werden. Hintergrund ist aus ihrer Sicht die Übertragung von Verlusten aus dem vergangenen Jahr. Es ist aber auch das Risiko, dass dem Unternehmen Leistungsklage von Mitarbeitern drohen, die für nicht gezahlte Lohnansprüche geltend gemacht werden.
Letztlich seien jedoch für die Fortführung der Nobas gute Voraussetzungen vorhanden. Jedoch seien neben der Tarifeinigung die Neuordnung der Führungsstruktur und Steuerung des Unternehmens am wichtigsten, meinen die Wirtschaftsprüfer aus Frankfurt am Main. Und dafür sind nun wahrlich nicht nur die Arbeitnehmer oder der Betriebsrat gefragt.
Autor: nnzIn dieser Woche nun soll die Entscheidung fallen, ob die Nobas in Nordhausen Anfang nächsten Jahres dicht gemacht werden soll oder nicht. Angeblich hätten es die Beschäftigten in ihren Händen, sie könnten bestimmen, ob sie weiter in der Rothenburgstraße beschäftigt werden oder ob sie zum Arbeitsamt gehen. So jedenfalls suggeriert es die Geschäftsleitung, so suggeriert es Aribert Kupsch. Was er bei seiner Argumentation vergisst ist schlicht und ergreifend die Tatsache, dass die Nobas-Mitarbeiter erpresst werden. Sie sollen mehr arbeiten und weniger in der Tasche haben. Wenn sie damit nicht einverstanden sind, dann wäre eben Schluß, Alternativen gebe es nicht.
Da ist der einfache Weg, er soll vor allem ablenken von Fehlern, die nicht von den 140 Arbeitnehmern gemacht wurden, sondern von denen, die die Nobas in die jetzige Situation gelenkt haben. Die Geschichte des einstigen Baggerbauers ist hinlänglich bekannt. Spätestens nach dem Ende des Vertriebspartners BOMAG im Jahr 2001 hätte man in der Nobas-Chefetage aufwachen müssen. Es stellt sich die Frage, in welchem Zeitrahmen die Übergangsphase anzusehen ist und wann sich die Nobas auf seine Kernkompetenz beschränkt und die Aktivitäten aufgibt, die nach dem Motto Filling the Factory ergriffen wurden. Diese Frage wird in einem Bericht von EWR-Consulting in Frankfurt am Main aufgeworfen. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen hatte die Nobas in den vergangenen Wochen unter die Lupe genommen.
Die EWR kommt unter anderem zu dem Schluß, dass die Motorgrader aus Nordhausen ein gutes und marktgängiges Produkt seien und als das Zukunftspotential anzusehen seien. In ihrem Bericht gehen die Frankfurter dann aber noch weiter. Sie schlagen Veränderungen in der Leitungsstruktur vor. Und so heißt es in dem Bericht: Derzeit besteht eine starke Steuerung aus der Papenburg-Gruppe. Für die strategische Zukunftsausrichtung ist ein höheres Maß von lokaler Führungskompetenz und Eigenverantwortung wünschenswert, wenn nicht notwendig!
Für richtig erachten die Wirtschaftsprüfer den weiteren Ausbau des Vertriebs, der nach dem BOMAG-Rückzug notwendig wurde. So soll im kommenden Jahr der Händlerstamm deutlich ausgebaut werden. Fakt ist, die Nobas kann nur überleben, wenn Sie auf Kundenwünsche schnell und flexibel reagieren kann. Deshalb sollte nicht auf Großaufträge gesetzt werden, was der Auftrag aus Griechenland (nnz berichtete) leidvoll gezeigt habe.
Probleme gibt es aber auch in anderen Bereichen. So ist die siebenköpfige Konstruktionsabteilung überaltert, meint EWR, drei Mitarbeiter seien jenseits der 60, ein weiterer Mitarbeiter wird bald in den Ruhestand gehen. Mit dem Nachwuchs gibt es Probleme, so konnte ein Praktikant in der Konstruktionsabteilung nicht zur dauerhaften Mitarbeit gewonnen werden. Im Rechnungswesen würde die Nobas immer noch auf zwei unterschiedliche Systeme setzen, die zu dem über keine gemeinsame Schnittstelle verfügen.
Die Prüfer kommen insgesamt zu dem Schluß, dass die Verluste in diesem Jahr deutlich höher als bisher ausfallen werden. Hintergrund ist aus ihrer Sicht die Übertragung von Verlusten aus dem vergangenen Jahr. Es ist aber auch das Risiko, dass dem Unternehmen Leistungsklage von Mitarbeitern drohen, die für nicht gezahlte Lohnansprüche geltend gemacht werden.
Letztlich seien jedoch für die Fortführung der Nobas gute Voraussetzungen vorhanden. Jedoch seien neben der Tarifeinigung die Neuordnung der Führungsstruktur und Steuerung des Unternehmens am wichtigsten, meinen die Wirtschaftsprüfer aus Frankfurt am Main. Und dafür sind nun wahrlich nicht nur die Arbeitnehmer oder der Betriebsrat gefragt.
