Heute im blauen Zelt
Nahtod und Lebenslust, Befreiung und Zwang
Samstag, 02. September 2017, 13:13 Uhr
Theater der etwas anderen Art wird man heute Abend wieder im blauen Zappelini-Zelt an der Rothleimmühle erleben können. Mit seiner Show "Laute Stille" steht dann Elias Elastisch auf der Bühne. Gezeigt wird Pantomime abseits der üblichen Klischees, acht kleine Grotesken rund um den Alltag eines Pagen und seiner Gäste sorgen für herbe, manchmal morbide Unterhaltung...
Polizeisirenen und Maschinengewehrgeknatter, Blowjobs und Schuhwichse, Nahtoderfahrungen und Lebenslust - leicht und seicht oder gar leise ist sie nicht, die "Laute Stille" des Elias Elastisch. Wie in der Pantomime üblich wird kein Wort gesagt und doch schreien seien Charaktere, mal vor Angst, mal vor Wut und Frust.
Insgesamt acht Personen hat sich Künstler Elias Elastisch für sein Solo-Programm ausgedacht, alle Einzigartig, alle mit ihren eigenen Macken und Problemen. Den Pagen etwa begleitet das Publikum fast schon als Voyeurist. Gelassen wirkt er, mit der imaginären Zigarette in der Hand, bis die Klingel und die Gäste rufen. Dem servilen Alltag folgt der Tagtraum, Phantasien von Macht und Gewalt. Der Zeitgeist rafft und schlingt hingegen, erfreut sich an seiner Maßlosigkeit und droht durch selbige dahin zu gehen, ist schon fast im Tod entschwunden, bevor er zurückfindet in ruhigere Gewässer und andere Genüsse.
Es ist ein sozialkritisches Stück, das Elias Elastisch da auf die Bühne bringt und durch seine Art der Darstellung eine ganz andere Erfahrung, als althergebrachtes Schauspiel. Malerei und Karikatur hätten ihn schließlich zur Mimenkunst gebracht, erzählt Elias am Vormittag, er hat sich viel mit ihr beschäftigt, nicht nur auf der Bühne. Vor etwas weniger als einem guten Jahrhundert hatte der Franzose Marcel Marceau die Pantomime als neue Kunstform populär gemacht. Er prägt bis heute das Klischee der stummen Schauspieler: weiß geschminktes Gesicht, schwarze Träne unter dem Auge, schwarz-weiß gestreiftes Hemd, vielleicht ein Barrett, für den echt französischen Touch. Was Pantomime heute wirklich sein könne, das wüssten die meisten nicht, meinte Elias Elastisch.
Was er und mit ihm seine wenigen, bekannten und international erfolgreichen Kollegen heute tun, ist anders. Elastisch arbeitet mit Kostümen, Titeln und ausdruckstarker Körperlichkeit, die an die Stummfilmära erinnern. Zu Film und Fernsehen gäbe es viele Paralellen in der Darstellung, erklärte der Künstler, deswegen sei die Erzählweise dem Betrachter auch vertraut, obwohl keine Worte fallen und erleichtere den Zugang zum Stück. Seine Geschichten garniert er bewusst mit schwarzen Humor, das lockere die durchaus ernste Thematik auf. "Platte Witze sind nicht so meine Sache, ich gehe er in Richtung Kabarett. Ich will nicht Dinge spielen, die die Leute morgen schon wieder vergessen haben", erklärte Elias Elastisch seine Philosophie, die Pantomime lasse dem Publikum viel Raum für die eigene Fantasie und müsse deswegen auch dicht am Menschen spielen. Kleine Bühnen wie das Zappelini Zelt seien da viel besser geeignet als große Theater.
Das Ergebnis wird man heute Abend ab 19 Uhr im blauen Zappelini Zelt auf dem Gelände der Rothleimmühle am Altentor erleben können.
Angelo Glashagel
Autor: redPolizeisirenen und Maschinengewehrgeknatter, Blowjobs und Schuhwichse, Nahtoderfahrungen und Lebenslust - leicht und seicht oder gar leise ist sie nicht, die "Laute Stille" des Elias Elastisch. Wie in der Pantomime üblich wird kein Wort gesagt und doch schreien seien Charaktere, mal vor Angst, mal vor Wut und Frust.
Insgesamt acht Personen hat sich Künstler Elias Elastisch für sein Solo-Programm ausgedacht, alle Einzigartig, alle mit ihren eigenen Macken und Problemen. Den Pagen etwa begleitet das Publikum fast schon als Voyeurist. Gelassen wirkt er, mit der imaginären Zigarette in der Hand, bis die Klingel und die Gäste rufen. Dem servilen Alltag folgt der Tagtraum, Phantasien von Macht und Gewalt. Der Zeitgeist rafft und schlingt hingegen, erfreut sich an seiner Maßlosigkeit und droht durch selbige dahin zu gehen, ist schon fast im Tod entschwunden, bevor er zurückfindet in ruhigere Gewässer und andere Genüsse.
Es ist ein sozialkritisches Stück, das Elias Elastisch da auf die Bühne bringt und durch seine Art der Darstellung eine ganz andere Erfahrung, als althergebrachtes Schauspiel. Malerei und Karikatur hätten ihn schließlich zur Mimenkunst gebracht, erzählt Elias am Vormittag, er hat sich viel mit ihr beschäftigt, nicht nur auf der Bühne. Vor etwas weniger als einem guten Jahrhundert hatte der Franzose Marcel Marceau die Pantomime als neue Kunstform populär gemacht. Er prägt bis heute das Klischee der stummen Schauspieler: weiß geschminktes Gesicht, schwarze Träne unter dem Auge, schwarz-weiß gestreiftes Hemd, vielleicht ein Barrett, für den echt französischen Touch. Was Pantomime heute wirklich sein könne, das wüssten die meisten nicht, meinte Elias Elastisch.
Was er und mit ihm seine wenigen, bekannten und international erfolgreichen Kollegen heute tun, ist anders. Elastisch arbeitet mit Kostümen, Titeln und ausdruckstarker Körperlichkeit, die an die Stummfilmära erinnern. Zu Film und Fernsehen gäbe es viele Paralellen in der Darstellung, erklärte der Künstler, deswegen sei die Erzählweise dem Betrachter auch vertraut, obwohl keine Worte fallen und erleichtere den Zugang zum Stück. Seine Geschichten garniert er bewusst mit schwarzen Humor, das lockere die durchaus ernste Thematik auf. "Platte Witze sind nicht so meine Sache, ich gehe er in Richtung Kabarett. Ich will nicht Dinge spielen, die die Leute morgen schon wieder vergessen haben", erklärte Elias Elastisch seine Philosophie, die Pantomime lasse dem Publikum viel Raum für die eigene Fantasie und müsse deswegen auch dicht am Menschen spielen. Kleine Bühnen wie das Zappelini Zelt seien da viel besser geeignet als große Theater.
Das Ergebnis wird man heute Abend ab 19 Uhr im blauen Zappelini Zelt auf dem Gelände der Rothleimmühle am Altentor erleben können.
Angelo Glashagel










