nnz-Forum: Offener Brief
Donnerstag, 21. Oktober 2004, 13:46 Uhr
Eichsfeld (nnz). Die NPD möchte ihren Bundesparteitag in der Obereichsfeldhalle in Leinefelde abhalten. Dr. Johanna Scheringer-Wright warnt in einem offenen Brief vor der brauen Gefahr.
Liebe Mitbürger
Vor dem Hintergrund der gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen der Stadt Leinefelde und der NPD über die Abhaltung des Bundesparteitags der NPD in der Obereichsfeldhalle appelliere ich an alle Antifaschisten, Humanisten, Christen und fortschrittlich denkende Menschen im Eichsfeld und im Umland, gegen neonazistisches Gedankengut öffentlich Stellung zu beziehen. Dies tue ich unabhängig davon, wie die Gerichte entscheiden werden und ob der NPD Bundesparteitag letztlich in Leinefelde stattfinden wird oder nicht, denn nicht nur ich muss erfahren, dass eine latente Durchdringung unserer Gesellschaft mit dem Gedankengut der NPD und anderer nationalextremer Parteien und Gruppen auch hier im Eichsfeld stattfindet. Antisemitische, ausländerfeindliche, umsiedlerfeiendliche und antidemokratische Parolen haben in Schulen und auch in vielen Familien Einzug gehalten.
Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Rechtsextreme Gruppen machen sich legal, indem sie zu den neofaschistischen, aber zugelassenen, Parteien wie DVU und NPD stoßen und sich scheinbar der Probleme der benachteiligten, aber wohlgemerkt, nur deutschen Bevölkerung annehmen. Beispiel hierfür ist die Beteiligung Rechtsextremer an Demonstrationen gegen Hartz IV. Zunehmend wird Rechtsextremismus über Musik vermittelt, aktuelles Beispiel ist der Plan von Neofaschisten CDs mit volksverhetzenden Musiktexten vor Schulen zu verteilen.
In einer Zeit des radikalen Sozialabbaus, der systematischen Verunsicherung vieler Menschen z.B. bezüglich der Rentenaussichten, in der Jugendliche oftmals keine Perspektive haben oder sehen, breitet sich Ohnmacht, aber auch Wut aus. Parolen wie die von Sozialschmarotzern und Ausländern, die nur Sozialleistungen abgreifen wollen, bieten willkommene Ventile und die so Gebrandmarkten willkommene Sündenböcke. Dieses Gedankengut ist in unserer Gesellschaft inzwischen so weit verbreitet, dass es nicht nur von Neonazis, sondern auch von Bürgern, die sich selbst als gemäßigt betrachten, vertreten wird. Dagegen anzugehen und aufzuklären sehe ich als die tägliche Aufgabe und Pflicht jedes wahren Demokraten an.
Zu schweigen, oder abzuwiegeln wird uns nichts bringen. Das haben die Beispiele in Sachsen und anderswo gezeigt. Auch hier im Eichsfeld ist die Formierung einer NPD Gruppe im Gange - ein bekannter rechtsextremer Anführer, der einschlägig vorbestraft ist, u.a. wegen Körperverletzung, lebt und agiert hier im Eichsfeld unter uns. Das braune Gedankengut wird also nicht von selber weggehen, im Gegenteil durch immer neue Medien, etwa über rechte Rockmusik werden Rassismus, Intoleranz und Gewalttätigkeit hip und schick.
Ich fordere Sie auf, meine Mitbürger, hören Sie zu, was Ihr Kind aus der Schule erzählt, von der Disko oder aus dem Jungendklub mit heimbringt. Diskutieren Sie und nehmen Sie deutlich Stellung gegen ausländerfeindliche und andere diskriminierende Aussagen, sei es im Betrieb oder in der Kneipe, mit Erwachsenen oder Jugendlichen. Denn durch die braunen Gesellen und ihre Ideologie haben wir viel zu verlieren: Sicherheit, Freiheit und Weltoffenheit.
Und sollte es doch zum NPD Parteitag hier im schönen Eichsfeld kommen, dann zähle ich auch auf Sie, den Nazis entschiedenen Protest entgegenzusetzen.
