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Schwarz oder Weiß?

Mittwoch, 20. Oktober 2004, 19:28 Uhr
Nordhausen (nnz). In der Nordhäuser Rothenburgstraße war heute wieder eine Krisensitzung angesagt. Allerdings diesmal mit prominenter Beteiligung. Lothar Späth, einstiger Jenoptik-Lenker und Fast-Wirtschaftsminister, sollte in der Nobas moderieren. Doch unter einer Moderation verstanden die Mitarbeiter etwas anderes...


Für den Vorsitzenden des Nobas-Betriebsrates, Eberhard Klaus, war das zu erwartende Ergebnis der Gesprächsrunde noch am Vormittag wie ein Farbenspiel: „Entweder, wir haben heute am Abend Schwarz oder wir haben Weiß“, so seine Prognose. Klaus sollte nicht Recht behalten. Als sich die nnz mit ihm am frühen Abend unterhielt, da lautete seine Antwort: „Es gibt wohl noch einen Zwischenton!“

Das heißt nichts anderes, als das in der Nobas nicht nur heute gesprochen wurde, sondern das sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite vermutlich in der kommenden Woche nicht einmal treffen wollen. Heute aber ging es erst einmal rund. Mehrere Gutachten wurden vorgelegt. Das Unternehmen EWR, das im Auftrag des Betriebsrates ein Gutachten über die Wettbewerbsfähigkeit der Nobas erstellen sollte kam zu dem Ergebnis, dass es zu einer Sanierung der Firma kommen müssen. Es soll nach Informationen der nnz aber auch zu dem Schluß gekommen sein, dass es im kommenden Jahr deutlich weniger Belastungen geben werde.

Auch Nobas-Eigner Günter Papenburg hatte im Vorfeld seine Hausaufgaben gemacht. Er hatte Wirtschaftsprüfer mit einer Nobas-Analyse beschäftigt. Als beide Prüf-Gesellschaften ihre Ergebnisse mit einander verglichen, da soll festgestellt worden sein, dass die Ergebnisse wahrlich nicht allzu weit von einander entfernt lagen. Größere Differenzen schien es lediglich bei der Beurteilung einer Produktgruppe zu geben. Für die Arbeitnehmer ist jedoch wiederum deutlich geworden, dass innerhalb des Unternehmens Strukturen angepasst oder Abläufe optimiert werden müssen.

Und dann kam die Stunde des Lothar Späth. Er verkündete den Nobas-Mitarbeitern das Angebot von Günter Papenburg: In diesem Jahr eine 45-Stunden-Arbeitswoche ohne Lohnausgleich, keine Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld und eine fünfprozentige Lohnkürzung auf der Basis der Löhne und Gehälter des Jahres 2001. Im kommenden Jahr solle es dann die 42-Stunden-Arbeitswoche ohne Lohnausgleich und eine nochmalige Lohn- und Gehaltskürzung um 10 Prozent geben. Dafür seien die Arbeitsplätze über die zu vereinbarende Laufzeit in Nordhausen, Halle oder Gröbers gesichert und die Arbeitnehmer sollen zu 50 Prozent an den eventuellen Gewinnen des Unternehmens beteiligt werden. Die andere Gewinn-Hälfte solle in die Nobas investiert werden.

Schade für Eberhard Klaus war dann die Tatsache, dass es Lothar Späth bei der Vorstellung des Unternehmer-Angebots beließ und das Angebot der Arbeitnehmerseite vermutlich „vergaß“. Das sieht nämlich im Überblick weitreichende Zugeständnisse vor. So zum Beispiel eine 42-Stunden-Arbeitswoche mit Lohnausgleich auf der Basis 2001. Auch soll es eine weitere Sanierungsbegleitung im Bereich der Personalkosten geben.

„Noch ist das Licht bei uns nicht aus“, formulierte es heute ein Nobas-Mitarbeiter, der seit mehr als 20 Jahren seinen Job an der Rothenburgstraße macht. Das Hoffen seiner Kollegen geht vermutlich bis in die nächste Woche hinein. Dann wird feststehen, ob es ein Grau oder ein Schwarz bei der Nobas gibt. Das Weiß ist vermutlich seit heute vom Tisch.
Autor: nnz

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