Briefe aus Bad Schandau (1)
Dienstag, 26. Oktober 2004, 07:52 Uhr
Bad Schandau (nnz). Ein nnz-Mitarbeiter macht mal wieder Urlaub. Doch nicht im bayerischen Bad Füssing, sondern mitten in der sächsischen Schweiz. In Bad Schandau. Die Stadt hatte in den zurückliegenden Jahren mit mehreren Katastrophen zu kämpfen...
Schlendert man im Tal der Elbe durch Bad Schandau, dann kann man sich kaum vorstellen, dass all das im August 2002 nicht möglich war. Das Hochwasser der Elbe hatte damals fast alles verschluckt, die Erdgeschosse von Wohnungen, Einkaufsmärkten oder Hotels standen komplett unter Wasser. Viele Hausbesitzer haben das mit kleinen Schildern dokumentarisch an ihren Fassaden festgehalten. In allen Fällen schaut man noch oben, um die Marken zu erkennen.
Doch Bad Schandau hatte in die Hände gespuckt, gemeinsam sei man an die Bewältigung der Hochwasserschäden gegangen. So auch im Parkhotel, unmittelbar am Elbeufer. Alles ist wieder schick und schön, vieles wurde noch mal aufgewertet, Historisches sorgsam gepflegt. Trotzdem war es nicht einfach, denn erst einmal blieben die Gäste aus, erst in diesem Jahr konnte wieder eine einigermaßen befriedigende Bilanz erreicht werden.
Und doch haben viele nach der Hochwasser-Katastrophe einfach aufgegeben. Auch in der Innenstadt. Rund um den Markplatz gab es einmal einen Jeans-Shop, ein Reisebüro, eine Drogerie. Außer verwaschenen Farben an den Fassaden zeugen nur noch vernagelte Schaufenster von der wirtschaftlichen Katastrophe. Vor allem die Kleinen haben nicht noch einmal die Kraft und den Mut zum Weitermachen gehabt. Auch entlang des Kirnitschtals – dort wo sich die Ferienapartments an einander reihten, dort starren leere Fenster auf den kleinen Fluß und die Linie der historischen Straßenbahn.
Glaubt man den überregionalen Medien, dann habe die Sächsische Schweiz in diesem Jahr eine zweite Katastrophe erlitten. Mit den Landtagswahlen habe sich auf das Elbsandsteingebirge ein brauner Schleier gelegt. Die NPD wurde in Bad Schandau von mehr als 16 Prozent der Menschen gewählt. Es ist schwer, an die Motive der Wähler heranzukommen, die sich für die Rechtsradikalen entschieden hatten. Die meisten wollen keinen Namen nennen, sie hätten den normalen Parteien einen Rüffel verpassen wollen. Es seien die Parteien, die zugelassen hätten, dass sich die Grenze zu Tschechien so weit geöffnet habe. Klar, dort drüben könne man billiger tanken, doch einige Tanken entlang des Elbtals hinter Pirna haben aufgeben müssen. Nicht viel besser ergeht es dem kleinen Handel, dem Friseur, dem Kosmetikstudio oder dem Zahnarzt – keine Chance mehr. Selbst die Urlauber shoppen lieber in Decin als in Bad Schandau.
Die Menschen haben die Nase voll von dieser offenen Grenze, von einem großen Europa, von den Reformen der Bundesregierung, die damals auch die CDU zu spüren bekam. Trotzdem: In Bad Schandau hatten 43 Prozent CDU und 23 Prozent PDS gewählt. Die SPD erhielt lediglich 7 Prozent.
Autor: nnzSchlendert man im Tal der Elbe durch Bad Schandau, dann kann man sich kaum vorstellen, dass all das im August 2002 nicht möglich war. Das Hochwasser der Elbe hatte damals fast alles verschluckt, die Erdgeschosse von Wohnungen, Einkaufsmärkten oder Hotels standen komplett unter Wasser. Viele Hausbesitzer haben das mit kleinen Schildern dokumentarisch an ihren Fassaden festgehalten. In allen Fällen schaut man noch oben, um die Marken zu erkennen.
Doch Bad Schandau hatte in die Hände gespuckt, gemeinsam sei man an die Bewältigung der Hochwasserschäden gegangen. So auch im Parkhotel, unmittelbar am Elbeufer. Alles ist wieder schick und schön, vieles wurde noch mal aufgewertet, Historisches sorgsam gepflegt. Trotzdem war es nicht einfach, denn erst einmal blieben die Gäste aus, erst in diesem Jahr konnte wieder eine einigermaßen befriedigende Bilanz erreicht werden.
Und doch haben viele nach der Hochwasser-Katastrophe einfach aufgegeben. Auch in der Innenstadt. Rund um den Markplatz gab es einmal einen Jeans-Shop, ein Reisebüro, eine Drogerie. Außer verwaschenen Farben an den Fassaden zeugen nur noch vernagelte Schaufenster von der wirtschaftlichen Katastrophe. Vor allem die Kleinen haben nicht noch einmal die Kraft und den Mut zum Weitermachen gehabt. Auch entlang des Kirnitschtals – dort wo sich die Ferienapartments an einander reihten, dort starren leere Fenster auf den kleinen Fluß und die Linie der historischen Straßenbahn.
Glaubt man den überregionalen Medien, dann habe die Sächsische Schweiz in diesem Jahr eine zweite Katastrophe erlitten. Mit den Landtagswahlen habe sich auf das Elbsandsteingebirge ein brauner Schleier gelegt. Die NPD wurde in Bad Schandau von mehr als 16 Prozent der Menschen gewählt. Es ist schwer, an die Motive der Wähler heranzukommen, die sich für die Rechtsradikalen entschieden hatten. Die meisten wollen keinen Namen nennen, sie hätten den normalen Parteien einen Rüffel verpassen wollen. Es seien die Parteien, die zugelassen hätten, dass sich die Grenze zu Tschechien so weit geöffnet habe. Klar, dort drüben könne man billiger tanken, doch einige Tanken entlang des Elbtals hinter Pirna haben aufgeben müssen. Nicht viel besser ergeht es dem kleinen Handel, dem Friseur, dem Kosmetikstudio oder dem Zahnarzt – keine Chance mehr. Selbst die Urlauber shoppen lieber in Decin als in Bad Schandau.
Die Menschen haben die Nase voll von dieser offenen Grenze, von einem großen Europa, von den Reformen der Bundesregierung, die damals auch die CDU zu spüren bekam. Trotzdem: In Bad Schandau hatten 43 Prozent CDU und 23 Prozent PDS gewählt. Die SPD erhielt lediglich 7 Prozent.