Dr. Johanna Scheringer-Wright, Mitglied des Thüringer Landtages, PDS-Fraktion, Wahlkreis Obereichsfeld
Liebe Mitbürger
Vor dem Hintergrund der gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen der Stadt Leinefelde und der NPD über die Abhaltung des Bundesparteitags der NPD in der Obereichsfeldhalle appelliere ich an alle Antifaschisten, Humanisten, Christen und fortschrittlich denkende Menschen im Eichsfeld und im Umland, gegen neonazistisches Gedankengut öffentlich Stellung zu beziehen. Dies tue ich unabhängig davon, wie die Gerichte entscheiden werden und ob der NPD Bundesparteitag letztlich in Leinefelde stattfinden wird oder nicht, denn nicht nur ich muss erfahren, dass eine latente Durchdringung unserer Gesellschaft mit dem Gedankengut der NPD und anderer nationalextremer Parteien und Gruppen auch hier im Eichsfeld stattfindet. Antisemitische, ausländerfeindliche, umsiedlerfeiendliche und antidemokratische Parolen haben in Schulen und auch in vielen Familien Einzug gehalten.
Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Rechtsextreme Gruppen machen sich legal, indem sie zu den neofaschistischen, aber zugelassenen, Parteien wie DVU und NPD stoßen und sich scheinbar der Probleme der benachteiligten, aber wohlgemerkt, nur deutschen Bevölkerung annehmen. Beispiel hierfür ist die Beteiligung Rechtsextremer an Demonstrationen gegen Hartz IV. Zunehmend wird Rechtsextremismus über Musik vermittelt, aktuelles Beispiel ist der Plan von Neofaschisten CDs mit volksverhetzenden Musiktexten vor Schulen zu verteilen.
In einer Zeit des radikalen Sozialabbaus, der systematischen Verunsicherung vieler Menschen z.B. bezüglich der Rentenaussichten, in der Jugendliche oftmals keine Perspektive haben oder sehen, breitet sich Ohnmacht, aber auch Wut aus. Parolen wie die von Sozialschmarotzern und Ausländern, die nur Sozialleistungen abgreifen wollen, bieten willkommene Ventile und die so Gebrandmarkten willkommene Sündenböcke. Dieses Gedankengut ist in unserer Gesellschaft inzwischen so weit verbreitet, dass es nicht nur von Neonazis, sondern auch von Bürgern, die sich selbst als gemäßigt betrachten, vertreten wird. Dagegen anzugehen und aufzuklären sehe ich als die tägliche Aufgabe und Pflicht jedes wahren Demokraten an.
Zu schweigen, oder abzuwiegeln wird uns nichts bringen. Das haben die Beispiele in Sachsen und anderswo gezeigt. Auch hier im Eichsfeld ist die Formierung einer NPD Gruppe im Gange - ein bekannter rechtsextremer Anführer, der einschlägig vorbestraft ist, u.a. wegen Körperverletzung, lebt und agiert hier im Eichsfeld unter uns. Das braune Gedankengut wird also nicht von selber weggehen, im Gegenteil durch immer neue Medien, etwa über rechte Rockmusik werden Rassismus, Intoleranz und Gewalttätigkeit hip und schick.
Ich fordere Sie auf, meine Mitbürger, hören Sie zu, was Ihr Kind aus der Schule erzählt, von der Disko oder aus dem Jungendklub mit heimbringt. Diskutieren Sie und nehmen Sie deutlich Stellung gegen ausländerfeindliche und andere diskriminierende Aussagen, sei es im Betrieb oder in der Kneipe, mit Erwachsenen oder Jugendlichen. Denn durch die braunen Gesellen und ihre Ideologie haben wir viel zu verlieren: Sicherheit, Freiheit und Weltoffenheit.
Und sollte es doch zum NPD Parteitag hier im schönen Eichsfeld kommen, dann zähle ich auch auf Sie, den Nazis entschiedenen Protest entgegenzusetzen.
Dr. Johanna Scheringer-Wright, Mitglied des Thüringer Landtages, PDS-Fraktion, Wahlkreis Obereichsfeld
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