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Da wird man wieder jung!

Sonntag, 24. Oktober 2004, 16:08 Uhr
Nordhausen (nnz/sf). Schon der BallettAufTakt im September machte „Lust auf mehr“! Das neue Ballettensemble unter der Leitung von Jutta Wörne überzeugte dort mit Unbekümmertheit, Frische, Freundlichkeit und dem Versprechen, für die Menschen des Südharzes auf der Bühne zu tanzen. Die Zuschauer des nahezu ausverkauften Theaters wollten am Freitagabend sehen, ob dieses Versprechen eingelöst wurde...


Und gleich vorab: Sie wurden nicht enttäuscht! Die Geschichte ist kurz erzählt (Libretto Hermann Bareis): Die beiden Gang`s der „GOLFS“ und der „MANTAS“ rivalisieren gegeneinander. Das Liebespaar Donna (Golfs) und Michael (Mantas) müssen ihre Liebe geheim halten. Dazwischen steht Miroslav. Er wird Zeuge eines tödlichen Unfalls des Manta–Mädchens Teresa, in die er sich verliebte. Michael gerät in den Verdacht, Teresa ermordet zu haben. An Miroslav ist es jetzt, Michael zu entlasten und so Donna`s und Michaels Liebe zu retten . . .

Das Grundthema ist nicht neu. Shakespeare verarbeitete es in ROMEO UND JULIA und es erinnert eben auch ein wenig an die WEST SIDE STORRY. Das wird aber zur Nebensache durch dieses brillante Ensemble, aufgestockt durch das starke Extraballett und sichere Statisten. Jutta Wörne (Choreographie) führt Solisten und Ensemble mit atemberaubendem Tempo durch die Szenen. Sie verwebt den so genannten Modern-Dance und klassische Elemente (z.B. Spitzentanz) mit einer Leichtigkeit, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Sportliche und anrührend tiefgründige Sequenzen verschmelzen, ohne zu kollidieren zu einem Gesamtwerk, das sich zurecht TANZTHEATER nennen darf.

Die zehn sicher nicht unaufwendigen Umbauten (Bühne: Frank Olle) passieren unmerklich, beschreiben sicher die Spielorte, geben aber auch gleichzeitig genug Raum für den Tanz. Lob auch für die Bühnentechnik für Ruhe und Schnelligkeit! Eine kleine Hommage an Nordhausen ist sicher auch die Verwendung einer alten Parkbank und einer Leuchte in der Parkszene, die noch vor wenigen Jahren den Theatervorplatz zierten. Sonja Hesse entwarf stimmige, jugendliche, praktische Kostüme, ohne sich extrem auf Zeitzeichen der 80er zu setzen.

Der Zuschauer wird durch die Auswahl der Musiktitel mitgerissen. Das Publikum war mit den Tänzerinnen und Tänzern in ständiger Bewegung. Der Rezensent verzichtet bewusst auf die namentliche Nennung der Darsteller, weil der Premierenabend eine einzigartige Ensembleleistung war und viele der Solopartien doppelt besetzt sind. Er wird wenigstens noch einmal diesen bewegenden Abend besuchen.

Unbedingt muss auf das Programmheft aufmerksam gemacht werden. Ohne überflüssigen dramaturgischen Ballast führt es den Zuschauer durch die Szenen. Eigene persönliche Erlebnisse erzählen unaufdringlich Dramaturgin Anja Eisner und Hermann Bareis. Was bleibt am Ende dieser Rezension übrig? Ein herzlicher Glückwunsch an die Compagnie und das Theater Nordhausen! Ein Theaterabend, den sich kein nnz-Leser entgehen lassen sollte. Die vielen Bravo-Rufe am Premierenabend geben mir für diesen Tipp genug Anlass.
S.F.
Autor: nnz

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